US-Mission "Mars 2020": Das verbindet Bremen mit dem Roten Planeten

Eine Atlas V-Rakete der "United Launch Alliance" mit Mars-Rover an Bord steht in Cape Canaverel zum Start bereit (Archivbild)
Am Donnerstag startete eine US-Rakete mit dem Rover "Perseverance" ihre Fahrt zum Mars. Bild: dpa | Cover Images/Joel Kowsky

Der Rover "Perseverance" hat seine Reise ins All begonnen. Eine Bremer Astronautin erklärt, wieso die US-Mars-Mission für Bremen wichtig ist.

"Perseverance" – auf Deutsch: "Durchhaltevermögen" – heißt der US-amerikanische Rover, der auf dem Mars nach Spuren von Leben suchen soll. Und Durchhaltevermögen wird die gut 2,1 Milliarden Euro teure Maschine wohl brauchen, um den Roten Planeten zu erreichen. Fast sieben Monate soll der Flug im All dauern. Vorausgesetzt, dass alles glatt läuft.

Schon am Donnerstagabend europäischer Zeit hatte die Trägerrakete, die wenige Stunden zuvor vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Staat Florida gestartet war, technische Probleme gemeldet. Vermutlich war ein Teil des Fahrzeugs im Schatten der Erde zu kalt geworden. Die Temperaturen sollen sich nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde NASA jedoch mittlerweile wieder stabilisiert haben.

Eine Verbindung nach Bremen

Auf dem US-Rover fährt auch ein kleines Stück Bremens mit, wenn man das so nennen will: Der Name der Bremer Physikerin Christiane Heinicke, die vergangenes Jahr den Prototyp einer Forschungsstation für den Mars aufgebaut hat, befindet sich auf einem Chip im Fahrzeug – zusammen mit elf Millionen anderer Namen. Der Chip ist Teil der Aktion "Send your name to Mars", auf Deutsch "Schicke deinen Namen auf den Mars".

Christiane Heinicke
Die Geophysikerin Christiane Heinicke forschte unter anderem auf Hawaii über die Lebensbedingungen für Astronauten auf dem Mars. Bild: privat

Den Start der Rakete konnte Heinicke leider nicht live verfolgen. "Ich war leider zu der Zeit unterwegs", erzählt sie. Doch den Verlauf der Mission wird die Forscherin sicherlich mit Spannung beobachten. Denn für Wissenschaftler, die sich mit dem Roten Planeten beschäftigen, wird der US-Raumflug eventuell wichtige Erkenntnisse bringen. "Der Perseverance-Rover soll nach Spuren von Leben auf dem Mars suchen. Außerdem gehört zu der Mission ein kleiner Helikopter, der zeigen soll, ob es möglich ist auf dem Mars zu fliegen. Das würde die zukünftige Erkundung immens erleichtern."

Auf der Suche nach dem Ursprung des Lebens

Der mehr als eine Tonne schwere Rover soll im Februar 2021 in einem ausgetrockneten See auf dem Mars landen und nach Spuren früheren mikrobiellen Lebens suchen. Außerdem soll das Gerät Proben von Steinen und Staub entnehmen. "Perseverance macht den ersten Schritt in einer langen Kette von nötigen Schritten. Und erst wenn wir es schaffen, Proben vom Mars zur Erde zu holen, können wir Menschen zum Mars schicken", sagt Heinicke.

Ein kleines Gerät mit dem Namen "Moxie" soll demonstrieren, dass es möglich ist, aus der CO2-haltigen Marsatmosphäre Sauerstoff für Menschen zum Atmen zu gewinnen.

Christiane Heinicke
Christiane Heinicke, Geophysikerin

"Perseverance" ist mit sieben wissenschaftlichen Geräten, zwei Mikrofonen, 23 Kameras, einem Laser und einer Drohne ausgestattet. Eines der Ziele der Mission ist, die Bedingungen für die menschliche Landung – und vielleicht später sogar für ein Leben auf dem Mars zu untersuchen. Doch werden Laien irgendwann tatsächlich zum Mars fliegen können? Heinicke sieht das als wahrscheinlich an. Allerdings müssten davor nicht nur technische, sondern auch politische Entscheidungen getroffen werden.

