Starke Verkehrsbehinderungen: Bauerndemo mit 500 Treckern in Bremen

  • Doppelt so viele Trecker unterwegs wie ursprünglich erwartet
  • Landwirte demonstrierten für faire Milchpreise
  • In der City kam es zu erheblichen Verkehrseinschränkungen
Video vom 19. November 2020
Mehrere Traktoren mit Plakaten, die hintereinander fahren und demonstrieren.
Bild: Radio Bremen

Eine Trecker-Demo hat am Donnerstag in der Bremer City für erhebliche Verkehrsbehinderungen gesorgt. Ein Konvoi von 500 Traktoren war nach Angaben der Polizei von Bremen-Hastedt in die Nähe des Bremer Flughafens gefahren. Das waren doppelt soviele wie erwartet, die Landwirte hatten ursprünglich mit 250 Treckern gerechnet. Die Teilnehmer hatten sich in Elsdorf im Landkreis Rotenburg versammelt und waren von dort zunächst Richtung Osterholz gestartet.

Die weitere Strecke verlief von der Osterholzer- über die Sebaldsbrücker Heerstraße Richtung Osterdeich, dann über die Wilhelm-Kaisen-Brücke über den Flughafendamm zur Henrich-Focke-Straße.

Ziel des 16 Kilometer langen Konvois war das "Deutsche Milchkontor" (DMK) in der Nähe des Bremer Flughafens. Dort wollten die Demonstranten auf zu niedrige Preise für ihre Erzeugnisse, wie zum Beispiel Milch, aufmerksam machen, wie sie sagen. Das DMK ist nach eigenen Angaben der größte deutsche Milchverarbeiter.

Demo in Bremerhaven verläuft ohne große Verkehrsprobleme

Auch in Bremerhaven hatten sich bereits am Morgen Landwirte mit ihren Traktoren versammelt, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Ab 9:30 Uhr kamen laut Polizei 27 Trecker an der Stadthalle zusammen. Gemeinsam wollten sie zu einem Fleischereibetrieb in der Schlachthofstraße fahren, 19 Fahrzeuge anschließend weiter zu einem Schlachthof in der Gemeinde Loxstedt sowie acht nach Bremen.

Laut Landwirt Volker Peters aus Lintig gehe es bei dem Protest nicht darum, zu blockieren. Vielmehr sollten Schlachtunternehmen, Molkereien und Weiterverarbeiter besucht werden, um dort Forderungspapiere abzuholen. "Es geht um die Preise und letztendlich auch um die Wertschätzung", so Peters. "Ohne auskömmliche Preise können wir nicht mehr gewährleisten, weiterhin in Deutschland Lebensmittel zu produzieren."

Bereits im Januar hatte eine ähnliche Demo stattgefunden. Diese sorgte damals für eine Menge Aufmerksamkeit. Die Problematik habe aber nach wie vor Bestand, so Milchviehhalterin Karen Haltermann. Derzeit bekämen Milchwirte durchschnittlich um die 30 Cent je Kilo konventionell erzeugter Milch – 45 müssten es bei realistischer Berechnung sein. "Ich muss das Futter bezahlen, die Ernte, die Mitarbeiter, Strom, Energie, alles Mögliche. Und ich muss auch mein Kapital verzinsen und die eigene Arbeit bezahlen." Der jetzige Milchpreis reiche da einfach nicht aus.

Darum setzt die Corona-Krise auch Bremer Bauern zu

Video vom 29. April 2020
Der Milchviehzüchter Carsten Schnakenberg in einem Stall mit zahlreichen Kühen, die gerade Silage fressen.
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. November 2020, 19:30 Uhr