Cold Case Jutta Fuchs – ein ungeklärter Mordfall ohne Leiche

Saal im Landgericht Bremen
Vor dem Landgericht wird das Verfahren im August fortgesetzt (Symbolbild). Bild: Radio Bremen | Harald Ganswindt

Heute vor 25 Jahren ist die 29-jährige Jutta Fuchs aus Bremen-Farge spurlos verschwunden. Die Polizei ist überzeugt, dass sie ermordet wurde. Trotz jahrelanger Suche wird ihre Leiche nie gefunden. Verdächtig ist der ehemalige Verlobte, der jetzt vor Gericht steht.

Sie ist glücklich, hat gerade für sich und ihren zweijährigen Sohn eine kleine Wohnung gemietet. Nach mehreren gescheiterten Versuchen will Jutta Fuchs ihren Verlobten endgültig verlassen. Am 26. Juni 1993 soll der Umzug sein. Einen Tag vorher, am 25. Juni, verschwindet die 29-Jährige – und bleibt bis heute unauffindbar.

Zum letzten Mal wird sie am Abend des selben Tages im Vegesacker Treff gesehen. Ihr Verlobter wird später bei der Polizei aussagen, dass sie nach einem Ausflug mit dem Sohn noch einmal ausgehen wollte. Er ist es, der das Opfer zwei Tage später bei der Polizei vermisst meldet. Aber erst nachdem ihn die Polizei in Sittensen informiert, dass ein Autofahrer auf dem Parkplatz Mittelkämpe an der A 27 Jutta Fuchs' Handtasche mit allen persönlichen Papieren – Reisepass, Führerschein, Personalausweis und Bankkarte – gefunden hat. Die Tasche ist komplett durchnässt, obwohl es seit Tagen nicht geregnet hat.

Der Verlobte unter Verdacht

Jutta Fuchs hat mit ihrem Verlobten einen damals zweijährigen Sohn. Zum Tatzeitpunkt ist er bei den Großeltern. Während der Verlobte bei der Polizei aussagt, Jutta Fuchs könnte mit einem anderen Mann durchgebrannt sein, glaubt die Polizei das nicht. Die als verantwortungsvoll geltende Mutter wäre niemals ohne ihren Sohn gegangen, sind sich die Ermittler sicher.

Rund um die damalige Wohnung finden großräumige Durchsuchungen unter Einsatz von Hubschraubern und Polizeihunden statt. Da er sich immer wieder in widersprüchliche Aussagen verstrickt, gerät der Verlobte schnell unter Verdacht. Die Beweise reichen aber nie für eine Festnahme.

Ein Jahr nach der Tat fischt ein Schüler beim Angeln aus dem Tietjensee bei Schwanewede eine Plastiktüte. In ihr werden Schminkutensilien, eine Zahnbürste und der Verlobungsring von Jutta Fuchs gefunden, dazu ein Stein zum Beschweren und Versenken der Tüte. Die Mordkommission um den damaligen Leiter Helmuth Mojen geht davon aus, dass die Gegenstände bereits zum Tatzeitpunkt im See versenkt wurden.

Nach unserer Auffassung wollte der Täter nicht, dass wir diese persönlichen Sachen finden, weil er wollte, dass wir als Ermittlungsbehörde von einem Kapitaldelikt ausgehen.

Helmut Mojen, ehemaliger Leiter der Bremer Mordkommission in der Sendung Aktenzeichen XY ungelöst, 30.04.2008

Der See wurde abgesucht. Jahre später erneut, als die technischen Möglichkeiten besser wurden, werden Tauchroboter und Sonargeräte eingesetzt – gefunden wird auch da nichts. Jutta Fuchs bleibt vom Erdboden verschwunden.

Suche über Aktenzeichen XY

2008, fünfzehn Jahre nach dem Verschwinden: Ein neuer, wieder vergeblicher Versuch, Licht ins Dunkel zu bringen. Die Bremer Mordkommission um den damaligen Leiter Helmut Mojen schildert den Mordfall Jutta Fuchs in all seinen Details in der Fernsehsendung Aktenzeichen XY ungelöst. Nach der Sendung meldet sich ein Polizist aus Farge. Er gibt den Tipp, dass hinter der neuen Wohnung von Jutta Fuchs eine Sickergrube sei. Der sieben Meter tiefe Schacht wurde ausgespült und nach Knochen durchsucht – nichts.

Mord verjährt nie

Unter Verdacht bleibt über all die Jahre der Verlobte des mutmaßlichen Mordopfers. Obwohl die Beweise nie für eine Verhaftung gereicht haben, erhebt die Staatsanwaltschaft Bremen 2013 Anklage gegen ihn, um eine Verjährung zu verhindern. Denn während Mord nicht verjährt, ist das bei Totschlag durchaus der Fall. Dem Landgericht bleibt die Beweislage zu dünn, es will nicht verhandeln. Dagegen geht die Staatsanwaltschaft wiederum am Oberlandesgericht vor, das diesen Beschluss aufhebt, so dass der Fall im Oktober 2017 doch vor Gericht kommt. Allerdings ohne den Angeklagten. Der erscheint trotz Vorladung nicht zum Termin, er soll inzwischen in London wohnen. Mitte August soll die Verhandlung weitergehen. Die Leiche von Jutta Fuchs ist auch nach 25 Jahre nicht aufgetaucht.

Autorin

  • Katharina Guleikoff Moderatorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Zwei nach Eins, 25. Juni 2018, 13:20 Uhr

Archivinhalt