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Strom: Kleine Idylle mit dörflichem Charakter

Wenige Hunderte Einwohner und weite Felder: Strom hat ein ländliches Flair. Dabei ist der Ortsteil gar nicht so weit entfernt vom Zentrum der Stadt.

Stadtteilcheck

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Bremen

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1 Die Menschen und das Leben im Stadtteil Strom

Es ist ein Streifen Land, auf dem sich eine Straße schlängelt. Häuser auf beiden Seiten, die sich aneinanderreihen, und weite Felder, so weit das Auge reicht. Strom, im Süden Bremens, ist kein Stadtteil im engsten Sinn des Wortes, sondern ein Ortsteil ohne Stadtteilebene. So wie sein Nachbar, Seehausen.

Das Schild vom Ortsteil Strom hängt schief. Im Hintergrund fahren Autos vorbei.
Ein Ortsteil mit ländlichem Charakter: Strom liegt an der Grenze zu Niedersachsen.

Mit Seehausen teilt sich Strom auch den dörflichen Charakter. Auf den Wiesen und Feldern in Richtung Weser wird noch Landwirtschaft betrieben, die der Gegend ein ländliches Flair verleiht. Kühe ruhen in der Ferne auf dem Gras. Ein Teil des Gebiets steht unter Naturschutz. Auf der nördlichen Seite, in Richtung Seehausen, durchquert die A281 den Ortsteil und grenzt die Felder von den Logistikfirmen ab, die am nördlicheren Neustädter Hafen und im Güterverkehrszentrum arbeiten.

Beim Anblick des kleineren und größeren Viehs, das auf den Wiesen weidet, könnte sich der Ausflügler in einer kleinen, ruralen Idylle wähnen, fernab von der Hektik und dem Verkehr einer Großstadt. "Strom ist eine grüne, ruhige Wohngegend mit Naturschutzgebieten. Wenn Sie über die Felder schauen, sehen sie Störche, Bussarde, Kormorane", fasst es der Ortsamtsleiter Wilfried Frerichs zusammen. Doch der Schein trügt, denn Strom liegt lediglich eine knappe Viertelstunde mit dem Auto von der Domsheide entfernt.

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Strom ist ziemlich dünn bewohnt. Insgesamt leben dort 436 Einwohner auf etwa 7 Quadratkilometern Land. Die Anzahl der Kinder im Grundschulalter ist daher extrem begrenzt (10). Die Zahl der Jüngeren und Älteren ist fast gleich (97 versus 90). Strom hat einen dörflichen Charakter, bestätigt Frerichs. Das zeige sich an dem großen Zusammenhalt und der Vereinskultur ihrer Einwohner. "Der Sportverein hat um die 220, 240 Mitglieder. Im Verhältnis zur Zahl der Einwohner ist es eine ordentliche Größe."

Jahreseinkommen im Stadtteil Strom DURCHSCHNITTLICHESJAHRESEINKOMMEN28.300 €36.000 €MITTLERESJAHRESEINKOMMEN
Die Werte zeigen das Bruttoeinkommen abzüglich aller Abgaben und Belastungen, die für die Berechnung der Einkommenssteuer relevant sind. Quelle: Statistisches Landesamt, Bremen, Stand: 2013

Das durchschnittliche Einkommen in Strom beträgt 36.000 Euro, der mittlere Wert beläuft sich auf 28.300 Euro. Der Ortsteil ist relativ einkommensstark. Die Zahl der Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfänger ist sehr niedrig (11 und 16). Dabei ist zu beachten, dass auch Familienmitglieder von Erwerbslosen unter bestimmten Bedingungen Hartz-IV empfangen können.

