Fragen & Antworten

Gewalt an Schulen – ein immer größeres Problem

Ein Junge liegt am Boden, zwei andere beugen sich über ihn
Die Gewalt an Schulen entsteht häufig aus alltäglichen Situationen. (Symbolbild) Bild: dpa | photothek | Thomas Koehler

Beleidigungen, Bedrohungen, Körperverletzungen: Gewalt an Schulen nimmt in vielen Bundesländern zu. Auch in Bremen und Bremerhaven.

Raub, Bedrohung und Körperverletzung sollten im Schulalltag keine Rolle spielen. Doch es gibt solche Gewaltvorfälle. Die Entwicklung macht nachdenklich.

Pausenhofschlägereien gab es ja auch schon vor 30 Jahren. Wie stark ist das Problem denn wirklich geworden?

Wenn man sich die Zahlen der letzten Jahre anguckt, zeigt sich für mehrere Bundesländer in Deutschland ein starker Anstieg: Zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen, aber auch in Niedersachsen und im Land Bremen. In Bremen und Bremerhaven zum Beispiel gab es laut Polizeilicher Kriminalstatistik im Jahr 2018 insgesamt 144 Gewalttaten an Schulen. Während Corona gingen die Zahlen zurück, auch weil viel Unterricht ausfiel. Aber seit 2022 steigen die wieder Fälle rapide an. Vergangenes Jahr waren es 305, also in etwa doppelt so viele wie im Jahr 2018.

Um welche Formen von Gewalt geht es da?

Sehr oft sind es Körperverletzungen, teilweise aber auch Bedrohungen oder sogar Raub — also Diebstahl unter Anwendung körperlicher Gewalt. In Bremerhaven gab es beispielsweise im vergangenen Herbst den Fall, dass jemand ein Graffiti an die Wand geschmiert hatte, mit dem ein Lehrer mit dem Tod bedroht wurde.

Diese Gewalt entsteht sehr häufig aus scheinbar harmlosen und alltäglichen Situationen heraus, sagt Lehrerin Karolina Klein von der Wilhelm-Olbers-Schule in Bremen-Hemelingen. Immer mehr verlagere sich in das Internet, also unter anderem Cyber-Mobbing. Dazu kommen teils gefährliche Challenges — also Wettbewerbe — in Sozialen Medien, bei denen man sich gegenseitig filmt.

Ganz häufig wirklich dieses 'Was guckst du?' — das ist gar nicht so selten — oder einfach nur ein Anrempeln, dann hat die andere Person einen schlechten Tag und dann eskaliert das gleich. Oder ganz häufig auch über das Internet, dass über Whatsapp komische Nachrichten verbreitet werden, über TikTok wird irgendwas aufgeschnappt und dann haben wir die Streitereien auch hier an der Schule — leider

Lehrerin Karolin Klein
Ein Polizist steht in einem Klassenzimmer an einer Tafel
Die Polizei zeigt Schülern, wie sie Streitereien vermeiden und lösen können. (Symbolbild) Bild: dpa | Sebastian Willnow

Was machen Schulen in Bremen und Bremerhaven denn, um Gewalt an Schulen zu verhindern?

Sie versuchen, den Kindern die Konfliktlösungskompetenz näher zu bringen. Zum Beispiel über Streitschlichter-Programme, manche Schulen bilden Anti-Mobbing-Coaches aus, dann sind natürlich die Sozialarbeiter wichtig, die ein offenes Ohr haben. Auch die Polizei Bremen geht an Schulen und macht dort vierstündige Gewalt-Präventionskurse mit Kindern.

Das macht zum Beispiel die Polizistin Maike Seifert. Sie macht Rollenspiele mit den Schülerinnen und Schülern, in denen es oft darum geht, wie man reagiert, wenn einen jemand anrempelt und ganz offensichtlich Streit sucht. Seifert sagt: Wichtig ist, dass die Kids schon früh lernen, wie Konflikte friedlich gelöst werden. Also schon in der fünften oder sechsten Klasse, sonst ist es möglicherweise zu spät.

Es ist ja besser, wenn man es vorher lernt. Wenn man Opfer wird, macht das ja was mit einem. Deswegen ist es schön, wenn man gar nicht erst Opfer wird und sie gleich wissen, wie sie sich verhalten können.

Polizistin Maike Seifert

Diese Bremerin spricht offen über ihre Mobbing-Erfahrungen

Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Carolin Henkenberens
    Carolin Henkenberens Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Tag, 21. Mai 2024, 14:10 Uhr