Bremen schult Fachkräfte für Corona-Schnelltests in Pflegeheimen

Ab heute werden Bremer Pflegekräfte für das Schnelltesten geschult. Zudem treffen erste Test-Kits in den Einrichtungen ein. Ein wichtiger Punkt bleibt jedoch ungeklärt.

Mitarbeiterin in einem Pflegeheim mit Seniorin
In Bremer Pflegeheimen sind bis Anfang November 40 Menschen an Corona verstorben. Bild: DPA | Tom Weller

Corona ist vor allem für alte Menschen eine Gefahr. Zahlen belegen dies. 76 und damit fast alle der in der Stadt Bremen bis Anfang November an Corona verstorbenen Menschen, waren älter als 70 Jahre. 40 von ihnen wurden zuvor in Pflegeheimen betreut.

Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) benannte dieses Problem zuletzt vor anderthalb Wochen. "Inzwischen haben wir wieder vermehrt Corona-Fälle im Zusammenhang mit Pflegeeinrichtungen", sagte sie, als sie Bremens neue Teststrategie vorstellte. "Genau dort brauchen wir jetzt vermehrt Tests", legte sie damals nach.

Schon einen Monat zuvor hatte die Bundesregierung in einer neuen Testverordnung den Weg für mehr Schnelltests in Pflegeheimen freigemacht – der Bund übernimmt seither deren Kosten. Trotzdem blieben die "vermehrten Tests" in Bremens Pflegeheimen bislang aus. Die Gründe: rechtliche Fragen, fehlende Konzepte und noch nicht bestellte Testkits.

Dies soll sich nun aber ändern. So heißt es im Infektionsschutzgesetz zwar, dass die Feststellung einer Infektion nur durch einen Arzt erfolgen darf. Dabei gelten jedoch Ausnahmen für "patientennahe Schnelltests". Neben Infektionskrankheiten wie HIV und Hepatitis-C wird im Gesetz inzwischen auch explizit der Covid-19-Erreger SARS-CoV-2 als Ziel solcher Tests genannt.

Testkonzepte befristet genehmigt

Auch bei den von den Pflegeheimen verlangten Testkonzepten zum Beispiel zu geplantem Personaleinsatz, Schutzausrüstung und Dokumentation, gibt es inzwischen Bewegung. Denn um weitere Verzögerungen zu verhindern, zeigt sich Bremens Gesundheitsbehörde pragmatisch. "Die Konzepte der Einrichtungen wurden durch das Gesundheitsamt Bremen inzwischen vorläufig und befristet bewilligt", sagt Gesundheitsressortsprecher Lukas Fuhrmann.

Bei der weiteren Prüfung der Testkonzepte werde das Gesundheitsamt nun vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung im Lande Bremen (MDK) unterstützt. Auf dieser Grundlage würden dann nachträglich unbefristete Bescheide vom Gesundheitsamt erlassen.

Schulungen ab dieser Woche

Und auch die Schulungen unter ärztlicher Aufsicht laufen in dieser Woche endlich an. In der Bremer Messehalle und im Kulturbahnhof-Nord werden dann Pflegefachkräfte eingewiesen, wie sie die Abstriche korrekt durchführen und die Tests richtig anwenden. Davon, dass ihre Pflegefachkräfte die Schnelltests später auch ohne ärztliche Aufsicht korrekt durchführen, ist die Pflegedirektorin der Bremer Heimstiftung, Susanne Brockmann, überzeugt.

Das sind Fachkräfte mit dreijähriger Ausbildung, die Spritzen geben, Dauerkatheter legen und die Wundversorgung sicherstellen – die sind medizinisch geschult.

Susanne Brockmann, Pflegedirektorin der Bremer Heimstiftung

Erste Bestellungen für Schnelltests hat Bremens größter Betreiber von Pflegeeinrichtungen bereits getätigt. Sie sollen diese Woche eintreffen. Darunter zunächst 2.000 Kits für Präventivtests. "Sie werden dann zum Beispiel eingesetzt, wenn es zum Beispiel neuen Heimbewohnern schwerfällt, die vorgesehene 14-tägige Quarantäne einzuhalten", sagt Brockmann. Bei demenzkranken Menschen könne dies der Fall sein.

Auch 4.000 Testkits für eine Reihentestung in allen ihren Einrichtungen hat die Heimstiftung bestellt. "Das heißt, jeder wird einmal getestet", sagt Brockmannn. "Wenn wir das wöchentlich machen würden, wären das allein 16.000 Tests." Zum Vergleich: Für alle Bremer Pflegeheime rechnet das Gesundheitsressort mit einem monatlichen Bedarf von rund 120.000 Schnelltests.

Zusätzliche personelle Belastung

Ob Reihentestungen durchgeführt werden können, hängt allerdings auch von den personellen Kapazitäten ab, die den Pflegeheimen zur Verfügung stehen. Denn normalerweise führen Ärzte diese Tests durch. "Wenn das jetzt eine Pflegefachkraft macht, dann fehlt sie bei der Betreuung der Bewohner", sagt Brockmann. Zumal stets zwei Mitarbeitende gebraucht würden: Eine zum exakten Testen, eine parallel zum Dokumentieren.

Allein für die Bremer Heimstiftung würde das der Pflegedirektorin zufolge bei wöchentlichen Reihentestungen bedeuten, dass 16 Vollzeitstellen und zudem 16 Kräfte zum Dokumentieren benötigt würden. Wie dies finanziert werden soll, ist bislang offen.

Rückblick: Bremen plant Schnelltests in Alten- und Pflegeheimen

Video vom 21. Oktober 2020
Ein Antigen-Schnelltest (Symbolbild)
Bild: DPA | APA/Robert Jaeger

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 23. November 2020, 19:30 Uhr