Post vom Finanzamt soll verständlich werden: Jetzt sind Sie gefragt!

Post vom Finanzamt soll verständlicher werden, wünschen die Finanzminister und –senatoren. Bei einer Online-Umfrage können auch die Bremerinnen und Bremer mitmachen.

Großaufnahme eines Steuerbescheids
Die Sprache in Steuerbescheiden ist manchmal kompliziert. Die "Nichtzulassungsbeschwerde" muss man erstmal kennen. Bild: Radio Bremen | Karl-Henry Lahmann

Post vom Finanzamt kann schon mal so richtig knackig sein: "Der Einspuch ist bei dem vorbezeichneten Finanzamt oder bei der angegebenen Außenstelle schriftlich einzureichen, diesem / dieser elektronisch zu übermitteln oder dort zur Niederschrift zu erklären." Das muss man schon wirklich verstehen wollen. Dreifaches Lesen hilft.

Einspruch gegen Steuerbescheid
Einspruch? Ja, nein, vielleicht? Wer Post vom Finanzamt bekommt, ist oftmals ratlos. Bild: Radio Bremen | Karl-Henry Lahmann

Pech hat, wer schon einen Verwaltungsakt weiter ist und das hier kapieren muss – vierfaches Lesen ist empfohlen: "Ein Einspruch ist jedoch ausgeschlossen, soweit dieser Bescheid einen Verwaltungsakt ändert oder ersetzt, gegen den ein zulässiger Einspruch oder (nach einem zulässigen Einspruch) eine zulässige Klage, Revision oder Nichtzulassungsbeschwerde anhängig ist."

Ziel: Informationen, die auch informieren

Finanzsentor Dietmar Strehl (Grüne) und seine Kolleginnen und Kollegen aus Bund und Ländern haben das Problem erkannt und packen es – immerhin im Jahr 2021, besser spät als nie – entschlossen an: "Die deutsche Amtssprache hat es in sich. Schreiben der Finanzämter sind für viele Bürgerinnen und Bürger nur schwer verständlich," erläutert er eine Initiative der Ressorts. Die haben sich das Ziel gesetzt, Steuervordrucke, Bescheide und "allgemeine Informationen" in eine Sprache zu bringen, die auch verstanden werden kann.

Bei Zusendung durch einfachen Brief gilt die Bekanntgabe mit dem dritten Tag nach Aufgabe zur Post als bewirkt; es sei denn, dass der Bescheid zu einem späteren Zeitpunkt zugegangen ist.

Finanzamts-Bescheid, Autor unbekannt

Und dabei kann ihnen jede und jeder unter die Arme greifen. Um die Sache bloß nicht den eigenen Behörden allein zu überlassen, haben sie eine echte sprachliche Autorität hinzu gezogen. Nein, nicht die Duden-Redaktion. Aber fast. Das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) soll dabei helfen, die Texte etwas geschmeidiger werden zu lassen. Und um erstmal zu erkunden, wie die jetzigen bei den Leserinnen und Lesern überhaupt ankommen, hat das IDS eine Internet-Umfrage gestartet.

Umfrage dauert etwa 30 Minuten

Eine knappe halbe Stunde Zeit sollte mitbringen, wer mitmachen will. Mehrere Beispiele aus aktuellen Finanzamts-Drucksachen wie auch solche, die künftig eine Alternative sein könnten, werden dabei vorgestellt. Zu beantworten sind dann Fragen nach der Verständlichkeit, wie oft man den Satz gelesen hat, bis man ihn verstanden hat. Und auch, ob man sich nun in der Lage sähe, den Inhalt jemand anderem zu erklären.

Am Ende erhoffen sich die Wissenschaftlerinnen Hinweise darauf, wo es so richtig hakt. Auch Strehl setzt darauf, dass möglichst viele Personen an der Umfrage teilnehmen. Schwarmintelligenz soll dazu beitragen, dass am Ende Verwaltungstexte stehen, die mehr Antworten als Fragen produzieren. "Möglichst viel Anregungen aus der Bevölkerung helfen den Projektbeteiligten und verbessern das Ergebnis," ist Strehl überzeugt.

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Autor

  • Karl-Henry Lahmann

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. Februar 2021, 19:30 Uhr