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Dietmar Strehl: "Gut gerüstet" fürs Finanz-Abenteuerland Bremen

Özdemir und Bütikofer weinten, als er die Bundespartei Richtung Bremen verließ. Nach acht Jahren als Staatsrat tritt Dietmar Strehl als Finanzsenator in die erste Reihe.

Dietmar Strehl
Kennt sich mit klammen Kassen aus: Dietmar Strehl, Bremens neuer Finanzsenator. Bild: Imago | Eckhard Stengel

Rot-grün-rot: Diese Koalition wird künftig in Bremen regieren. Ein neuer Senat bringt neue Gesichter, zumindest zum Teil. Eines davon gehört Dietmar Strehl. Er ist ein Mann, der gut mit Zahlen kann: "Mathematik war für mich in der Schule toll." Sein Zahlentalent konnte er bereits acht Jahre lang in Bremen unter Beweis stellen – als Staatsrat in der Finanzbehörde. In dieser Rolle hat er vor allem die Fäden im Hintergrund gezogen. In der Öffentlichkeit dürfte Dietmar Strehl den Meisten daher unbekannt sein. 

Özdemir und Bütikofer weinen

Anders aber sieht es bei den Grünen aus: Denn bevor Dietmar Strehl nach Bremen kam, hatte er sich 15 Jahre als Schatzmeister um die Finanzen der Bundespartei gekümmert – und wurde 2011 mit stehenden Ovationen von den Delegierten verabschiedet. Cem Özdemir, Steffi Lemke, Reinhard Bütikofer: Die Grünen Spitzenpolitiker hatten Tränen in den Augen, als Strehl sich verabschiedete, auch Ex-Parteichefin Claudia Roth.

Dietmar ist offen, klug, neugierig, fair, engagiert, mit dem profundesten Wissen über uns. Dietmar kannst du Tag und Nacht anrufen, und er weiß genau, was diese Partei beschlossen hat.

Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages

Der Reiz des Finanz-Abenteuerlands

Sein guter parteiinterner Ruf sprach sich bis nach Bremen herum. Finanzsenatorin Karoline Linnert wollte ihn deshalb an die Weser locken – und dachte sich dafür etwas Besonderes aus: Strehl wurde nachgesagt, ein Fan der Deutsch-Pop-Band "Pur" zu sein. Die Einladung zum Jobwechsel nach Bremen hatte Linnert deshalb mit einem Zitat aus dem Songtext zu "Abenteuerland" verbunden, wie sich Claudia Roth erinnert. Eine Nacht wollte Strehl über das Angebot schlafen. Dann entschied er sich für das "Finanz-Abenteuerland Bremen" und sagte "ja".

Dass der mittlerweile 63 Jahre alte Strehl als gebürtiger Aachener und rheinische Frohnatur mal im Norden Deutschlands landet, hätte er wohl selbst nicht gedacht. In jungen Jahren war er ein begeisterter Handballer. Inzwischen entspannt sich der Vater einer erwachsenen Tochter mit Fahrradfahren und Gartenarbeit. Auf den ersten Blick wirkt Strehl ruhig, sachlich und alles andere als rebellisch. Den Grünen aber trat er schon in deren turbulenten Anfangsjahren bei.

Es gab zwei entscheidende Themen: Einmal die Friedenspolitik und die Anti AKW-Haltung – so bin ich damals zu den Grünen gekommen.

Dietmar Strehl

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Finanz-Lage im Land Bremen bleibt "schwierig"

Gut gerüstet fühle er sich für die neue Aufgabe, sagt Strehl selbstbewusst. Denn neben seinen noch immer guten Kontakten in die Bundespolitik kenne er sich aus den Zeiten als Schatzmeister der Grünen nur allzu gut mit klammen Kassen aus. Zwar bekommt Bremen künftig fast 500 Millionen Euro mehr im Jahr. Schwierig bleibe die Lage aber dennoch, findet Strehl. Zwar nehme Bremen mehr Geld ein als zuletzt, sehe aber auch erheblichen Ausgaben entgegen. Strehl denkt dabei unter anderem an den Kita- und den Schulausbau sowie an dieTarifsteigerungen. "Die Haushaltsdebatte wird spannend", prognostiziert er daher.

Die Haushaltsdebatte wird spannend.

Dietmar Strehl, Bremens neuer Senator für Finanzen

Wohl auch deshalb, weil dann die Schuldenbremse gilt, die den Ländern ein enges Korsett anlegt, wenn es darum geht, neue Kredite aufzunehmen. Dass die Linken als künftiger Regierungspartner diese bisher abgelehnt haben, lässt Strehl kalt: "Das steht so im Koalitionsvertrag und das wird auch so sein." Eine erste Kampfansage also für die anstehenden Verhandlungen ums Geld. Und die soll für die Landesregierung künftig Dietmar Strehl führen. 

Mit einem Klick zu den Senatoren und Senatorinnen:

Die Bremer Senatoren Andreas Bovenschulte Präsident des Senats Bürgermeister Dietmar Strehl Senator für Finanzen Ulrich Mäurer Senator für Inneres Kristina Vogt Senatorin für Wirtschaft und Arbeit Claudia Schilling Senatorin für Wissenschaft, Häfen und Justiz Claudia Bogedan Senatorin für Kinder und Bildung Maike Schaefer Senatorin für Umwelt, Bau und Verkehr Anja Stahmann Senatorin für Soziales, Jugend und Sport Claudia Bernhard Senatorin für Gesundheit und Frauen

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Autor

  • Michael Kück

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. August 2019, 19:30 Uhr