Fragen & Antworten

So soll die Testpflicht in Bremer Unternehmen funktionieren

In Bremer Unternehmen und Behörden gilt ab Montag die Corona-Testpflicht. Doch wie muss man sich testen? Und wer kontrolliert? Das sind die wichtigsten Punkte.

Video vom 7. Mai 2021
Ein Covid19 Antigen-Schnelltest.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die nicht im Homeoffice arbeiten können, müssen sich zweimal in der Woche auf Corona testen. Diese Testpflicht gilt ab dem kommenden Montag. Damit soll das Risiko einer Corona-Ansteckung am Arbeitsplatz reduziert werden.

Doch wie genau sollen die Corona-Tests ablaufen? Wer soll sie dokumentieren und wer kontrolliert, dass jemand den Test wirklich macht? buten un binnen hat die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Thema zusammengefasst.

Um welche Tests handelt es sich und wo muss man sie durchführen?
Es handelt sich um Corona-Antigen-Tests und es gibt verschiedene Möglichkeiten, sie den Beschäftigten anzubieten, wie das Gesundheitsressort mitteilt. Die Selbsttests können im Unternehmen durchgeführt oder für den Hausgebrauch unter den Beschäftigten verteilt werden. Ebenso kann der Arbeitgeber kostenlose Schnelltests in einem Testzentrum buchen.

Die Bremer Unternehmen handhaben es offenbar unterschiedlich. Das Luftfahrtunternehmen OHB zum Beispiel händigt die Selbsttests den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen an den Standorten aus, damit sie sie in dafür eingerichteten Räumen durchführen. Die Bremer Firma Peter Braun Personalberatung teilt mit, dass ihre Beschäftigten sich entweder Sonntagnachmittag oder Montagmorgen sowie Mittwochmorgen zu Hause testen, bevor sie ins Büro kommen.

Die Johanniter und ihre Partner beim Testzentrum Uni Bremen haben zudem angekündigt, kostenpflichtige Testkontingente für Firmen sowie Testungen bei den Unternehmen vor Ort anzubieten. Ähnliche Angebote gibt es ebenfalls in anderen privaten Bremer Testzentren.  
Werden die Tests dokumentiert, kontrolliert jemand die Einhaltung der Regelung?
Nein, eine Dokumentation ist nicht notwendig. Auch die Arbeitnehmer sind nicht dazu verpflichtet, die Testergebnisse vorzuzeigen. Kontrollen sind ebenfalls nicht vorgesehen. "Diese wären in der Praxis auch nicht umsetzbar. Es liegt in der Verantwortung sowohl eines jeden Unternehmens als auch eines jeden Arbeitnehmers die Testpflicht wahrzunehmen", sagt eine Sprecherin der Bremer Innenbehörde.

Wie kann man sich dann sicher sein, dass niemand schummelt? Dazu sagt das Gesundheitsressort: "Auch durch Kontrollen erreicht man keine hundertprozentige Sicherheit. Hier liegt die Verantwortung sowohl bei den Unternehmen als auch bei allen Beschäftigten, die Testpflicht tatsächlich umzusetzen. Es geht bei dieser Regelung darum, dass weitere Bereiche des öffentlichen Lebens in die Pandemiebekämpfung einbezogen werden."

Auch durch Kontrollen erreicht man keine hundertprozentige Sicherheit. Hier liegt die Verantwortung sowohl bei den Unternehmen als auch bei allen Beschäftigten, die Testpflicht tatsächlich umzusetzen.

Bremer Gesundheitsbehörde

Die Bremer Beratungsfirma Peter Braun handhabt das anders: "Wir posten die Ergebnisse der Tests per Foto in einer WhatsApp Gruppe. Das gibt allen ein sicheres Gefühl", sagt die Geschäftsführerin, Cornelia Hopp. Das Oldenburger IT-Unternehmen Devity Labs hat hingegen eine kostenpflichtige Software entwickelt, mit der die Arbeitgeber Ausgabe und Ergebnisse dokumentieren können.

Wer bezahlt für die Tests und wo kommen sie her?
Der jeweilige Arbeitgeber muss für die Kosten aufkommen und sich um die Beschaffung kümmern. Die registrierten Test-Kits können auf dem freien Markt gekauft werden. OHB rechnet dafür mit einer niedrigen sechsstelligen Summe, je nach Dauer der Testpflicht. Die Bremer Firma wird nach eigener Schätzung etwa 10.000 Tests pro Monat ausgeben.

