Inklusives Golf, Sportplätze, Festivals: Was kommt auf die Rennbahn?

Zum Jahresende verabschiedet sich der Pächter von dem Gelände. Doch was soll dort entstehen? Mit diesen Ideen befasst sich ab sofort der Regionalausschuss Rennbahn.

Die Bremer Galopprennbahn aus der Luft aufgenommen.
30 Hektar, mitten in Bremen, demnächst aber ohne Bestimmung: Das Rennbahngelände zwischen Hemelingen und der Vahr.

Weiterhin Golf, eventuell eine Bezirkssportanlage oder auch eine Open-Air-Bühne – vielleicht aber auch alles zusammen: An Vorschlägen zur Nutzung der einstigen Galopprennbahn zwischen Bremen-Hemelingen und der Vahr mangelt es nicht. Kein Wunder, denn zum Jahresende verabschiedet sich der derzeitige Pächter, die GolfRange GmbH, von dem rund 30 Hektar großen Areal. Was bleibt, ist "ein geschlossenes Gelände mit einem Zaun darum", stellt Hemelingens Ortsamtsleiter Jörn Hermening fest. Wie sich das Gelände am besten nutzen ließe – mit dieser Frage befasst sich ab sofort der Regionalausschuss Rennbahn, ein neu gegründetes Gremium der Beiräte Hemelingens und der Vahr.

Die Idee, große Konzerte auf dem Gelände stattfinden zu lassen, brachten die Jusos jetzt beim Sonderparteitag der Bremer SPD ein. "Wir wollen Platz für Kultur schaffen statt für elitäre Sportevents", sagte Juso-Landesvorsitzender Sebastian Schmugler zur Begründung. Dieser Antrag wird weiter beraten, beschlossen die Delegierten.

Doch es gibt auch ganz andere Ideen für das Areal. "Zur Anregung" hat das Ressort der grünen Senatorin Anja Stahmann vorab schon einmal den Bau einer Bezirkssportanlage auf dem Rennbahngelände ins Spiel gebracht. "Wenn die Beteiligten diese Idee verfolgen wollen, könnten mit Unterstützung der Senatorin für Soziales und Sport attraktive Sportanlagen entstehen", bekräftigt Stahmanns Sprecher Bernd Schneider. Allerdings gebe es hierzu noch keine konkreten Pläne.

Inklusives Golf auf dem Rennbahngelände?

Genau solche möchte Caspar Willich, Präsident des Golfclubs Syke, dem Regionalausschuss Rennbahn vorstellen. "Bevor alles verwildert, sollten wir gucken, ob man die GolfRange nicht mit vereinten Kräften weiterbetreiben kann", sagt er. Zu diesem Zweck wünscht sich Willich, der auch Inklusionsbeauftragter des Golf-Verbands Niedersachsen-Bremen ist, nicht nur die Kooperation mehrerer Golfclubs, sondern auch eine "möglichst enge Zusammenarbeit" mit dem Martinshof, einem unmittelbaren Nachbarn des Rennbahngeländes.

Gerade viele Menschen mit Downsyndrom lieben Golf.

Caspar Willich, Inklusionsbeauftragter des Golf-Verbands Niedersachsen-Bremen

"Gerade viele Menschen mit Downsyndrom lieben Golf", erklärt Willich die Idee. Denn sie könnten bei diesem Sport auf spielerische Weise koordinative Fähigkeiten trainieren. Die weitläufige GolfRange sei hierzu bestens geeignet, findet Willich. Allerdings wisse er noch nicht, wer wie die Kosten der GolfRange bestreiten solle.

Lachender Mann in Menschenansammlung lächelt in Kamera
Möchte die GolfRange zusammen mit dem Martinshof nutzen: Caspar Willich, Inklusionsbeauftragter des Golf-Verbands Niedersachsen-Bremen. Bild: Caspar Willich

"Man rechnet grob, dass allein die Pflege der Grünfläche auf einem Golfplatz einen Euro pro Quadratmeter jährlich kostet", sagt er. Im Falle der 30 Hektar auf dem Rennbahngelände wären das rund 300.000 Euro pro Jahr. "Um die ganze Anlage in Schuss zu halten, müssten wahrscheinlich 500.000 her", schätzt Willich. Dieses Geld aufzubringen, sei nicht leicht.

"Letztlich fragt sich bei allem, was wir uns hier wünschen, wer es bezahlen soll", stellt Ortsamtsleiter Jörn Hermening dazu fest. Man stehe mit den Planungen für das Areal eben noch am Anfang.

