Ein Schock vor 25 Jahren: Ausgerechnet Tchibo schluckt Bremer Eduscho

Menschen gehen an einer Filiale von Kaffeehersteller Eduscho vorbei.
Bild: DPA | Katja Lenz

Vor 25 Jahren erschütterte eine Nachricht Bremen, Norddeutschland und eigentlich die gesamte Republik: Tchibo übernimmt den Bremer Kaffeehersteller Eduscho.

Hoher Preisdruck, kleine Margen. Obwohl statt Kaffee auch immer mehr  andere Gebrauchsgegenstände verkauft werden, reicht es offenbar nicht, die Eigentümerfamilie Schopf verkauft. Am 11. Dezember 1996 geben der Bremer Kaffehersteller Eduscho und Tchibo aus Hamburg bekannt, dass sie sich einig geworden sind. Tchibo wird Eduscho übernehmen. Am 1. Januar 1997 wird die Übernahme vollzogen. Nach Ausbildung und berufsbegleitendem Studium bei Eduscho für den damals 25-jährigen Christian Grabs ein Moment, den er nie vergisst.

Die Gerüchte einer Übernahme waren ja da, aber dass es ausgerechnet ein Mitbewerber geworden ist, war ein richtiger Schock für mich.

Christian Grabs, damals Eduscho-Mitarbeiter, heute Marktforscher bei Tchibo

"buten un binnen stand damals auch vor dem Firmentor und als die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dann das Haus verlassen haben, stürzten sich die Kamera-Teams direkt auf einen. Die Gerüchte einer Übernahme waren ja da, aber dass es ausgerechnet ein Mitbewerber geworden ist, war ein richtiger Schock für mich", erinnert sich Christian Grabs.

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Die Tchibo Lagerhalle von außen durch ein Zaun fotografiert.
Es dauerte aber fünf Jahre, bis der letzte Eduscho-Laden verschwand oder in Tchibo umbenannt wurde. Bild: Radio Bremen

Während in Bremen Kaffeerösterei und Verwaltung von Eduscho aufgegeben werden, baut Tchibo Bremen als Logistikstandort aus. Grabs wird übernommen, arbeitet inzwischen in der Marktforschung von Tchibo und pendelt an die Elbe. Es dauerte noch fünf Jahre, bis der letzte Eduscho-Laden entweder verschwunden oder umgebrandet ist, erinnert sich Tchibo-Sprecher Arndt Liedtke: "Die deutschen Innenstädte hatten eine Eduscho-Filiale und eine Tchibo-Filiale, die waren manchmal nebeneinander, manchmal gegenüber. Ich glaube, dass sich die Menschen damals bewusst entschieden haben, in die eine oder in die andere zu gehen. Das war sicherlich auch ein Stück weit Weltanschauung."

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Christian Grabs und Arndt Liedtke kommen aus Bremen und arbeiten für Tchibo. Bild: Radio Bremen

Während Liedtke damals schon zu Tchibo ging, machte sich Manfred Siebert auf in den Eduscho-Laden in der Bremer Sögestraße. Als Gewerkschafter und Betriebsratsvorsitzender bei Kaffee Hag hat er Eduscho-Streiks unterstützt und sieht die Übernahme durch Tchibo im Rückblick als Anfang vom Ende:

"Die Kaffeebarone waren alles Familienbetriebe. Scheinbar haben die älteren keine Erben gehabt oder sie waren schon reich genug und hatten deshalb keine Lust. Schopf war neben Jacobs und Roselius einer der reichsten in Bremen und das war eigentlich nicht im Sinne von den Arbeitnehmern", so Manfred Siebert.

Kaffeefamilientochter und heutige Rösterei-Inhaberin Ilse Münchhausen-Prüße bedauert außerdem die verlorene Bremen-Hamburg-Rivalität: "Es war ein Fressen und Gefressen werden unter den Röstern. Und am Ende jeder Nahrungskette stehen immer die großen Tiere, die sich auch noch gegenseitig fressen. Eduscho war für uns schon eine große Nummer hier in Bremen. Nicht umsonst gibt es heute eine Eduard-Schopf-Allee. Das war schon traurig damals", berichtet Münchhausen-Prüße. Immerhin: Eduscho sei 25 Jahre nach der Übernahme durch Tchibo immer noch eine wichtige Marke im deutschen Kaffee, versichert Tchibo-Sprecher Liedtke.

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  • Mario Neumann Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 10. Dezember 2021, 13.10 Uhr