So ist die Lage in der Bremer Erstaufnahmestelle für Geflüchtete

Aktuell leben 198 Menschen in der Unterkunft in Bremen-Vegesack, Ende März waren es noch rund 600. Insgesamt gab es unter den Bewohnern rund 200 Coronafälle.

Eine Luftaufnahme des Bremer BAMF-Gebäudes.
In der Erstaufnahmestelle in der Lindenstraße hat es in den vergangenen Monaten mehrere Proteste gegeben.

Nachdem Bewohner und Flüchtlingsvereine in den vergangenen Monaten für die Verlegung der Geflüchteten aus der Erstaufnahmestelle in der Lindenstraße protestiert hatten, sind in den vergangenen Wochen hunderte Menschen in anderen Einrichtungen untergebracht worden. Lebten Ende März noch etwa 600 Geflüchtete in der Massenunterkunft in Bremen-Vegesack, die für bis zu 750 Menschen ausgelegt ist, waren es Ende vergangener Woche nur noch 198. "Weitere Auszüge sind geplant", sagt der Sprecher des Bremer Sozialressorts, Bernd Schneider.

Mehrere Bewohner hatten die Sorge geäußert, dass sie sich in der Unterkunft vor dem Coronavirus nicht ausreichend schützen konnten. Tatsächlich bewies ein Massentest im April, dass sich eine hohe Zahl von Bewohnern infiziert hatte. Wie viele genau ist jedoch noch unklar, da es laut Gesundheitsressort Probleme mit der statistischen Erfassung der Daten gegeben hat. 47 Fälle, die im April bereits entdeckt wurden, sind erst im Mai in die Statistik geflossen.

Studie belegt hohe Ansteckungsgefahr

Das Sozialressort teilte auf Nachfrage mit, man sei gerade dabei, die Zahl neu zu berechnen. Es dürfte sich allerdings um eine Größenordnung von etwa 200 Menschen handeln. Dass Massenunterkünfte ein hohes Risiko für die Verbreitung des Virus bergen, hat kürzlich eine Studie aus Bielefeld ebenfalls belegt. Die Ansteckungsgefahr in Flüchtlingsheimen sei etwa so hoch wie auf Kreuzfahrtschiffen, schreiben die Wissenschaftler. Für die Studie sind 23 Einrichtungen untersucht worden – unter anderem in Bremen, Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Ende vergangener Woche befanden sich noch 18 Geflüchtete unter Quarantäne in der Lindenstraße. Zwei davon sind mit dem Virus infiziert, 16 gelten als Kontaktpersonen ersten Grades. Bei den meisten Infizierten ist die Krankheit mild verlaufen, einige mussten allerdings im Krankenhaus behandelt werden.

Massentests wie in der Lindenstraße momentan nicht geplant

Viele Geflüchtete sind in den vergangenen Wochen in Jugendherbergen und kleinere Unterkünfte umgezogen. Eine davon ist die Aufnahmestelle in der Alfred-Faust-Straße. Hier habe es in den vergangenen Monaten vier Corona-Fälle gegeben – allerdings alles Neuankommende, teilt das Sozialressort mit. Wer in die Einrichtung neu einzieht, wird derzeit auf Corona getestet und bleibt bis zum Ergebnis im Einzelzimmer oder zusammen mit der Familie in Quarantäne, so Schneider.

Eine umfangreiche Testung wie in der Lindenstraße stehe allerdings nicht auf dem Plan. "Die Bereitschaft, in allen Gemeinschaftseinrichtungen – Flüchtlings- sowie Altersheimen – zu testen, besteht von unserer Seite", sagt der Sprecher des Sozialressorts. Am Ende müssen jedoch die Gesundheitsbehörden darüber entscheiden. Und das Gesundheitsressort hatte bereits in den vergangenen Tagen klar gemacht: Anlassunabhängige Tests wird es zunächst nicht geben. Problematisch sollen sowohl die Kapazitäten als auch die Kosten sein.

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Video vom 30. April 2020
Das Zollhaus in der Bremer Überseestadt. Der Schriftzug "Europahafen" schmückt die Fassade.

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. April 2020, 19:30 Uhr