Neonazis bedrohen politische Gegner in Bremerhaven

Neonazis treten in Bremerhaven mittlerweile massiv in der Öffentlichkeit auf. Dabei bedrohen und provozieren sie Mitglieder des "Aktionsbündnis gegen Rechts".

Ein Mann mit Sonnenbrille und Glatze, der ein schwarzes Shirt trägt, auf dem Die Rechte Bremerhaven steht.

"In Bremerhaven treten Neonazis mittlerweile massiv auf. Als Gruppe, schwarz und martialisch gekleidet, laut brüllend: 'Hier marschiert der nationale Widerstand'. Das ist ein neues Phänomen für uns. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten in Bremerhaven so niemand getraut,“ berichtet Hannelore Beutel. Sie ist Sprecherin des "Aktionsbündnis gegen Rechts“ in Bremerhaven und Mitglied der Partei "Die Linke". Hannelore Beutel fühlt sich bedroht.

Es gibt Bedrohungen über Facebook gegen uns. Man wisse, wo die Linken wohnen. Sie sollten doch vorsichtig sein, wenn sie das Haus verlassen. Man kenne auch die Hinterausgänge.

Hannelore Beutel
Hannelore Beutel
Hannelore Beutel fühlt sich durch Neonazis in Bremerhaven bedroht.

Regelmäßig organisiert das "Aktionsbündnis gegen Rechts" Mahnwachen in der Innenstadt. Am vergangenen Wochenende kamen rund 70 Personen zu ihrem Infostand vor die Große Kirche. Am Rande tauchen dabei immer wieder Mitglieder der Partei "Die Rechte“ auf. Dabei sei es immer wieder zu Drohungen und Provokationen gekommen, sagt Hannelore Beutel: "Sie spucken uns vor die Füße. Uns wurde ein Plakat zerrissen und ein Transparent geklaut. Damit posieren die Neonazis jetzt im Internet.“

Polizei bestätigt Provokationen

Harry Götze ist Direktor der Ortspolizeibehörde Bremerhaven. Er sagt, die Polizei habe die Entwicklung im Blick: "Was wir feststellen ist, dass bei diesen Informationsständen in der Innenstadt regelmäßig zehn bis 15 Personen aus dem Kreis der Partei 'Die Rechte' auftreten. Verbal provozierend. Aber sie gehen auch mit erhobenen Fäusten auf die Personen zu, die an den Informationsständen stehen, und versuchen dort ein bisschen zu provozieren.“

Einer, der zu diesen Aktionen aufruft, ist Alexander von Malek. Der Bremerhavener ist Landesvorsitzender der Partei "Die Rechte" und ihr Spitzenkandidat für die Bürgerschaftswahl. Er selbst bezeichnet sich als "Nationaler Sozialist". Die Mitglieder seiner Partei kämen überwiegend aus der Skinhead-Szene, so von Malek. Er bestreitet, dass es in der Vergangenheit zu Drohungen und Übergriffen gekommen sei.

Landesvorsitzender von "Die Rechte": Gegen den Staat zur Wehr setzen

Alexander von Malek
Alexander von Malek, Landesvorsitzender von "Die Rechte".

Auf Facebook hat von Malek ein Bild veröffentlicht, das ihn mit erhobenem Daumen vor dem Schriftzug "Nazi“ zeigt. Das Foto entstand in Dortmund-Dorstfeld, einem Stadtteil, in dem Neonazis seit Jahren massiv präsent sind. Hier hat die "Die Rechte“ ihren Hauptsitz. Als diese im Jahr 2014 bei der Kommunalwahl ins Dortmunder Stadtparlament einzog, versuchten am Wahlabend rund 25 Neonazis gewaltsam das Rathaus zu stürmen. Für Alexander von Malek sind die Aktivitäten in Dortmund Vorbild: "Die Kameraden wehren sich. Die lassen sich nichts gefallen. Das werden wir hier demnächst auch machen. Wir werden uns hier ähnlich zur Wehr setzen gegen den Staat.“

Bei der kommenden Bürgerschaftswahl will er mit seiner Partei drei Prozent der Stimmen in Bremerhaven holen. Um dies zu verhindern, ruft ein Aktionsbündnis für den 10. November 2018 zu einer Demonstration auf. Nachdem bedrohliche Auftritte, Provokationen und Sachbeschädigungen durch Neonazis in der Stadt stark zugenommen hätten, wolle man dieser Entwicklung nicht länger tatenlos zusehen, sagt das Bündnis.

Mehr zum Thema:

  • Sebastian Heidelberger
  • Jan Oppel

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 1. November 2018, 19:30 Uhr