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Strom gehört zum Bereich des Polizeireviers Woltmershausen. Dort gehen die Fälle von Wohnungseinbrüchen seit 2015 deutlich zurück. Dafür ist die Zahl der Gewalttaten im vergangenen Jahr angestiegen, von 39 auf 52. Auch Seehausen und Woltmershausen gehören zu diesem Revier. Das bedeutet, dass die 52 Gewalttaten und die 24 Einbrüche sich auf jeglichen dieser Stadtteile beziehen könnten oder darauf verteilt sein. Mit Sicherheit lässt sich behaupten, dass die Zahl der Wohneinbrüche in diesem Gebiet 2018 besonders niedrig war.

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2 Probleme und Herausforderungen

Eine Herausforderung sind in Strom gewiss die Verkehrsmittel. Die Buslinien fahren hier meistens nur ein- oder zweimal pro Stunde. "Wenn man kein Auto hat und mal schnell ein Brötchen holen will, ist das sicherlich eine Herausforderung", bestätigt der Ortsamtsleiter. Wer sportlich sei, könne die Strecke vielleicht mit dem Fahrrad zurücklegen.

Ein Transparent mit der Aufschrift "Hände weg von unserer Schule" an der Grundschule in Bremen-Strom.
Die Grundschule in Strom riskierte, geschlossen zu werden. Momentan ist der Fortbestand gesichert.

Auch gibt es offenbar noch Wünsche beim Wohnungsbau. "Seit 30 Jahren gibt es das Projekt eines Baugebiets, das bislang noch nicht umgesetzt wurde. Gerade ist aber da Bewegung reingekommen", sagt Frerichs. Ziel sei unter anderem, die Einwohnerzahl zu steigern. Das ist auch für den Fortbestand der dortigen Schule wichtig. Weil die Zahl der Kinder sehr niedrig war, drohte vor einiger Zeit die Schließung. "Jetzt ist der Bestand gesichert, weil auch Kinder aus umliegenden Stadtteilen zu uns kommen." Die nächste Herausforderung sei, die Nachmittagsbetreuung zu organisieren, da jetzt die Einrichtung zur Ganztagsschule werden muss.

Sonstige Themen, die den Ortsteil bewegen, sind die Breitbandversorgung und die Entlastung der Zufahrtsstraße für das Güterverkehrszentrum (GVZ). "Die Breitbandversorgung ist eines der traurigsten Kapitel, mit dem wir uns hier herumschlagen müssen. Ich sagte früher, 'Strom hat eine Breitbandversorgung wie eine Hallig.' Inzwischen sind die Halligen gut angebunden, wir in Strom aber nicht", sagt Frerichs.

Das sei vor allem für Arbeitnehmer in Home Office und kleine Betriebe ein Problem. Man warte momentan noch auf einen Termin. Bei der Landstraße geht es hingegen um die vielen Lkw, die täglich zum GVZ fahren. Dafür sei die Straße in Strom nicht ausgelegt, sagt der Ortsamtsleiter. Eine Entlastung wurde versprochen, doch bis heute warten die Stromer offenbar immer noch darauf. Auch Lärm und rekurrierende Staus sind in dem Ortsteil immer wieder ein Problem.

3 Politische Ausgangslage

Die größte Mehrheit der Einwohner in Strom war 2015 wahlberechtigt (83 Prozent). Das erklärt sich durch den niedrigen Anteil an Kindern sowie an Anwohnern ohne deutschen Pass. Letztere machten im Jahr 2015 etwa 3 Prozent der Stadtteilbevölkerung aus. Sehr hoch war auch die Wahlbeteiligung: mit 72 Prozent einer der höchsten Werte in Bremen überhaupt.

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Das Ergebnis war 2015 eindeutig: die Mehrheit hat für die CDU abgestimmt (52 Prozent). Es folgte die SPD mit 26 Prozent. Grüne und AfD schafften es knapp über die Fünf-Prozent-Hürde. Das kleinste Ergebnis erzielte die Linke mit 1,4 Prozent.

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Für die Bürgerschaftswahlen 2019 sind in Strom 343 Menschen als wahlberechtigt eingetragen – fast genauso viele wie im Jahr 2015.

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  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. Mai 2019, 19:30 Uhr