Razzia in Bremen: Bundespolizei geht gegen Schleusernetzwerk vor

  • Einsatz der Bundespolizei gegen Schleusungskriminalität
  • Beamte vollstrecken knapp 40 Durchsuchungsbeschlüsse auch in Bremen
  • Es wurden Wohnungen und Gewerberäume durchsucht
Mehrere Polizeiwagen stehen am Straßenrand.

Die Bundespolizei hat am Mittwoch in einer groß angelegten Razzia zahlreiche Wohnungen und Gewerbeobjekte in mehreren Bundesländern durchsucht. Der Schwerpunkt der Aktion lag der Bundespolizei zufolge in Bremen und Niedersachsen. Die Beamten waren zudem in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz im Einsatz. Insgesamt wurden 510 Polizisten eingesetzt, durchsucht wurden 38 Gebäude. Der Hauptverdächtige wurde im niedersächsischen Quakenbrück verhaftet.

Die Aktion im Auftrag der Staatsanwaltschaft Osnabrück richte sich gegen das Einschleusen von Ausländern aus dem osteuropäischen Raum. Der Bundespolizei zufolge wird den Beschuldigten vorgeworfen, vor allem Ukrainer eingeschleust zu haben, die in Deutschland illegal beschäftigt wurden. "Dabei kam den Tätern zugute, dass Ukrainer ohne Aufenthaltstitel in die Bundesrepublik einreisen können, sofern sie über einen biometrischen Reisepass verfügen und sich lediglich zu touristischen Zwecken hier aufhalten", sagte Helgo Martens, Einsatzleiter der Bundespolizei, zu buten un binnen. Allerdings seien die Ukrainer in Deutschland als Arbeitnehmer an verschiedene Firmen vermittelt worden.

Die Beschuldigten haben ein umfassendes internationales Netzwerk genutzt.

Einsatzleiter Helgo Martens

Wurden die eingeschleusten Arbeitnehmer kontrolliert, legten sie falsche Pässe aus EU-Staaten vor. "Wir gehen davon aus, dass eine große Zahl der eingeschleusten Ukrainer sich hier mit Identitätskarten anderer EU-Staaten ausgewiesen hat", sagte Martens. Dabei habe es sich vorwiegend um litauische Pässe gehandelt.Die Gruppe der Beschuldigten selbst setzt sich laut Bundespolizei sowohl aus Deutschen als auch aus Bürgern anderer Nationalitäten zusammen. Sie seien in Deutschland gut vernetzt gewesen, hätten aber auch internationale Kontakte gehabt.

Polizei stellt Handys, Bargeld und Waffen sicher

Zwei Bundespolizisten durchsuchen eine Garage in der ein schwarzer Mercedes steht
Die Polizei durchsuchte Gebäude in mehreren Bundesländern. Bild: Bundespolizei

Die Verdächtigen sollen zudem den Eingeschleusten geholfen haben, sich bei Sozial- beziehungsweise Rentenversicherungsträgern anzumelden. Die Beschuldigten sollen auch als Arbeitsvermittler und Vermieter der Ukrainer aufgetreten sein. Die Arbeitskräfte seien vorwiegend in den Branchen tätig gewesen, in denen ein dringender Bedarf an Beschäftigten besteht, sagte Martens. Dazu gehörten Gastronomiebetriebe, große Schlachtereien, Speditionen und Textilunternehmen. "Die betroffenen Unternehmen wussten nicht, dass sich die Ausländer hier illegal aufhalten", sagte der Einsatzleiter. Die Firmen hätten es den Beschuldigten allerdings sehr leicht gemacht. "Sie haben die Arbeitskräfte nicht genau überprüft." Auch die Unternehmen wurden durchsucht, wenn auch nicht als Beschuldigte, betonte Martens.

Wir gehen davon aus, dass die Täter mit mehreren Firmen operiert haben, um einen scheinbar legalen Geschäftsverkehr vorzutäuschen.

Einsatzleiter Helgo Martens

Der Bundespolizei zufolge wurden Laptops und Handys, verschiedene Dokumente, größere Summen Bargeld und mehrere Waffen sichergestellt. Die weiteren Ermittlungen dauerten an. Durch die Auswertung des beschlagnahmten Beweismaterials erhoffen sich die Ermittler eigenen Angaben zufolge weitere Ansatzpunkte, um das Schleusernetzwerk zu zerschlagen. Die Gewinne der Täter nannte Martens "sehr hoch". Über die beschlagnahmten Vermögenswerte konnte er jedoch noch keine Angaben machen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. November 2019, 19:30Uhr