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So will Linken-Politikerin Vogt als Wirtschaftssenatorin "gestalten"

Man kennt sie als angriffslustige Oppositionspolitikerin. Jetzt muss Kristina Vogt zeigen, dass sie regieren kann. Die Wirtschaft in Bremen kommt ihr da gerade recht.

Kristina Vogt von den Linken lächelt
Wollte schon lang Senatorin für Wirtschaft und Arbeit werden: Kristina Vogt. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Sie ist das Gesicht der Bremer Linken: Kristina Vogt. Man kennt sie bisher als die Frau, die die Landesregierung angreift. Klar, das macht man als Anführerin der linken Opposition so. Nun aber muss Vogt einen Rollenwechsel schaffen. Sie wird von der Bremischen Bürgerschaft zur Senatorin für Wirtschaft und Arbeit gewählt und ist dann Teil der Regierung.

Es juckt mir in den Fingern, zu gestalten. Es kribbelt.

Kristina Vogt, angehende Senatorin für Wirtschaft und Arbeit

Noch trifft man sie im Fraktionsbüro. Von dort aus hat sie acht Jahre die Geschicke der Linken in der Bremischen Bürgerschaft geplant und angeführt, leidenschaftlich die Regierung vor sich hergetrieben. Der Wechsel ins Senatorenamt fällt ihr nicht leicht, gibt Vogt zu. Sie sagt aber auch: "Ich habe im Zuge der Ressortneubildung – und auch schon in den Jahren zuvor – viele Gespräche geführt. Es juckt mir in den Fingern, zu gestalten. Es kribbelt."

Kristina Vogt verrät, sie sei genau da angekommen, wo sie seit Jahren hin wolle: im Ressort für Wirtschaft und Arbeit. Zielstrebig und strategisch war ihr Weg dorthin. Jetzt will sie loslegen, das Augenmerk auf kleinere und familiengeführte Unternehmen gerichtet.

Digitalisierung im Fokus

Doch nicht nur auf die: "Ich möchte den Blick auch auf die Unternehmen lenken, die Probleme mit der anstehenden Digitalisierung haben", sagt Vogt. Dabei denke sie etwa an die Lebensmittelindustrie und an die Gesundheitswirtschaft. "Und was mir sehr am Herzen liegt, ist Förderung von Gründungen. Auch Frauen und Migrantinnen möchte ich stärker in den Fokus nehmen."

Doch auch die großen Unternehmen seien ihr nicht egal, beteuert Vogt. Automobil-, Luft- und Raumfahrt-Branche gäben Tausenden Menschen in Bremen Arbeit – das solle auch so bleiben. Sie wolle aber auch Neues wagen.

So setzt Vogt in Bremerhaven auf einen neuen Cluster für die Fischindustrie. Auch die Windbranche will sie wieder stärker in den Blick nehmen. Sie ist überzeugt: Da wird mit Blick auf die Klimaziele wieder mehr gehen. Auch fragt die Politikerin: "Warum nicht mal was mit der Kreativwirtschaft versuchen?"

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Vogt setzt auf Ausbildungen in Teilzeit

Bei allen offenen Fragen denkt Kristina Vogt nicht allein an die Unternehmer, sondern möchte auch die Situation der Arbeitnehmer im Auge behalten. Sie will mehr tarifgebundene Arbeit, möchte berufsbegleitende Aus- und Weiterbildungen fördern sowie Alleinerziehenden Teilzeit-Ausbildungen ermöglichen. "Dazu möchte ich mit Unternehmen reden: Wie kriegen wir Teilzeitausbildung im Betrieb hin?", beschreibt Vogt ihr Vorgehen und kündigt sogleich ein, dass sie ein wenig Zeit für ihre Gespräche brauchen werde.

Doch der Aufwand lohne sich: "Wenn man nämlich in der Ausbildung schon einen Fuß in der Tür hat, dann hat man auch schon einen Fuß im ersten Arbeitsmarkt", ist Vogt überzeugt und erzählt: Als ihr Sohn klein gewesen sei, habe sie mitten in einer Ausbildung gesteckt und Glück gehabt. Denn ihr Ausbildungsbetrieb habe sie unterstützt. Viel zu viele Alleinerziehende hätten dieses Glück jedoch nicht.

Wer nicht ausbildet, soll zahlen

Die Linken-Politikerin spricht häufig vom Dialog mit der Wirtschaft. So auch beim Thema Anzahl der Ausbildungsplätze. Einige Unternehmen böten zu wenige oder gar keine an, sagt sie. Ihre Geduld mit diesen Firmen sei begrenzt: "Ich setze da in den nächsten eineinhalb Jahren auf Freiwilligkeit. Wenn das aber nicht klappt, dann müsste eine Landesregelung greifen. Aber das wäre der letzte Schritt." Dann käme der Ausbildungsfond. Soll heißen: Unternehmen, die nicht ausbilden, müssten Geld bezahlen. Damit würden dann Ausbildungsbetriebe unterstützt.

Wirtschaft und Arbeit in einem Ressort – geführt von einer Linken: für Kristina Vogt die optimale Kombination: "Die Linke habe einen "arbeitsmarktpolitischen Blick drauf", engagiere sich für gute Arbeit und für gute Arbeitsplätze. Gleichzeitig stehe die Wirtschaft unter einem enormen Anpassungsdruck. "Das ist genau das richtige Spannungsfeld für eine linke Wirtschaftssenatorin", sagt Vogt.

Viele Beobachter trauen ihr zu, dass sie beide Bereiche in ihrem Ressort – die Arbeit wie die Wirtschaft – unter einen Hut bekommt. Zielstrebig und strategisch.

Mit einem Klick zu den Senatoren und Senatorinnen:

Die Bremer Senatoren Andreas Bovenschulte Präsident des Senats Bürgermeister Dietmar Strehl Senator für Finanzen Ulrich Mäurer Senator für Inneres Kristina Vogt Senatorin für Wirtschaft und Arbeit Claudia Schilling Senatorin für Wissenschaft, Häfen und Justiz Claudia Bogedan Senatorin für Kinder und Bildung Maike Schaefer Senatorin für Umwelt, Bau und Verkehr Anja Stahmann Senatorin für Soziales, Jugend und Sport Claudia Bernhard Senatorin für Gesundheit und Frauen

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  • Ramona Schlee

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. August 2019, 19:30 Uhr