Infografik

Häfen: Stadtteil am Fluss mit einer Eigenheit

Kaum bevölkert, dafür ein wichtiger Knotenpunkt des Handels im Lande: der Stadtteil Häfen. Ein Gebiet, das eine ziemlich bizarre Verwaltungseinteilung aufweist.

Stadtteilcheck

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Bremen

Bremerhaven

Bremen Mitte

1 Die Menschen und das Leben in der Häfen

Menschen gibt es im Stadtteil Häfen, Anwohner sind dagegen spärlicher. Die Gebiete in den vier Ortsteilen – Industriehäfen, Hohentorshafen, Neustädter Hafen und Stadtbremischem Überseehafengebiet Bremerhaven – werden eher für Industrie und Handel genutzt. Hier schlagen die Hafenmitarbeiter Waren wie Baustoffe, Forst- und Stahlprodukte oder Autoteile um. 

Die Bezeichnung "Überseehafengebiet Bremerhaven" ist nicht symbolisch: Der Ortsteil befindet sich tatsächlich in Bremerhaven. Administrativ gehört er allerdings zu Bremen. Auch die Ortsteile in Bremen sind teilweise räumlich voneinander getrennt und werden verschiedenen Ortsämtern zugeordnet.

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Die Häfen sind kein Wohngebiet, obwohl dort durchaus Menschen wohnen. In vielen Fällen handelt es sich um Mitarbeiter der dortigen Firmen, bestätigen Ortsamt und Bremenports. Das zeigt sich auch an der Zusammensetzung der Bevölkerung: Sehr wenige Einwohner (26 von 287) sind im Rentenalter oder noch minderjährig (34 von 287).

Ein Arbeiter, der mit einer Leiter am Neustädter Hafen entlanggeht, an der Seite sind mehrere Rohre zu sehen.
Arbeiter im Neustädter Hafen.

Auf der linken Weserseite trifft man auf den Neustädter Hafen und den Hohentorshafen, der als Gewerbegebiet mehrere Firmen beherbergt. Dort werden unter anderem Boote repariert, Honig importiert und Sextoys produziert. Im Neustädter Hafen schlagen die Mitarbeiter noch Waren um, vor allem schweres Gut. "Alles, was nicht in die Container passt", fasst es Holger Bruns, Sprecher der städtischen Firma Bremenports, zusammen. Laut Hafenbetreiber BLG-Logistics soll er der größte Hafen für Schwergut Europas sein.

Auf der rechten Weserseite befinden sich die Industriehäfen. Dort wird alles Mögliche ab- und antransportiert, auch Schüttgut wie Kohle, Mehl oder Kaffee. Zum Ortsteil Industriehäfen gehören auch das Einkaufszentrum Waterfront und der Club Pier 2. Die Nähe zum Wasser und die Abgelegenheit des Gebiets ziehen vor allem am Hohentorshafen gerade im Sommer viele junge Menschen an. Sie feierten in den vergangenen Jahren immer wieder Freiluftpartys – teils zum Ärger der Anwohner.  

Jahreseinkommen im Stadtteil Häfen DURCHSCHNITTLICHESJAHRESEINKOMMEN14.096 €22.569 €MITTLERESJAHRESEINKOMMEN
Die Werte zeigen das Bruttoeinkommen abzüglich aller Abgaben und Belastungen, die für die Berechnung der Einkommenssteuer relevant sind. Quelle: Statistisches Landesamt, Bremen, Stand: 2013

In den Häfen gibt es mehrere große Unternehmen wie Stahlwerke, SWB oder die BLG-Logistics, in denen bis zu 5.000 Menschen arbeiten, erzählt Bruns. Oft hätten sie eine jahrzehntelange Tradition.

Beständigkeit ist für die Häfen charakteristisch.

Holger Bruns, Bremenports

Das durchschnittliche Jahreseinkommen beträgt etwa 22.500 Euro, der mittlere Wert ist 14.000 Euro. Das zeigt, dass ein großer Teil der Lohn- und Einkommensteuerpflichtigen im niedrigen Einkommensbereich liegt, während einige etwas besser verdienen. Da die Bevölkerung nicht sehr groß ist, sind Verallgemeinerungen jedoch schwer. Eine kleine Zahl von Einwohnern (16) ist als arbeitslos gemeldet und 70 von 287 bekommen Hartz-IV-Leistungen. Die Diskrepanz zwischen den Zahlen erklärt sich dadurch, dass manchmal auch enge Familienmitglieder von Arbeitslosen Hartz-IV empfangen können.

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Wenn es um die Kriminalität im Stadtteil geht, sind die Zahlen für Häfen nach Angaben des Innenressorts in mehreren Reviersbereichen enthalten. Der Neustädter Hafen und Hohentorshafen zählen zu Woltmershausen, Industriehäfen zu Gröpelingen und das Stadtbremische Überseehafengebiet in Bremerhaven zu Lehe. Daher ist es nahezu unmöglich, verlässliche Zahlen für den gesamten Stadtteil zu finden.

2 Probleme und Herausforderungen

Die besondere Verwaltungseinteilung der Häfen sorgt offenbar teilweise für Verwirrung. So schildert die Woltmershausener Beiratssprecherin, Edith Wangenheim (SPD), wie es gelegentlich Stress wegen der Kompetenzen gegeben haben soll. Dem Beirat Woltmershausen unterstehen der Neustädter Hafen und Hohentorshafen, während die Industriehäfen dem Beirat Gröpelingen zugeordnet werden. Gemanagt werden die Bremer Häfen vom bremischen Unternehmen Bremenports.

Das Unternehmen sagt, die größten Herausforderungen wären momentan eine eventuelle Vertiefung mehrerer Hafenbecken, die geprüft werden muss, sowie die Digitalisierung der Häfen, die vorangetrieben werden sollte. Gerade werde auch nach einem Weg gesucht, Wasserverluste zu verringern, fügt der Sprecher hinzu. Die Hafenbilanz für 2018 war insgesamt stabil, das hatte die Gesellschaft schon Ende des Jahres bekanntgegeben. Allerdings könnte sich der Abzug der Hapag-Llyod nach Hamburg künftig negativ auf den Containerumschlag auswirken.

Über die Zukunft des Neustädter Hafens wird politisch viel diskutiert. In einigen Jahren soll der Pachtvertrag zwischen Bremen und der Firma BLG-Logistics ablaufen. Während aus dem CDU-Lager der Vorschlag kam, den Hafen künftig anders zu nutzen, zum Beispiel als Wohngebiet, besteht die SPD auf eine Weiternutzung als Hafen.

3 Politische Ausgangslage

Es gibt in den Häfen 70 Wahlberechtigte, aber keine Wahlergebnisse. Der Grund: Die Ortsteile "werden aufgrund der geringen Zahlen an Wahlberechtigten anderen Wahlbezirken zugeordnet", sagt Martin Kesper vom Statistischen Landesamt Bremen. Die vier Ortsteile bilden also keine eigenständigen Wahlbezirke und ihre Stimmen werden anderen Stadtteilen zugeordnet, die durch die jeweiligen Ortsämter auch politisch für sie zuständig sind. Der Ortsteil Stadtbremisches Überseehafengebiet ist beiratsfrei und ohne Wahlberechtigte.

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  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. Mai 2019, 19:30 Uhr