Ich denke, dass wenn die Menschen erst einmal auf dem Mars gelandet sind, dann werden auch nicht-professionelle Astronauten früher oder später nachziehen. Aktuell wird die Raumfahrt ja immer mehr auch von kommerziellen Interessen vorangetrieben. Allerdings müssen wir vor dem Mars noch einen Abstecher zum Mond machen, um unsere Technologien in relativer Erdnähe, aber unter extraterrestrischen Bedingungen zu testen. Technisch wäre ein Flug für Menschen zum Mars in etwa 20 Jahren möglich. Das größte Hindernis sind im Moment eher die Unsicherheiten in der Politik, insbesondere der internationalen Politik.

Christiane Heinicke
Christiane Heinicke, Geophysikerin

Mehrere Länder suchen den Weg zum Mars

Der US-Rover ist nicht der einzige, der sich in den vergangenen Wochen auf den Weg zum Mars gemacht hat. Wenige Tage zuvor hatte China ein Erkundungsfahrzeug auf den Roten Planeten geschickt. Es soll im Mai 2021 landen. Und die Vereinigten Arabischen Emirate haben kürzlich eine Sonde ins All gesendet, die den Mars umrunden soll.

Der scheinbar plötzliche Andrang von Missionen zum Roten Planeten hat jedoch einen einfachen Grund: Das Startfenster in Richtung Mars öffnet sich nur alle zwei Jahre, wie Heinicke erläutert. "Es scheint sich zwei Jahre lang niemand für den Mars zu interessieren, und plötzlich brechen alle gleichzeitig auf. Dabei ist es schon so, dass das Interesse an längeren Reisen ins All stetig ansteigt, und sich immer mehr Nationen dazu bekennen, bei der Besiedelung des Weltalls dabei sein zu wollen." Einen gewissen Wettkampf gebe es auch. Allerdings seien sich im Moment alle einig, dass ein Flug zum Mars mit Besatzung für eine Nation alleine nicht zu stemmen sei, schätzt die Forscherin.

Auch Bremer Wissenschaftler beschäftigen sich mit Mars-Forschung

Bremen will ebenfalls seinen Beitrag leisten: In den vergangenen Jahren hat es mehrere Projekte von Bremer Forschungsteams gegeben. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen hatte vergangenes Jahr im Rahmen einer US-Mission einen "Maulwurf" auf dem Mars abgesetzt. Er soll tief in den dortigen Boden bohren, allerdings ist er seitdem auf einige Hindernisse gestoßen.

Außerdem wollen Wissenschaftler des DLR und des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) frisches Gemüse für langjährige Raumfahrtmissionen entwickeln.

Und am Bremer Raumfahrtinstitut ZARM ist ein erstes Modul für eine Mars-Station aufgebaut worden. "Wir haben letztes Jahr das MaMBA-Habitat als Demoversion aufgebaut und mit Wissenschaftlern getestet. In den kommenden Jahren soll es als technisch funktionsfähiges Modul aufgebaut werden und um wichtige Komponenten, wie zum Beispiel die Luftschleuse, erweitert werden", erläutert Heinicke.

Von der jetzigen US-Mission erhofft sich die Bremerin Erkenntnisse, die auch für die Forschung am ZARM relevant sein könnten. Und wünscht sich für die Hansestadt ein selbstbewussteres Auftreten. "Bremen ist heute schon im Erdorbit vertreten und leistet wichtige Beiträge zu Missionen, die über den Erdorbit hinaus und bis zum Mond gehen. Ich gehe davon aus, dass Bremen auch bei den ersten astronautischen Flügen Richtung Mars dabei sein wird."

Autorin

  • Serena Bilanceri
    Serena Bilanceri Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Bremen Zwei, 30. Juli 2020, 10:50 Uhr

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