Exklusiv

So will ein indischer Hotelkonzern mit Bremer Hilfe Deutschland erobern

OYO, die führende Hotelkette Indiens, will jetzt auch in Deutschland Fuß fassen. Ein Bremer Unternehmen aus der Überseestadt soll den Indern dabei helfen.

Werbeschild der indischen Hotelkette OYO
Werbeschild der indischen Hotelkette OYO.

Die Geschichte von OYO ist die eines rasanten Aufstiegs. Das Unternehmen ist erst sechs Jahre alt, aber bereits fünf Milliarden Dollar schwer. Hinter der Erfolgsgeschichte steht der erst 25 Jahre alte Gründer Ritesh Agarwal. Statt die Uni zu besuchen, entschloss er sich als Teenager, ein Unternehmen zu gründen. Mit ihm krempelte er den asiatischen Hotelmarkt um.

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Instagram anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Das Prinzip ist so einfach wie ungewöhnlich: OYO baut keine eigenen Hotels, sondern überzeugt kleine Herbergen, zu Franchisenehmern bei OYO zu werden. Damit haben die kleinen Häuser einen starken Mutterkonzern mit einer großen Marke, die Gäste anlockt. Außerdem übernimmt OYO das Marketing und Teile des Managements.

OYO verpflichtet Partner zu Standards

Andererseits verpflichten sich die Franchisenehmer, die Spielregeln von OYO zu beachten. Das bedeutet, gewisse Standards wie Sauberkeit, Klimaanlage oder W-Lan sind einzuhalten, sonst wird das Hotel schnell wieder aus der OYO-Familie verstoßen.

Auf diese Weise schafft OYO Vertrauen bei den Kunden. Inzwischen kooperiert die Firma mit 9.000 Hotels in 260 indischen Städten und ist damit gemessen an der Bettenzahl der größte Hotelanbieter des Landes. Auch in China ist OYO in Windeseile zur Nummer zwei aufgestiegen.

Indien und China sind dem Gründer nicht genug

Werbeschild der indischen Hotelkette OYO. Eingang des Hotels Lord Krishna Dx Inn in Delhi.
In Indien arbeiten viele Inhaber von Herbergen als Franchisenehmer der Marke OYO, so auch das OYO-Hotel Lord Krishna Dx Inn in Delhi. Bild: Sebastian Manz / Radio Bremen

Doch Asien reicht dem ehrgeizigen Gründer Ritesh Agarwal nicht mehr. Er will sein Unternehmen zum Weltkonzern ausbauen. Eine Unternehmenssprecherin hat Radio Bremen auf Anfrage bestätigt, dass auch Deutschland auf dem Expansionsplan steht.

Dabei spielt auch eine Bremer Firma eine Rolle: Traum-Ferienwohnungen. Das Unternehmen sitzt in der Überseestadt und hat mehr als 140 Mitarbeiter. Das Geschäftsprinzip des Onlineportals ist es, Ferienwohnungen verschiedener Anbieter auf einer Plattform zu bündeln. Wie OYO ist auch auch Traum-Ferienwohnungen ein junges Unternehmen. 2001 wurde es von zwei Bremer Studenten gegründet, später kaufte es der Axel-Springer-Konzern und schließlich die holländische @Leisure-Gruppe.

Bremer Partner in der Überseestadt

OYO wiederum hat vor einigen Wochen die @Leisure-Gruppe und damit auch die Bremer Traum-Ferienwohnungen übernommen. Kurze Zeit später, so berichtet es das Handelsblatt, seien Mitarbeiter der Bremer Firma bei einem indischen Managertreffen als neue Mitglieder der OYO-Familie vorgestellt worden. Die Bremer wollen sich auf Anfrage noch nicht zu der Angelegenheit äußern. Man befinde sich noch in Abstimmung, heißt es.

Die Firmenphilosophien der Bremer und der Inder sind jedenfalls sehr ähnlich. Unterschiedlichste Übernachtungsanbieter unter einer Marke zusammenfassen, schnelles Wachstum, flache Hierarchien – die Chemie dürfte stimmen zwischen den jungen Unternehmen.

OYO in Deutschland auf Personalsuche

Wie OYO hierzulande strukturiert sein soll, wird noch nicht kommuniziert. Momentan rekrutieren die Inder über verschiedene Jobbörsen Personal in Deutschland. Noch in diesem Jahr soll die Arbeit aufgenommen werden.

In Deutschland will OYO vor allem eigentümergeführte Mittelklassehotels für sich gewinnen. Sie können sich nach Einschätzung der Inder momentan nur noch schwer gegen die großen Ketten behaupten. Das soll sich dank OYO ändern, so das ehrgeizige Ziel.

Autor

  • Sebastian Manz

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. Juni 2019, 19:30 Uhr