Das ändert sich in der Pflege in Bremer Heimen

Ab Januar gilt ein neues Betreuungsgesetz. Es soll unter anderem helfen, Heimbewohner besser vor Gewalt zu schützen. Doch es gibt auch Kritik.

Ein älterer Herr unterhält sich mit einem Pfleger.
Gute Pflege – in Bremen ist das nicht immer zu erreichen. Ein neues Gesetz soll Verbesserungen schaffen. Bild: Imago | Westend61

Weil ein früheres Gesetz befristet war, hat die Bremer Regierung Ende des vergangenen Jahres eine Novellierung des Bremischen Wohn- und Betreuungsgesetzes beschlossen. Darin sind einige Änderungen festgelegt worden.

Das ändert sich:

  • Bislang ist in der Nachtschicht eine Pflegekraft für 50 Bewohner zuständig. Ab April 2019 soll eine Fachkraft nur noch für 40 Menschen sorgen müssen.
  • Bewohner haben nun das Recht, von gleichgeschlechtlichem Personal gepflegt zu werden – sofern dies geleistet werden kann. Zudem soll ihre Kultur und Religion gewahrt werden.
  • Pflegeeinrichtungen müssen nun Konzepte zum Schutz vor Gewalt erstellen.
  • Hospizdienste erhalten Zugang zu Pflegeheimen.
  • Die Wohn- und Betreuungsaufsicht kann nun auch ambulante Pflegedienste überprüfen. Diese sind häufig auch in Pflegeheimen tätig.

Pflegeverbände kritisieren die Regelungen

Bereits im vergangenen Jahr haben zahlreiche Pflegeverbände die Novellierung kritisiert. Im Zentrum der Kritik stand die in ihren Augen unzureichende Verbesserung des Personalschlüssels. Experten fordern etwa einen Nachtbetreuungsschlüssel von 1:30. Zudem müsse insgesamt mehr getan werden, um den Fachkräftemangel zu beheben. Und hier könne es sogar in Zukunft in Bremen zu Verschlechterungen kommen.

Denn das neue Wohn- und Betreuungsgesetz erfordert auch eine neue Personalverordnung, die in Kürze verabschiedet werden soll. Im entsprechenden Entwurf des Senats steht nun sehr oft das Wort "Beschäftigte" –und nicht "Fachkraft". Das sehen Experten mit Sorge. Sie befürchten, dass dies genutzt werden könnte, auch weniger gut ausgebildetes Personal in die Betreuungsschlüssel für den Tag einzurechnen.

Das was da dann an Fehlern passieren kann, das kann bis hin zum Erstickungstod beispielsweise beim falschen Anreichen von Nahrung gehen. Das heißt, wir haben es hier künftig, wenn immer mehr Hilfskräfte zum Einsatz kommen, mit einer gefährlichen Pflege zu tun.

Reinhard Leopold, Regionalbeauftragter für die Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen

Immer mehr Pflegebedürftige, aber nicht mehr Pfleger

In Bremen waren im Jahr 2015 24.787 Menschen pflegebedürftig. 60 Prozent dieser Menschen werden in Pflegestufe I eingestuft; 40 Prozent sind in ihrer eigenen Alltagskompetenz erheblich eingeschränkt. Und die Zahlen steigen Jahr für Jahr – auch, weil die Menschen immer älter werden: In der Altersgruppe 80-Plus brauchte im Land Bremen jeder Dritte Hilfe im Alltag.

Das Problem: Die Zahl der Pflegekräfte steigt nicht, sondern stagniert. Laut aktueller Pflegestatistik sind im Land Bremen 112 ambulante Pflegedienste angemeldet. 3.099 Menschen sind dort in der Pflege beschäftigt. Weitere 102 Pflegeinstitutionen im Land Bremen arbeiten stationär. In diesen Einrichtungen arbeiten 3.797 Beschäftigte. Doch viele von ihnen arbeiten nicht Vollzeit.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 2. Januar 2017, 07:36 Uhr