Infografik

Bremer Psychotherapeut warnt vor Corona-Lockdown ohne klares Ziel

Die Politik diskutiert über einen härteren Lockdown, um die Infektionszahlen zu senken. Psychologen sorgen sich um negative Folgen und schwindende Akzeptanz.

Eine Frau mit Taschentuch sitzt in einer Therapiesitzung vor einem Psychologen.
Psychologen erlebten zunehmend, dass sich der Lockdown auf das psychische Wohlbefinden negativ auswirke, sagt ein Bremer Psychotherapeut. (Symbolbild) Bild: DPA | Christin Klose

Seit Tagen diskutieren die Politiker in den Ländern und auf Bundesebene über eine mögliche Verschärfung der Corona-Maßnahmen. Teilweise sind die Regeln wegen steigender Infektionszahlen bereits angepasst worden, wie in Bremerhaven mit der nächtlichen Ausgangssperre und in Bremen mit der Corona-Notbremse. Doch die Inzidenzwerte sinken nicht – oder nicht nachhaltig.

Inzidenzwerte im Land Bremen

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Das besorgt auch Bremer Psychotherapeuten, die vor einer weiteren Einschränkung der persönlichen Freiheiten ohne klares Ziel warnen. Psychologisch gesehen seien die aktuellen Beschränkungen "zunehmend nicht mehr auf ihre Sinnhaftigkeit, insbesondere auf ihre Wirksamkeit, hin nachvollziehbar", sagt Christoph Sülz, Vorstandsmitglied bei der Psychotherapeutenkammer Bremen. Denn trotz der Einschränkungen gingen die Infektionszahlen nicht nachhaltig zurück. Daher sinke möglicherweise die Akzeptanz der Beschränkungen in der Bevölkerung.

Uns Menschen fällt es leichter, Nachteile oder Unannehmlichkeiten kurzfristig auszuhalten, wenn wir deren Ende und den mittel- beziehungsweise langfristigen Nutzen abschätzen können. Aus dieser Sicht wären klare, nachvollziehbare und zeitlich begrenzte Regelungen wünschenswert.

Der Bremer Psychotherapeut Christoph Sülz schaut in die Kamera.
Christoph Sülz, Vorstandsmitglied bei der Psychotherapeutenkammer Bremen

Therapeuten erleben zunehmend negative Folgen

Psychotherapeuten erlebten zunehmend, dass die Einschränkungen negative Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden der Menschen hätten, führt er fort. Denn der Zugang zu vielen Ressourcen, die für die geistige Gesundheit wichtig sind, wie bei sozialen Kontakten, sei im Augenblick verwehrt. Solche Einschränkungen seien dann nur noch vertretbar, wenn sich im Gegenzug ein klarer Nutzen daraus ergibt und wenn sie durch noch breiter angelegte Testungen und mehr Impfungen flankiert werden, so Sülz.

Eine diskutierte Verschärfung der Beschränkungen ohne eine klar prüfbare Zielstellung und ohne, dass die persönliche Relevanz für jede*n Einzelne*n verdeutlicht wird, würde vermutlich zu einer erhöhten Belastung in breiten Teilen der Bevölkerung führen.

Der Bremer Psychotherapeut Christoph Sülz schaut in die Kamera.
Christoph Sülz, Vorstandsmitglied bei der Psychotherapeutenkammer Bremen

Mehrheit für härteren Lockdown

Eine Umfrage von Radio Bremen hatte kürzlich ergeben, dass 63 Prozent der Befragten dafür wären, für einige Wochen das gesellschaftliche Leben noch drastischer einzuschränken. An der Umfrage hatten 3.841 Menschen aus Bremen, Bremerhaven und umzu teilgenommen.

Der Bund will die Notbremse verbindlich regeln – Bremen ist dafür

Video vom 9. April 2021
Das Bundeskanzleramt.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 12. April 2021, 23:30 Uhr