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Gesundheit statt Bauen – Bernhard will sich in ihr Ressort "reinknien"

Bausenatorin wäre die Linken-Politikerin gerne geworden. Aber auch mit dem Gesundheitsressort will Claudia Bernhard Rot-Grün-Rot in Bremen zu Ansehen verhelfen.

Politikerin Claudia Bernhard an ihrem Schreibtisch.
Möchte der Frauenpolitik zu mehr Gewicht im Bremer Senat verhelfen: Claudia Bernhard.

"Die Unzufriedenheit mit der Situation in dieser Stadt ist riesengroß." So hat es Claudia Bernhard im Mai, kurz vor der Wahl, in der Bremischen Bürgerschaft formuliert. Seit 2011 sitzt sie für die Linken dort. Bernhard ist wohnungs- und stadtentwicklungspolitische Sprecherin ihrer Partei. Beziehungsweise war. Denn jetzt kommt ihr nächster Karriereschritt. "Der Sprung ist immens", gibt Bernhard unumwunden zu. Sie müsse sich umstellen.

Bislang habe sie stets gern den Finger in die Wunde gelegt, um allen zu zeigen, wie furchtbar die Politik der Landesregierung sei. Das gehe nun natürlich nicht mehr. Jetzt gelte es, diesem rot-grün-roten Projekt gemeinsam zu Ansehen und Effizienz zu verhelfen: "Das ist eine große Herausforderung", sagt Bernhard.

Gesundheits- statt Bausenatorin

Klar, geplant, überzeugend und sachorientiert – so schätzt sich die Politikerin ein. Aufgrund ihrer bisherigen politischen Arbeit und der erworbenen Kompetenzen wäre sie gern Bausenatorin geworden. "Aber es ist, wie es ist. Und natürlich werde ich mich in mein Ressort reinknien", kommentiert Bernhard den Umstand, dass sie nun eben nicht Bau-, sondern Gesundheitssenatorin wird.

Über gesundheitspolitische Erfahrung verfügt die studierte Historikerin und Hobbyhandwerkerin durchaus: Zu Beginn ihrer politischen Karriere war die zweifache Mutter vier Jahre in der Gesundheitsdeputation, hat in dieser Funktion die ersten Berührungspunkte zur Gesundheitspolitik gehabt, kennt die Krankenhäuser und die Struktur im Land.

Gleich viele Ärzte für alle Stadtteile

Festgehalten im Koalitionsvertrag ist eine bessere ärztliche Versorgung mit dem Ziel, Ursachen gesundheitlicher Ungleichheit zu bekämpfen: "Wir müssen sehen, dass wir eine wohnortnahe Versorgung über Gesundheitszentren bekommen", sagt Bernhard dazu. Auch müsse es in allen Stadtteilen etwa gleich viele Ärzte und Fachärzte geben. Darüber hinaus möchte Bernhard "unbedingt, dass wir einen hebammengeleiteten Kreißsaal kriegen". Schließlich gelte es, den Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) so aufzustellen, dass er dauerhaft Bestand habe – "ohne ununterbrochen in den Miesen zu sein", sagt sie.

Wir müssen sehen, dass wir eine wohnortnahe Versorgung über Gesundheitszentren bekommen.

Claudia Bernhard, Bremens angehende Gesundheitssenatorin

Dafür möchte die neue Regierung mehr Geld in die Krankenhäuser sowie in die Fachkräfteausbildung stecken und obendrein Fachkräfte fair bezahlen: "Wir werden über Wege nachdenken müssen, wie wir das finanzieren können, ohne der Schuldenbremse auf den Schlips zu treten", sagt Bernhard.

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Erfahren in der Frauenpolitik

Während sie sich in den Gesundheitsbereich noch weiter einarbeiten muss, hat sie im zweiten Arbeitsbereich jahrzehntelange Erfahrung. Claudia Bernhard ist Feministin, seit dem Studium ist sie in der Frauenbewegung aktiv. Am Frauentag geht sie auf die Straße, hätte ihn – wie in Berlin – gern als Feiertag gehabt und fordert die Abschaffung des Paragraphen 219a, der Werbung für Schwangerschaftsabbrüche verbietet.

Aus diesen Gründen ist sie froh, dass zu ihrem Ressort auch die Frauen gehören. Umso mehr, als sie immer wieder, etwa in ihrer Zeit als Vorsitzende des Gleichstellungsausschusses, festgestellt habe, dass Frauenpolitik weithin als nichtig abgetan werde: "Ich finde: Das geht gar nicht", sagt sie. Es gebe einen wahren "Gender-Pay-Gap" in Bremen. So habe der Zwei-Städte-Staat schwer mit Frauenarmut und Alleinerziehenden-Problematiken zu tun. Bernhard hofft, das Frauenpolitik auf Senatsebene mehr Gewicht bekommt. Nicht zuletzt durch ihren persönlichen Einsatz.

Mit einem Klick zu den Senatoren und Senatorinnen:

Die Bremer Senatoren Andreas Bovenschulte Präsident des Senats Bürgermeister Dietmar Strehl Senator für Finanzen Ulrich Mäurer Senator für Inneres Kristina Vogt Senatorin für Wirtschaft und Arbeit Claudia Schilling Senatorin für Wissenschaft, Häfen und Justiz Claudia Bogedan Senatorin für Kinder und Bildung Maike Schaefer Senatorin für Umwelt, Bau und Verkehr Anja Stahmann Senatorin für Soziales, Jugend und Sport Claudia Bernhard Senatorin für Gesundheit und Frauen

Mehr zum Thema:

  • Katharina Guleikoff

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. August 2019, 19:30 Uhr