Geld vom Staat ohne Gegenleistung – absurd oder die Zukunft?

Macht das bedingungslose Grundeinkommen Menschen wirklich freier, oder höhlt es nur das Sozialsystem aus? Darüber wurde am Donnerstagabend in der Bremer Arbeitnehmerkammer debattiert.

Grafik: Was würden Sie machen, wenn sie ab morgen 1.000 Euro Bedingungsloses Grundeinkommen bekommen würden?

Soll der Staat seinen Bürgern und Bürgerinnen ein monatliches Einkommen zahlen, ohne dass sie etwas dafür tun müssen? Welche Vor- und Nachteile könnte das haben? Wir haben einen Befürworter und einen Gegner des Grundeinkommens nach ihren Argumenten gefragt.

"Menschen können ihr Potenzial entfalten"

Pastor Michael Behrmann
Pastor Michael Behrmann setzt sich für das BGE ein. Bild: Michael Behrmann

Pastor Michael Behrmann hat die Initiative "Bedingungsloses Grundeinkommen in der Bremischen Evangelischen Kirche“ mitgegründet. Er ist fest davon überzeugt, dass das BGE die Gesellschaft positiv verändern kann.

  • "Ein gut ausgestaltetes BGE kann Menschen dazu bringen, ihr eigenes Potenzial zu entfalten. Zu viele Zwänge und zu viel Druck können einen daran hindern, sich in die Gesellschaft einzubringen und diese positiv mit weiterzuentwickeln. Ein solches BGE kann Menschen freier machen. Und wir brauchen freie Menschen auch für eine funktionierende Demokratie."

Ein solches BGE kann Menschen freier machen. Und wir brauchen freie Menschen auch für eine funktionierende Demokratie.

Michael Behrmann, Initiative "Bedingungsloses Grundeinkommen in der Bremischen Evangelischen Kirche"
  • "Es kann eine Möglichkeit sein, um die Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern – allein oder zusammen mit anderen Maßnahmen."
  • "Es könnte beispielsweise durch verschiedene Steuern finanziert werden, damit der finanzielle Reichtum besser verteilt wird."
  • "Das BGE sollte Menschen aus existenziellen Zwängen befreien. So hätten diese mehr Spielraum, um sich bestimmten Zumutungen, auch am Arbeitsplatz, zu entziehen. Unbeliebte Jobs müssten  gegebenenfalls selbst erledigt oder automatisiert oder besser vergütet werden." 

Risiko: Arbeitgeber könnten sich der Verantwortung entziehen

Dieter Reinken, Wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD Bremen
Dieter Reinken von der SPD Bremen hält das BGE nicht für zielführend. (Archivbild) Bild: DPA | Ingo Wagner

Dieter Reinken ist wirtschaftspolitischer Sprecher der Bremer SPD-Fraktion. Er sieht in dem BGE – so wie es jetzt debattiert wird – eher eine Gefahr für die Arbeitnehmer und das Sozialsystem.

  • "Eines der Risiken des BGE ist, dass Arbeitgeber sich leichter der Verantwortung entziehen könnten, immer mehr sinnbringende Arbeit zu finanzieren oder gut entlohnen zu müssen. Für mich ist die Erwerbsarbeit ein zentraler Punkt im Leben eines Menschen."

Eine alleinerziehende Mutter bekommt so viel BGE wie die Managerin einer Großfirma. Damit riskieren wir, dass unser Sozialsystem ausgehöhlt wird.

Dieter Reinken, Wirtschaftspolitischer Sprecher SPD Bremen
  • "Das BGE wird unabhängig vom reellen Bedarf der Person ausgezahlt. Eine alleinerziehende Mutter bekommt so viel BGE wie die Managerin einer Großfirma. Damit riskieren wir, dass unser Sozialsystem ausgehöhlt wird."
  • "Für viele Beschäftigte könnte sich die Lage verschlechtern, denn der Mindestlohn könnte gefährdet sein. Es besteht das Risiko, dass ein Arbeitgeber künftig sagt: 'Ein Teil des Gehalts holst du dir über das Grundeinkommen.'"
  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 13. September 2018, 23:30 Uhr