Kaffee, Trinkgeld, Hundehalter: Wo Bremen wirklich spitze ist

Münzen, ein Geldschein und eine Rechnung liegen neben einer leeren Kaffeetasse auf einem Tisch.

Arm, aber höflich: 10 Dinge, in denen Bremen in Deutschland vorn liegt

Bild: dpa | Tobias Hase

Mal mehr, mal weniger belastbare Erhebungen zeigen: In manchen Disziplinen sind Bremen und Bremerhaven im bundesweiten Vergleich ganz vorn dabei. Wir haben sie zusammengetragen.

Auf den ersten Blick mag es wenig geben, womit sich Bremer oder Bremerhavenerinnen in Bezug auf ihre Städte rühmen können: In Sachen Wohlstand und Bildung zum Beispiel belegen Bremen und Bremerhaven regelmäßig die hinteren Plätze in Städte-Rankings. Im Vergleich der Bundesländer sieht es für das Land Bremen häufig nicht viel besser aus. Die Zeiten, in denen Werder mit gutem und erfolgreichem Fußball die Stadt aus dem Mittelmaß in die Elite gehoben hat, sind ebenfalls vorbei.

Doch es gibt sie: Disziplinen, in denen Bremen, Bremerhaven oder das Land Bremen im Bundesvergleich zu den Besten gehören – oder sogar ganz oben stehen.

1 Bremen ist die zweithöflichste Stadt Deutschlands

Sehr weit vorn ist Bremen zum Beispiel in Sachen Höflichkeit. Die Sprachlernplattform "Preply" hat Ende 2022 erhoben, welche deutschen Städte die unhöflichsten und welche die höflichsten sind. Basis war eine entsprechende Umfrage in deutschen Großstädten. Das Ergebnis: Bremen ist vor Hannover, Nürnberg und Bonn die zweithöflichste Stadt der Bundesrepublik. Bochum schaffte es auf Platz 1 – wahrscheinlich nur deshalb, weil Bremen so höflich war, der Stadt im Ruhrpott die Pole Position zu überlassen.

2 Nirgendwo wird so viel Trinkgeld gegeben wie in Bremen

In Sachen Trinkgeld hingegen läuft Bremen jeder anderen Großstadt Deutschlands den Rang ab: Im Schnitt werden in der Hansestadt 9,8 Prozent Trinkgeld gegeben. Auch das folgt aus der "Preply"-Umfrage. Auf Platz 2 folgt München, mit etwas Abstand und durchschnittlich 8,9 Prozent Trinkgeld. In Essen geben die Leute 8,8 Prozent.

  • Hohe Kosten, wenig Personal: So geht es der Bremer Gastronomie

    "Heute geschlossen": Vielleicht wird das bald häufiger an Restaurants und Biergärten stehen. Denn der Gastronomie fehlt es an Personal.

3 Milchkaffe und Cappuccino kosten hier am meisten

Einen Café-Besuch lassen Bremerinnen und Bremer durchaus etwas kosten: Zum üppigen Trinkgeld kommen auch noch die im bundesweiten Vergleich höchsten Preise für Milchkaffee und Cappuccino. Das ergab eine Preiserhebung des Kaffee-Händlers Coffee Friend von 2021. Demzufolge kostet ein Cappuccino in Bremen im Schnitt 3,57 Euro und ein Milchkaffee 3,92 Euro. Allerdings flossen nur die drei am besten bewerteten Cafés auf Tripadvisor in die Auswertung ein.

4 Bundesland mit den meisten jungen Menschen

Jung, jünger, Bremen: Das Statistische Bundesamt gab vor gut einem Jahr bekannt, dass elf Prozent der Bevölkerung in Bremen zwischen 15 und 24 Jahre alt ist. Gemessen an der Gesamtbevölkerung leben demnach in keinem anderen Bundesland so viele junge Menschen wie in der Freien Hansestadt. Im Bundesschnitt beträgt der Anteil der Altersgruppe zehn Prozent, bei Schlusslicht Brandenburg gerade einmal bei acht.

