Nach Austritt: Fernsehjournalist Lührssen rechnet mit AfD ab

Ein halbes Jahr ist er in der AfD Bremen, jetzt ist der Journalist Hinrich Lührssen ausgetreten. Inhaltlich käme man nicht weiter, nicht konforme Mitglieder sortiere Landeschef Magnitz aus.

Luehrssen im studion von buten un binnen.

Der Bremer Journalist Hinrich Lührssen hat die Gründe für seinen geplanten Austritt aus der AfD Bremen erklärt. Er habe gemerkt, "dass es innerhalb der AfD keine Demokratie gibt", sagte er im Gespräch mit buten un binnen. Mitglieder, die nicht der Linie der Parteispitze folgten, würden durch den Landesvorsitzenden Frank Magnitz und dessen Stellvertreter Thomas Jürgewitz mit Parteiordnungsverfahren "bestraft". Laut Lührssen gibt es zurzeit 32 solcher Verfahren bei 120 Parteimitgliedern in Bremen.

Die Frage, ob ihm die AfD in Bremen "zu rechts" sei, bejahte Lührssen. Frank Magnitz sei lange Zeit Koordinator des sogenannten Flügels gewesen – eine rechtsnationale Gruppierung rund um den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke. Zudem habe Jürgewitz, der innerhalb der AfD Bremen für die Beobachtung durch den Verfassungsschutz zuständig sei, im vergangenen Sommer die identitäre Bewegung gelobt, die als rechtsextrem eingestuft wird. "Da stimmt alles hinten und vorne nicht", so Lührssen.

Abgesägt wegen Treffens mit kritischen Parteimitgliedern?

Dass er nach der gegen Magnitz verlorenen Wahl um die Spitzenkandidatur für die Bürgerschaftswahl jetzt nachtrete, wies Lührssen zurück. "Die Idee, dass ich Spitzenkandidat werden sollte, die kam ja von Frank Magnitz. Ich habe das nicht angestrebt. Ich habe es dann natürlich angenommen. Aber es war seine Idee, solange es ihm in den Kram passte."

Magnitz habe ihn abgesägt, so Lührssen weiter. Als einen Grund sieht der Journalist ein Treffen mit kritischen Parteimitgliedern, mit denen er sich habe austauschen wollen. "Mein Vergehen war, dass ich mich mit kritischen Parteimitgliedern, die Verfahren am Hals haben, getroffen und ausgetauscht habe. Wir haben einen Weihnachtsbummel gemacht. Das ist Magnitz bekannt geworden und das reichte, um den bis dato Spitzenkandidaten abzusägen."

Magnitz bezeichnete die Vorwürfe Lührssens als "dummes Zeug". Dieser habe in der Partei nicht stattgefunden, was sich im Wahlergebnis gezeigt habe. "Er hat sich die Unterstützung ganz bestimmter Leute in der Partei gesichert", sagte Magnitz buten un binnen. "Und die übrigen Rechtschaffenen in der Partei haben das erkannt und rechtzeitig die Notbremse gezogen."

"Die AfD ist schon ein Tabu-Brecher"

Inhaltlich sieht Lührssen weiter wichtige Punkte bei der AfD. Beim Thema Migrationspolitik sei es wichtig gewesen, offen über die Folgen – zum Beispiel in den Schulklassen –zu sprechen. Das habe die AfD vorangebracht, "das ist schon ein Tabu-Brecher gewesen". Es sei zudem aber auch "total wichtig", sich um soziale Dinge zu kümmern. Mit seinen Vorstößen darüber zu sprechen, sei er nicht weitergekommen. Sein Fazit nach einem halben Jahr in der Bremer Partei: "Ich habe übersehen, dass es viele Punkte gibt, mit denen man als Demokrat nicht leben kann."

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. Februar 2019, 19:30 Uhr