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Stahmann: Sozialressort als "kleine Schaltstelle im großen System"

Ihr Vater verlor in den 1970er Jahren den Job, ihre Kindheit in Bremerhaven war auch von Verzicht geprägt. Bremens Sozialsenatorin will Menschen in ähnlicher Lage stärken.

Portrait der lächelnden Anja Stahmann
Setzt auf Vernetzung in den Stadtteilen: Bremens Sozialsenatorin Anja Stahmann.

"Auch wenn sich die Schuldenuhr wieder rückwärts dreht: Bremen ist ein Haushaltsnotlageland", stellt Anja Stahmann fest. So sei es schon 2011 gewesen, als die Grünen-Politikerin als Sozialsenatorin angefangen habe, und so werde es auch in den kommenden Jahren sein. Daher sei klar: "Wir brauchen eine präventive Sozialpolitik, die die Menschen erreicht, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist, bevor ein Mensch an Vereinsamung erkrankt."

Wir wollen jedem das Gefühl geben, dass er wichtig ist für die Gesellschaft.

Anja Stahmann, Bremens Sozialsenatorin

Für diese präventive Sozialpolitik setzt die 52-Jährige vor allem auf das Knüpfen und Pflegen von Netzwerken: "Wir stärken Nachbarschaften", sagt Stahmann. Ohnehin betrachte sie ihr Ressort als jenes, das für den Zusammenhalt der Gesellschaft stehe, für die Teilhabe aller Menschen: "Wir wollen jedem das Gefühl geben, dass er wichtig ist für die Gesellschaft."

Beispielhafter Kattenturmer Sonnenplatz

Wie es gehen kann, das leben die Akteure in Kattenturm aus Stahmanns Sicht schon ganz gut vor: Dort habe das Quartiersmangement mit dem Martinsclub, der Wohnungsbaugesellschaft Brebau und der Bremer Heimstiftung einen Treffpunkt für alle Menschen des Stadtteils geschaffen: den Sonnenplatz. "Da kann man ein Café besuchen, die Tagespflege in Anspruch nehmen, und die aufsuchende Altenarbeit ist dort auch aktiv", freut sich sie Senatorin.

Sportvereine bringen Menschen zusammen, egal ob arm oder reich, ob jung oder alt.

Anja Stahmann, Bremens Senatorin für Soziales

Wie in Kattenturm, so möchte Stahmann auch in anderen Stadtteilen die Beratungsangebote vernetzen. Umso gelegener komme ihr, dass auch der Sport zu ihrem Ressort gehöre: "weil die Sportvereine Treffpunkte sind. Die bringen Menschen zusammen, egal ob arm oder reich, ob jung oder alt."

Wozu gute Netzwerke im Stande seien, habe sich in Bremen zuletzt insbesondere bei der Integration von Flüchtlingen gezeigt: Dabei hätten die Senatsressorts mit den Wohlfahrtsverbänden, den Kirchen, mit der Gewoba, der Brebau und mit anderen Wohnungsbaugesellschaften an einem Strang gezogen. Sehr stolz, so Stahmann, sei sie darauf, dass es ihr damals geglückt sei, auch die Bundeswehr bei der Erstaufnahme von Geflüchteten als Partner zu gewinnen.

Ohnehin, betont die Diplom-Sozialwirtin, sehe sie ihr Ressort als kleine Schaltstelle in einem großen System: "Hier liegen nicht alle Hebel", sagt Stahmann dazu. Um die wirklich großen Probleme zu lösen, könne sie zwar Anstöße geben. Letztlich seien aber Gesamtstrategien des Senats, der Wirtschaft und der Gesellschaft gefragt.

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Kindheit in Bremerhaven

Dabei denkt die Senatorin auch an Bremerhaven und an die vielen Kinder in der Seestadt, die in Armut groß werden. Stahmann ist in Bremerhaven aufgewachsen. Ihr Vater, ein Holzkaufmann, verlor kurz nach der Ölkrise in den 1970er Jahren seine Arbeit. "Ich weiß, wie es sich anfühlt, mit wenig Geld zu leben", sagt Stahmann und schlägt den Bogen in die Gegenwart: "Kinder dürfen kein Armutsrisiko sein. Das ist der Skandal in Deutschland. Wir brauchen eine Kindergrundsicherung."

Kinder dürfen kein Armutsrisiko sein. Das ist der Skandal in Deutschland. Wir brauchen eine Kindergrundsicherung.

Anja Stahmann, Bremens Senatorin für Soziales

Auch auf Landesebene, glaubt die Senatorin, lasse sich hierzu einiges beitragen: "Wir müssen alles daran setzen, dass Frauen, die Kinder haben, leichter in den Beruf zurückkehren können", sagt Stahmann etwa. Auf lange Sicht gelte es, den bunten Strauß aus familienpolitischen Leistungen zu einer eigenständigen, finanziellen Leistung für Kinder zu bündeln.

Bäder als Treffpunkte in den Stadtteilen

Apropos Kinder: Als besonders wichtigen Treffpunkt für Kinder wie für Jugendliche sieht Stahmann die Schwimmbäder an. "Das sage ich sowohl als Sport- als auch als Sozialsenatorin", betont sie: "Wir sollten stolz darauf sein, dass Bremen seine Bäder saniert, während andere Kommunen die Bäder reihenweise schließen." So baue Bremen in Horn ein Kombibad, und auch das Waller Bad werde neu aufgestellt: als Familienbad. Jenes in Vegesack werde saniert, weitere Bäder würden folgen.

Jetzt, so Stahmann, müsse man die Gunst der Stunde nutzen: "Wir sollten alles dafür tun, dass jedes Kind spätestens mit zehn schwimmen kann." Den Anfang habe ihr Ressort bereits gemacht, versichert die Senatorin: "Wir haben alle in Bremen zusammengebracht, die für das Thema Schwimmen zuständig sind", sagt Stahmann. Ganz im Sinne ihrer Strategie: Netzwerkarbeit eben.

Mit einem Klick zu den Senatoren und Senatorinnen:

Die Bremer Senatoren Andreas Bovenschulte Präsident des Senats Bürgermeister Dietmar Strehl Senator für Finanzen Ulrich Mäurer Senator für Inneres Kristina Vogt Senatorin für Wirtschaft und Arbeit Claudia Schilling Senatorin für Wissenschaft, Häfen und Justiz Claudia Bogedan Senatorin für Kinder und Bildung Maike Schaefer Senatorin für Umwelt, Bau und Verkehr Anja Stahmann Senatorin für Soziales, Jugend und Sport Claudia Bernhard Senatorin für Gesundheit und Frauen
  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. August 2019, 19:30 Uhr