5 Bremen ist die grünste große Großstadt

Bremen zeigt: Eine Großstadt kann auch grün sein – zumindest im Vergleich zu anderen deutschen Städten mit über 500.000 Einwohnern. Sowohl bei den Grünanlagen als auch bei Parks, Sportanlagen und Wasserflächen in der Stadt liegt Bremen vorn: 60 Quadratmeter entfallen umgerechnet auf jeden Einwohner. Bei den anderen großen Großstädten sind es im Schnitt weniger als 40. Die Daten kommen von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder, ausgewertet hat sie die Wirtschaftsförderung Bremen.

6 Kaum ein Land ist so Hunde-vernarrt wie Bremen

Ob die vielen Grünflächen Bremerinnen und Bremer dazu motiviert haben, sich einen Hund zuzulegen? Zumindest gibt es im Bundesland Bremen im Verhältnis zur Einwohnerzahl besonders viele: Auf 100.000 Einwohner kommen 14.700 Hunde – nur in Hamburg ist die Menschen-Hunde-Quote noch ein wenig höher, sagt die Studie "Der Deutsche Heimtiermarkt 2021".

7 Bremen ist die Fahrrad-freundlichste Großstadt

Und auch mit dem Fahrrad fahren kann man besonders gut da, wo es grün ist. Um im Fahrrad-Klima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) gut abzuschneiden, kommt es aber auf mehr an: zum Beispiel auf die Qualität der Radwege, die Führung an Baustellen und das Angebot an öffentlichen Rädern. Besonders gut hat Bremen in all diesen Bereichen zwar nicht abgeschnitten – die Fahrradfreundlichkeit Bremens bekam insgesamt gerade mal die Note 3,6. Weil die anderen Städte über 500.000 Einwohner aber noch schlechtere Noten bekamen, darf sich Bremen die fahrradfreundlichste Großstadt Deutschlands nennen.

8 Keine andere Stadt sucht so wenig nach Internet-Pornos wie Bremen

Zugeben würden es wohl nur die wenigsten, aber auch Bremerinnen und Bremer suchen nach Pornografie im Internet: Das ergibt eine Auswertung von Google-Suchen, die die Plattform "Seitenspung-Portal" vor wenigen Tagen veröffentlicht hat. Allerdings ist in keiner Stadt das Interesse an Sex-Filmen im Netz so gering wie in Bremen. Im Schnitt sucht jeder Bremer, der mindestens 14 Jahre alt ist, nur sechs Mal im Jahr nach Pornos im Netz. Anders sieht es in Frankfurt aus: Auf jeden Menschen in Frankfurt kommen pro Jahr 103 Google-Anfragen, die das Wort "Porn" enthalten – nirgendwo in Deutschland ist es mehr.

9 Bremer müssen am längsten auf ihre Steuererstattung warten

Es ist keine Statistik, mit der Bremen sich rühmen kann, aber bemerkenswert allemal: In keinem anderen Bundesland hat es 2022 so lange gedauert, bis Steuerpflichtige ihre Erstattung bekommen wie in Bremen. Ganze 82,1 Tage hat die Bearbeitung im Schnitt gedauert – bei den Spitzenreitern in den Berliner Finanzämtern waren es gerade mal 45,8 Tage. Die Datenerhebung kommt vom Online-Steuerportal "Lohnsteuer kompakt".

10 Bremerhaven ist Fisch- und Fischstäbchen-Hauptstadt Deutschlands

Auch Bremerhaven liegt in einer bundesweiten Statistik vorn – passend zum Image einer Seestadt in der Verarbeitung von Fisch: Denn mit 200.000 Tonnen wird nirgendwo in Deutschland mehr davon verarbeitet als in Bremerhaven. Das sagt die Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwickling. Mehr als die Hälfte des Fischs, der in Deutschland gegessen wird, kommt aus den Fabriken Bremerhaven. Einen großen Anteil daran dürften die zahlreichen Fischstäbchen aus den Werken von Frozen Fish International und Frosta haben: Pro Tag werden dort sieben Millionen Stück produziert.

Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Läuft, 31. Juli 2023, 14.15 Uhr