Geflüchtete verweigern Corona-Test und werden verlegt

Fünf Geflüchtete sind von der Bremer Aufnahmestelle in der Lindenstraße in eine andere Unterkunft gebracht worden. Sie hatten weitere Corona-Tests abgelehnt.

Die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber und Flüchtlinge im Lande Bremen (ZASt) im Stadtteil Vegesack.
In den vergangenen Wochen hatten mehrere Geflüchtete für die Schließung der Aufnahmestelle in Vegesack protestiert. Bild: DPA | Sina Schuldt

Fünf Geflüchtete sind am Mittwoch von der Erstaufnahmestelle in Vegesack in eine andere Unterkunft verlegt worden. Dabei wurden sie von Polizisten begleitet, wie die Bremer Sozialbehörde mitteilte. Die fünf Menschen befanden sich unter Quarantäne, da sie auf einem Flur wohnten, auf dem auch positiv Getestete leben. Nach Angaben des Ressorts sollen sie einen weiteren Corona-Test abgelehnt haben.

Laut dem Bremer Bündnis "Black, Indigenous and People of Color" (bipoc) hätten einige Bewohner zunächst von einem massiven Polizeiaufgebot vor der Einrichtung berichtet. Nach Informationen des Bündnisses sollen sich einige Geflüchtete geweigert haben, an den Corona-Testungen teilzunehmen, weil sie nach eigenen Angaben trotzdem mit den Infizierten auf demselben Flur leben sollten.

Auch die Initiative "Together we are Bremen" hatte auf Twitter Bilder von Geflüchteten gepostet, die angeblich von der Polizei in ein Container-Heim eskortiert werden.

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Das Sozialressort teilte mit, die Geflüchteten würden nun die Quarantäne in der neuen Einrichtung fortsetzen. Die Aktion sei friedlich verlaufen, es sei kein Widerstand geleistet worden.

Mehrere Proteste in wenigen Wochen

Mehrere Gruppen und Vereine fordern seit Wochen die temporäre Schließung der Erstaufnahmestelle in der Lindenstraße. Die Bewohner würden sich wegen der Corona-Krise und der Ansteckungsgefahr in der Sammelunterkunft nicht sicher fühlen. Vor etwa einer Woche war bekannt geworden, dass sich gut ein Drittel der Bewohner mit dem Coronavirus infiziert hatte. Derzeit leben dort 146 positiv getestete Menschen. 33 sollen am Donnerstag aus der Quarantäne entlassen werden.

Die Sozialbehörde weigert sich, die Aufnahmestelle zu schließen, ließ jedoch in den vergangenen Wochen über 200 Geflüchtete schrittweise verlegen. Weitere 120 sollen künftig woanders untergebracht werden. Das Ressort bemühe sich, Wohnungen und ehemalige Wohnunterkünfte zu aktivieren, teilte die Senatorin am Freitag mit. In der Einrichtung solle zudem ein Quarantänenflur für Erkrankte eingerichtet werden. Weitere Baumaßnahmen seien für die Zeit nach Corona geplant. Flüchtlingsvereine fordern seit Wochen, dass die Geflüchteten dezentral untergebracht werden - beispielsweise in Hotels, Airbnbs und leerstehenden Gebäuden.

In der Lindenstraße werden aktuell keine neuen Geflüchteten mehr aufgenommen. Etwa 600 Menschen wohnten Ende März noch in der Einrichtung, die für etwa 750 Bewohner ausgelegt ist und über 200 Zimmer verfügt. Am vergangenen Freitag befanden sich noch 374 Bewohner in der Erstaufnahmestelle.

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Autorin

  • Serena Bilanceri