Bürgerinitiative regt Zwischennutzungen an

Das sieht Andreas Sponbiel, Sprecher der Bürgerinitiative Rennbahngelände Bremen, zwar ähnlich. Auch glaubt er, dass es früher oder später neue Dauernutzer des Geländes geben werde. Bis es aber so weit sei, täte die Politik in seinen Augen gut daran, Zwischennutzungen des Rennbahngeländes zu ermöglichen. Seine Bürgerinitiative pflege Kontakte zu vielen Veranstaltern und könnte daher als "Makler und Mittler" fungieren, regt Sponbiel an: "Wir sollten die wunderbare Tribüne auf dem Gelände nutzen."

Wir sollten die wunderbare Tribüne auf dem Gelände nutzen.

Andreas Sponbiel, Sprecher der Bürgerinitiative Rennbahngelände Bremen
Blick von der Sitztribüne auf die leere Rennbahn
Aus Sicht der Bürgerinitiative Rennbahngelände ist die Tribüne auf der einstigen Galopprennbahn von unschätzbarem Wert für die künftige Nutzung des Areals.

Schon jetzt gebe es Interessenten, die einen Winter- und Weihnachtszirkus auf dem Gelände ausrichten möchten, sagt er. Sportvereine hätten eine Mehrzweckhalle angeregt. Auch Flohmärkte, Theatervorstellungen und Konzerte seien im Gespräch, sagt Sponbiel.

Wir möchten zunächst dafür sorgen, dass unsere Stadtteile mitentscheiden.

Jörn Hermening, Ortsamtsleiter Hemelingens

Auch Ortsamtsleiter Jörn Hermening kann sich dort eine große Open-Air-Bühne gut vorstellen: "Das wäre eine feine Sache", findet er. Generell wünsche sich wohl jeder im Regionalausschuss Rennbahn die Nutzung des Geländes durch die Allgemeinheit, glaubt der Ortsamtsleiter, stellt aber auch klar: "Unser Einfluss ist begrenzt." Am Ende würden keine Beiräte, sondern die große Politik darüber entscheiden, was aus der Galopprennbahn wird. "Wir möchten zunächst dafür sorgen, dass unsere Stadtteile mitentscheiden", sagt Hermening.

Runder Tisch lässt auf sich warten

Aus diesem Grund hat der Regionalausschuss Rennbahn die grüne Bürgermeisterin und Bausenatorin Maike Schaefer eingeladen. Erst kürzlich hatte Schaefer angekündigt, einen runden Tisch zur Zukunft der einstigen Galopprennbahn einzuberufen. "Jetzt wollen die Beiräte natürlich wissen, wann dieser runde Tisch tagt", so Hermening.

Falls die Beteiligten sich zum Beispiel nicht auf eine Zusammensetzung des runden Tischs einigen können, kann es auch noch zwei Wochen, zwei Monate oder zwei Jahre dauern, ehe die Runde tagt.

Jens Tittmann, Sprecher des Bauressorts

Dass Schaefer diese Frage aber im Ausschuss konkret beantworten wird, glaubt ihr Sprecher Jens Tittmann nicht. Vielmehr wolle das Ressort den Beiräten sowie der Bürgerinitiative Rennbahngelände Bremen bis Ende des Jahres "einen Strukturplan für die Ausgestaltung des runden Tischs" vorschlagen. Erst wenn diese Struktur gemeinsam verabredet sei, könne sich der runde Tisch bilden. Wann es aber tatsächlich so weit sei, wisse er nicht: "Falls die Beteiligten sich zum Beispiel nicht auf eine Zusammensetzung des runden Tischs einigen können, kann es auch noch zwei Wochen, zwei Monate oder zwei Jahre dauern, ehe die Runde tagt. Wir hoffen aber, dass wir uns rasch auf eine gemeinsame Form des Dialogs einigen können", fügt Tittmann hinzu.

Wäre der Volksentscheid anders ausgegangen, hätte es den runden Tisch längst gegeben.

Andreas Sponbiel, Sprecher der Bürgerinitiative Rennbahngelände Bremen

Bürgerinitiativen-Sprecher Andreas Sponbiel zeigt sich über den Zeitplan des Bauressorts verärgert: "Wäre der Volksentscheid anders ausgegangen, hätte es den runden Tisch längst gegeben", vermutet er. Damit spielt er auf den Umstand an, dass alle Parteien des Bremer Regierungsbündnisses vor dem Volksentscheid im Mai für eine teilweise Bebauung des Rennbahngeländes mit Wohnobjekten geworben hatten. Nun müsse der Senat, dem Bürgerauftrag folgend, das Areal gegen seinen ursprünglichen Willen anderweitig entwickeln. "Damit tut sich die Regierung offensichtlich schwer", meint Sponbiel.

Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 28. Oktober 2019, 23:30 Uhr