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Darum findet Bremens Bildungssenatorin Rentenpolitik so spannend

Dass Claudia Bogedan als Tochter einer alleinerziehenden Arzthelferin heute Senatorin ist, führt sie selbst auf Chancen durch die SPD-Politik zurück. Sie knüpft daran an.

Portrait der lächelnden Claudia Bogedan
Möchte ungleiche Kinder ungleich fördern: Claudia Bogedan.

Wie herausfordernd das Bildungsressort sein kann, bekam Claudia Bogedan gleich in ihren ersten Wochen als Senatorin für Kinder und Bildung zu spüren. Kaum hatte sie im Spätsommer 2015 ihre Arbeit in Bremen aufgenommen, da öffnete die Bundesregierung die Türen für Tausende geflüchteter Menschen, die von Ungarn aus nach Deutschland kamen, unter ihnen zahlreiche Kinder. "Wir mussten sofort ganz viel Raum für Flüchtlinge in Schulturnhallen organisieren", erinnert sie sich. "Dann mussten wir so schnell wie möglich dafür sorgen, dass die Kinder Deutsch lernen konnten."

Wir haben die Flüchtlinge nicht fern von der Gesellschaft gehalten, sondern sofort begonnen, sie zu integrieren.

Claudia Bogedan, Senatorin für Kinder und Bildung

Sehr bewährt habe sich damals das Bremer und Bremerhavener Konzept der "teilintegrativen Beschulung". Die Kinder seien direkt einer Schule zugewiesen worden und hätten dort umgehend Sprachförderungsangebote bekommen. "Ich bin sehr stolz darauf, dass es uns damals gelungen ist, in sehr kurzer Zeit die Kapazitäten an den Schulen entsprechend hochzufahren", sagt Bogedan: "Wir haben die Flüchtlinge nicht fern von der Gesellschaft gehalten, sondern sofort begonnen, sie zu integrieren."

Wie für nahezu alles im Leben, so sieht Bogedan auch bei der Integration Geflüchteter den Schlüssel in der Bildung. "Wenn man Chancengerechtigkeit herstellen will, muss man bei den Kleinsten anfangen und dafür sorgen, dass sie unabhängig von ihrer sozialen Herkunft Zugang zu Bildung bekommen", sagt Bogedan und erklärt damit zugleich, worin sie ihre wichtigste Aufgabe als Senatorin für Kinder und Bildung sieht.

Senatorin aus einfachen Verhältnissen

Dass es die Tochter einer alleinerziehenden Arzthelferin aus Hessen nicht nur zur promovierten Sozialwissenschaftlerin gebracht hat, sondern eben auch zur Senatorin, führt Bogedan nicht zuletzt auf die Politik ihrer Partei zurück: "Ich habe davon profitiert, dass ich in Hessen aufgewachsen bin, zum richtigen Zeitpunkt Sozialdemokraten an der Macht waren", zeigt sie sich überzeugt: "Wären einige Stellschrauben anders justiert gewesen, wäre es nicht so gut für mich gelaufen", glaubt sie.

Dann etwa, wenn die Schulbücher Geld gekostet hätten – so wie im benachbarten "schwarzen" Rheinland-Pfalz. Oder wenn sie für das Busticket, mit dem sie in einen Nachbarort zum Gymnasium gefahren sei, hätte zahlen müssen. Oder wenn sie Studiengebühren hätte entrichten müssen. Doch all das habe sie eben nicht gemusst. Der SPD sei Dank. Daher möchte Bogedan nun als Senatorin für Kinder und Bildung ihrerseits dafür sorgen, dass möglichst viele Kinder, gerade solche aus ärmeren Verhältnissen, eine Chance im Leben erhalten. Und das mit einem weit vorausschauenden Blick.

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Grundstein für die Rente im Kindesalter legen

Um im Alter finanziell zurecht zu kommen, müsse man in Deutschland über lange Zeit, am besten ohne Unterbrechungen, gut bezahlter Arbeit nachgehen. Der Schlüssel zu den entsprechenden Arbeitsplätzen liege in einer "guten Bildung". Je früher Kinder anfingen, auf eine solche Bildung hinzuarbeiten, desto besser stünden später ihre Chancen auf eine anständigen Rente.

Ein guter Anfang sei, dass immer mehr Eltern in Bremen, auch in Stadtteilen wie Gröpelingen und Blumenthal, Tagesbetreuungsangebote für ihre Kinder in Anspruch nähmen, oft schon, wenn die Jungen und Mädchen erst 14 Monate alt seien, so Bogedan. "Die Eltern sagen: 'Die Kita bietet unseren Kindern ein gutes Bildungsangebot. Das wollen wir ihnen nicht vorenthalten'."

Bogedan sieht in dieser Entwicklung auch einen Erfolg ihrer Politik. Rund 3.400 Kindertagesstättenplätze habe Bremen in der abgelaufenen Legislaturperiode geschaffen. In diesem Punkt liege Bremen bundesweit vorn. Allerdings würden noch viel mehr benötigt. Die ehemalige Leiterin der Abteilung des Referates "Erwerbsarbeit im Wandel" der Hans-Böckler-Stiftung spricht von einem "strukturellen Umbruch": "Die Kita hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung für unsere Gesellschaft gewonnen."

Ungleiches muss ungleich behandelt werden.

Claudia Bogedan, Bremens Senatorin für Kinder und Bildung

Daher gelte es in der kommenden Legislaturperiode vor allem, für weitere gute Erzieher und Pädagogen zu sorgen. "Der Bedarf ist riesig", sagt Bogedan. Versuchsweise biete Bremen bereits 50 bezahlte Ausbildungen für Erzieher an: "Wir wollen die Ausbildung zum Erzieher für neue Zielgruppen schmackhaft machen", erklärt die Mutter eines Sohnes und einer kleinen Tochter: "Jedes Kind hat ein Talent, kann etwas besonders gut."

Erzieher müssen genau hinschauen

Doch während die einen von Haus aus die Selbstsicherheit und das Sprachvermögen hätten, um ihren Neigungen Ausdruck zu verleihen, bräuchten die anderen Unterstützung. "Ungleiches muss ungleich behandelt werden", sagt Bogedan. "Das bedeutet: Wir müssen die Erzieher und die Pädagogen in die Lage versetzen, genau hinzugucken."

Mit dieser Philosophie sieht sich auf einer Linie mit den grünen wie mit den linken Koalitionspartnern: "Wir haben sehr solidarisch über die frühkindliche und die kindliche Bildung miteinander gesprochen", blickt Bogedan auf die Koalitionsverhandlungen zurück. Eine "Herausforderung" sieht Bogedan dennoch in dem rot-grün-roten Bündnis. "Es ist eben ein Dreierbündnis", sagt sie. Da sei für Spannung gesorgt.

Mit einem Klick zu den Senatoren und Senatorinnen:

Die Bremer Senatoren Andreas Bovenschulte Präsident des Senats Bürgermeister Dietmar Strehl Senator für Finanzen Ulrich Mäurer Senator für Inneres Kristina Vogt Senatorin für Wirtschaft und Arbeit Claudia Schilling Senatorin für Wissenschaft, Häfen und Justiz Claudia Bogedan Senatorin für Kinder und Bildung Maike Schaefer Senatorin für Umwelt, Bau und Verkehr Anja Stahmann Senatorin für Soziales, Jugend und Sport Claudia Bernhard Senatorin für Gesundheit und Frauen

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  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. August 2019, 19:30 Uhr