Hopp von der Firma Peter Braun sagt, die Beschaffung sei anfänglich etwas schwierig und teuer gewesen. Sie hätte erwartet, dass die Kosten übernommen würden. "Für die ersten Tests haben wir 7 Euro bezahlt. Mittlerweile liegen wir bei 3,70 Euro. Wir haben jetzt das Angebot eines Kollegen genutzt, der 50.000 Tests bestellt hat." Damit hofft das Unternehmen, die Zeit bis zum Ende der Testpflicht zu überbrücken.
Was passiert, wenn sich jemand weigert?
Konkrete Anweisungen gibt es nicht. Dies hatte bei manch einem Arbeitgeber für Verwirrung gesorgt. Aber vielleicht passiert das nicht; darauf hofft auch Ole Dahms, Niederlassungsleiter bei der Firma Zech Umwelt.

Ich wüsste auch nicht, wie ich damit umgehen sollte, wenn sich jemand sperrt, den Test machen zu wollen. Den Fall hatten wir bisher noch nicht.

Ole Dahms sitzt am Schreibtisch.
Ole Dahms, Niederlassungsleiter Zech Umwelt GmbH

"Aus der Verordnung leiten sich keine konkreten Handlungen ab", sagt die Gesundheitsbehörde. "Dem jeweiligen Arbeitgeber stehen hier demnach Möglichkeiten nach dem Arbeitsrecht zur Verfügung."

Was sagen Unternehmen und Verbände dazu?
Hopp von Peter Braun sieht die Testpflicht kritisch. In unserem Unternehmen testen wir uns alle freiwillig bereits seit rund vier Wochen, als Unternehmerin trage ich doch die Verantwortung für das Funktionieren des Betriebs und für meine MitarbeiterInnen und kann es mir nicht erlauben, das Risiko eines COVID-19-Falles einzugehen. Ich bin überzeugt, dass die meisten meiner Unternehmerkolleginnen und -kollegen das genauso sehen. Insofern bedarf es für uns keiner bevormundenden Testpflicht – wir testen freiwillig.

In unserem Unternehmen testen wir uns alle freiwillig bereits seit rund vier Wochen. (...) Ich bin überzeugt, dass die meisten meiner UnternehmerkollegInnen das genauso sehen. Insofern bedarf es für uns keiner bevormundenden Testpflicht – wir testen freiwillig.

Cornelia Hopp
Cornelia Hopp, Geschäftsführerin
Lange Zeit waren auch die Unternehmensverbände im Lande Bremen skeptisch. Inzwischen trägt auch der Verein die Testpflicht mit.

Wir haben die Testangebotspflicht ja im Vorfeld sehr kritisch beurteilt, vor allem im Hinblick auf die Kosten für die Unternehmen und die lange Zeit schwierige Liefersituation. Letztere hat sich nach den Rückmeldungen aus den Unternehmen mittlerweile überwiegend normalisiert. Die Firmen gehen sehr individuell mit den Testungen um, viele geben ihren Beschäftigten die Selbsttests mit nach Hause, was mit Blick auf die Verminderung des Infektionsrisikos auch sinnvoll ist.

Cornelius Neumann-Redlin spricht über Tarifflucht.
Cornelius Neumann-Redlin, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände im Lande Bremen

Ähnlich klingt die Handwerkskammer:

Die Unternehmen sind durch die bereits länger bestehende Angebotspflicht für Tests gut vorbereitet, deswegen stellt die Testpflicht für Beschäftigte logistisch und organisatorisch für sie keine wesentlichen zusätzlichen Herausforderungen dar. Im Hinblick auf die Umsetzung liegt diese naturgemäß bei den Beschäftigten.

Oliver Brandt, Sprecher der Handwerkskammer Bremen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), Region Bremen-Elbe-Weser, ist von der Notwendigkeit der Testpflicht überzeugt.

Jetzt, wo Selbsttests in den Betrieben verpflichtend angeboten werden müssen, erhöht sich der Schutz aller. Klar werden wir von unseren Kolleg*innen gefragt: Wie soll das kontrolliert werden? Meine Antwort: überzeugend auftreten. An das Tragen einer Schutzkleidung oder eines Hörschutzes müssen wir einige Kolleg*innen auch immer wieder erinnern. Wenn alle mitmachen, schützen wir uns gegenseitig.

Die Vorsitzende des DGB Annette Düring, Frau mit brauner Kurzhaarfrisur und Brille
Annette Düring, Regionsgeschäftsführerin DGB

Bremen führt Testpflicht für Unternehmen ein

Video vom 27. April 2021
Testpackungen auf einem Tisch
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 07. Mai 2021, 19:30 Uhr