Wie Bremen zur Kaffeestadt wurde

Ein Ober trägt ein Tablett mit zwei Cappuccini

So traditionsreich ist das Geschäft mit dem Kaffee in Bremen

Bild: dpa | Westend61/Daniel Ingold

Das Geschäft mit dem Kaffee hat in Bremen eine lange Tradition. Jetzt jährt sich der erste öffentliche Ausschank von Kaffee in der Hansestadt zum 350. Mal.

In diesem Jahr feiert Bremen ein ganz besonderes Jubiläum: Es ist genau 350 Jahre her, dass der Rat der Hansestadt den öffentlichen Ausschank von Kaffee genehmigte. Was heute ein bisschen banal klingt, war damals eine kleine Revolution: Bremen war damit nämlich die erste Stadt in Deutschland, in der es möglich war, ein Kaffeehaus zu eröffnen. Und das wiederum war der Beginn einer langen Tradition, die Bremen schließlich zur Kaffeestadt machte – was sie bis heute ist.

Es war ein Niederländer, der 1673 beim Rat der Stadt Bremen einen Antrag stellt. Jan Jantz van Huesden wollte – nach Amsterdamer Vorbild – eine Kaffee-Schenke eröffnen, oder wie er es beschreibt: "Allhier eine Hantierung von ausländischen, indianischen Getränken vornehmen."

Sein Vorhaben wird genehmigt. Zunächst zwar nur für ein halbes Jahr – doch die Erlaubnis des Stadtrats ist der Startschuss für einen neuen Trend: Nach und nach eröffnen mehr Kaffeestuben in Bremen. Das Getränk aus den braunen Bohnen wird um 1700 auch in Privathaushalten immer häufiger getrunken. Besonders zum Frühstück, wo es mit der Zeit die morgendliche Biersuppe ablöst. Die Bremerinnen kaufen ihre Kaffeebohnen lose und roh im Kolonialwaren-Laden – und rösten sie zu Hause auf dem eigenen Herd.

Die ersten Röstereien entstehen

Etwa 1880 ändert sich das, als eine neue Art von Verpackung den Kaffee-Markt revolutioniert: Kaffee kann nun so abgefüllt werden, dass sein Aroma geschützt bleibt und darum ist es möglich, ihn bereits vor dem Verkauf fertig zu rösten. In der Folge entstehen in Bremen die ersten Kaffee-Röstereien – und damit auch die ersten Marken, erklärt die Bremer Kaffee-Expertin Ilse Münchhausen-Prüße.

Mit dem Umschwung von der Handelsware Rohkaffee zu Röstkaffee kam die Verpackung einher und die Einteilung in kleine Einheiten: halbe Pfunde, viertel Pfunde, vielleicht noch kleiner – aber diese Verpackung, die bot eine schöne Vorderseite und da schrieb man seinen Namen drauf, lag ja nahe. Und damit wurde Röstkaffee ein Markenprodukt.

Ilse Münchhausen-Prüße

Zu den frühsten und bekanntesten Bremer Marken-Röstern gehören Johann Jacobs, Ludwig Roselius und Carl Ronning. Aber auch kleinere Röstereien eröffnen überall in der Hansestadt. Nach dem Ersten Weltkrieg setzt dann ein wahrer Boom ein: Kaffee wird in immer größeren Mengen nach Deutschland eingeführt – und zwar vor allem über die Bremer Häfen.

Mit ihren guten Beziehungen sorgen die Bremer Handelsfamilien dabei auch für gute Qualität, sagt Münchhausen-Prüße: "In Mittelamerika gibt’s so ein Prädikat 'Suitable for Bremen' – und das waren früher die Top-Qualitäten. Bremen war da bekannt als Synonym für guten Kaffee, gar nicht mal als Stadt in Deutschland."

Bremen wird Kaffee-Stadt

Anfang der 20er-Jahre gibt es in Bremen mehr als 250 Kaffee-Röstereien und genauso viele Marken-Namen: "Praktisch in jeder Straße ein Röster – oder mehr, die ganze Stadt duftete nach Kaffee", sagt Münchhausen-Prüße

Diese Assoziation ist bis heute lebendig. Auch wenn längst nicht mehr so viele Röstereien existieren: Es gibt ihn noch, den typischen Bremer Kaffeeduft, der einem auf der Straße in die Nase steigt. Er kommt mittlerweile aus Firmen, die große Player auf dem Weltmarkt sind – aber auch aus kleinen, feinen Röstereien, die sich mit gutem Kaffee einen Namen gemacht haben.

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Autorin

  • Kerstin Burlage
    Kerstin Burlage Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 23. August 2023, 7:30 Uhr