Interview

Suppenengel-Chef Peter Valtink: "Die Hilfsbereitschaft ist größer"

Das Team der Suppenengel Bremen posiert am Gleis mit speziellen Lastenrädern
Der Mann im Hintergrund mit dem dunklen Pulli: Das ist Peter Valtink, der seit sieben Jahren als Geschäftsführer der Bremer Suppenengel arbeitet. Bild: privat | privat

Täglich verteilen die Bremer Suppenengel kostenloses Essen an Bedürftige. 2021 gab es für den Geschäftsführer zwei Höhepunkte: Die gemeinsame Impfaktion und den Neujahrsempfang.

Rund 250 Menschen versorgt der Verein "Die Bremer Suppenengel e.V." täglich. Corona hat für einige Veränderungen gesorgt: Feste mussten abgesagt werden, die Ausgabestellen wurden dezentralisiert. Mit Spezial-Lastenfahrrädern geben Ehrenamtliche täglich frisch gekochte Suppen, belegte Brote, Salate und Kaffee an Bedürftige und Obdachlose in Bremen aus. "Ich wollte mich ehrenamtlich betätigen, habe bei den Suppenengeln begonnen und bin da reingewachsen", erzählt Peter Valtink. Mittlerweile ist er seit sieben Jahren Geschäftsführer des Vereins. "Nächstes Jahr feiern wir unser 25-Jähriges."

Wie lief 2021 für Sie und die Bremer Suppenengel?
Es gab viele Auf uns Abs. Durch Corona hat die Arbeit der Bremer Suppenengel viele Höhepunkte und Tiefpunkte erlebt. Höhepunkt war der Neujahrsempfang, der im April stattfinden konnte. Dabei wurde ein Drei-Gänge-Menü für 40 Menschen serviert, ein soziales Event für Bedürftige, das im Zirkuszelt von "Jones" stattfand. Im Vorjahr musste diese Veranstaltung abgesagt werden.

Der Tiefpunkt ist vielleicht auch ein kleiner Höhepunkt. Bei unserem Standort am Gleis 1 haben wir dreimal Impftermine für Obdachlose durchgeführt. Das war eine gute Sache. Aber es ist schade, dass wir so etwas machen müssen und dass wir die Menschen nicht mehr zu uns einladen können, in der Kantine etwas zu essen. Am ersten Tag haben wir über 160 Menschen erstgeimpft, an den anderen beiden Tagen insgesamt 110. Die Bereitschaft ist groß, auch bedürftige Menschen haben Angst vor Corona.

Was hat für Sie das Jahr besonders gemacht?
Bei Wind und Wetter sind wir zu unseren fünf Ausgabestellen mit dem Fahrrad hingefahren. Immer draußen zu sein, auch im Winter, das prägt die Essensausgabe in diesem Jahr. Supermärkte stellen uns dafür etwa eine halbe Tonne Lebensmittel zur Verfügung, aus denen wir etwas für unsere 250 Kunden täglich kochen.

Die Solidarität der Privatmenschen und Unternehmen ist in diesem Jahr größer als sonst – ob durch Sachspenden oder finanziell. Dennoch: Die Bereitschaft in Bremen war schon immer groß, Menschen, denen es schlecht geht, zu unterstützen. Durch Corona ist diese Bereitschaft aber noch größer geworden.

Wenn es den anderen gut geht, geht es mir auch gut.

Peter Valtink, Geschäftsführer der Suppenengel
Was wünschen Sie sich für das Jahr 2022?
Dass die Impfsituation weiter in Bremen gut vorankommt, sodass wir auch wieder normal unsere sozialen Events veranstalten können, wie zum Beispiel das Sommer- und Weihnachtsfest. Man muss auch an den sozialen Hunger der Menschen denken.

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Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Johanna Ewald Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Dezember 2021, 19:30 Uhr