Das Bremer Viertel – in 9 Grafiken

Vielfältig und niemals still: das Viertel in Bremen. Was steckt hinter dem Trubel? Leben dort Reiche oder Arme? Was kostet das Wohnen? Sind Steintor und Ostertor gleich?

Ein Stromkasten im Bremer Viertel auf dem "Das Viertel ist Kult" steht.

 

Shoppen, arbeiten, wohnen, kneipieren, cornern und nächtlicher Fußball am Sielwall-Eck: Das Bremer Viertel lebt – und wird geliebt. Gefühlt ist es recht umfassend. So wähnt man sich in Fesenfeld und anderen angrenzenden Ortsteilen durchaus als Viertelbewohner. Doch genau genommen gehören nur die Ortsteile Ostertor und Steintor dazu. Das ist gerade einmal eine Fläche von 1,32 Quadratkilometern.

Das Viertel in Zahlen Quelle: Statistisches Landesamt Bremen, Stand: 31.12.2016 8.552 Einwohner 7.416 Einwohner Größe Größe OSTERTOR STEINTOR 0,82 km² 0,50 km²

Einwohner

Es lebt sich ausgewogen zwischen den Geschlechtern im Bremer Viertel. Vielfältig dagegen sind die Nationalitäten: Die Einwohner im Ostertor und Steintor kommen aus mehr als 200 Ländern (Stand 2016). Nach den Anwohnern ohne Migrationshintergrund folgen die Türken mit 400 Menschen, gefolgt von 317 Polen und 201 Italienern.

Das Viertel in Zahlen Bundestagswahl 2017 SPD CDU GRÜNE FDP Linke AfD 5 10 15 20 25 Steintor: 24,6% Ostertor: 21,9% Steintor: 6,3% Ostertor: 8,0% Steintor: 23,9% Ostertor: 22,2% Steintor: 10,5% Ostertor: 13,6% Steintor: 26,1% Ostertor: 27,3% Steintor: 2,8% Ostertor: 2,9% 41,05 Jahre 42,45 Jahre 54% 46% Durchschnittsalter: Durchschnittsalter: Männer: Frauen: Stand: 31.12.2016 Quelle: Statistisches Landesamt Bremen Median: 26.644 € Median: 24.556 € Durchschnittliches Einkommen: 41.807 € Durchschnittliches Einkommen: 32.949 € 40.000 30.000 20.000 10.000 0 Ostertor Steintor Stand: 31.12.2013 Quelle: Statistisches Landesamt Bremen Einwohner aus mehr als 200 Ländern Stand: 31.12.2016 Quelle: Statistisches Landesamt Bremen

Auch beim Einkommen zeigen sich Unterschiede: Während die Menschen 2013 im Ostertor durchschnittlich knapp 42.000 Euro verdienten, waren es im Steintor nur 33.000. Beim Median zeigt sich: Die Hälfte der Ostertor-Bewohner verdienten mehr als rund 27.000 Euro, die andere Hälfte weniger. Im Steintor lag das Mittel bei rund 25.000 Euro. Die Zahlen zeigen: Es gibt offenbar wohlhabende Menschen, die das durchschnittliche Einkommen nach oben verschieben. Und was wählen die Einwohner? Im Zweifel links – das zeigen die Ergebnisse der Bundestagswahl 2017.


Haushalte

Man lebt allein im Bremer Viertel. Das gilt sowohl für Männer als auch für Frauen. In 70 Prozent aller Privathaushalte wohnt nur eine Person. Das zeigen die Zahlen von Ende 2016. Kinder leben in 1.111 Haushalten, meistens nur eins. Lediglich in 88 Haushalten wohnen drei oder mehr Kinder.

Das Viertel in Zahlen Stand: 31.12.2016 Quelle: Statistisches Landesamt Bremen Durchschnittliche Haushaltsgröße : 1,47 Personen 10.975 Privat- haushalte 7.682 Haushalte mit 1 Person 1.111 Haushalte mit Kindern OSTERTOR STEINTOR 345 316 193 169 42 46 3.698 3.993

Wohnen

Was zahlen die Menschen im Viertel fürs Wohnen? Zwar gibt es keine Angaben nur für das Steintor und das Ostertor, dafür aber für den Bereich Bremen-Mitte und Östliche Vorstadt, wozu das Viertel gehört. Vermietet werden überwiegend sanierte Altbauwohnungen. Bei einer Größe von bis zu 50 Quadratmetern ist die Spanne der Miete pro Quadratmeter mit bis zu 13,10 Euro höher als bei Wohnungen, die größer sind. Allerdings: "Die Zahlen stammen aus dem vergangenen Jahr. Wir dürften uns überwiegend im oberen Bereich bewegen, vielleicht teilweise sogar schon darüber", sagte Ernst Dautert, stellvertretender Vorsitzender von Geoinformation Bremen.

Das Viertel in Zahlen Quelle: Geoinformation Bremen, Stand: 2018 392.000€ 900.000€ Immobilienpreise 140 m 2 Mietpreise kleiner als 50 m 2 größer als 50 m 2 7,90€–13,10€ 7,10€–10,50€ Quelle: Geoinformation Bremen, Stand: 2017 renoviert

Wer ein Haus kaufen will, muss im Viertel tief in die Tasche greifen. "Ganz überwiegend wird in diesem Viertel das gebrauchte Reihenhaus verkauft. Der Unterhaltungszustand ist nicht immer der Beste", so Dautert weiter. 2.800 Euro pro Quadratmeter sei der durchschnittliche Preis, der aktuell dafür erzielt wird. Bei einer Größe von 140 Quadratmetern müssen Käufer also 392.000 Euro bezahlen. "Ein renoviertes Reihenhaus dürfte dann gut bei 800.000 bis 900.000 Euro liegen."


Kinder

Ende 2016 lebten insgesamt 1.664 Kinder im Viertel. 579 von ihnen waren zu diesem Zeitpunkt Schüler. Im Viertel selbst aber ging davon nur ein Teil zur Schule. Denn innerhalb der Grenzen von Ostertor und Steintor gibt es nur drei Schulen – und allesamt sind Grundschulen.

Das Viertel in Zahlen Quelle: Statistisches Landesamt Bremen, Stand: 31.12.2016 1.664 Kinder davon 579 Schüler 3 Schulen 1. Grundschule an der Schmidtstraße 2. Schule an der Lessingstraße 3. Bürgermeister-Smidt-Straße

Arbeiten

Im Viertel ist das Ostertor mehr als das Steintor ein wichtiger Arbeitsort, wie die Arbeitnehmerkammer Bremen mitteilte. Es gibt mehr Betriebe im Ostertor und sie haben etwa fünf bis sechs Beschäftigte, sind also im Schnitt etwas größer als im Steintor. Für beide Stadtteile gilt: Dominant ist der Dienstleistungsbereich mit etwa 90 Prozent aller Betriebe und Beschäftigten.

Das Viertel in Zahlen Quelle: Arbeitnehmerkammer Bremen, Stand: 2015 782 Beschäftigte OSTERTOR STEINTOR 927 Betriebe 5.004 Beschäftigte 493 Betriebe Dienstleitungen: 865 Gastgewerbe, Handel, Verkehr: 278 freiberuflich, wissenschaftlich, technisch: 246 Dienstleitungen: 443 Gastgewerbe, Handel, Verkehr: 145 freiberuflich, wissenschaftlich, technisch: 136

Eine große Rolle spielen dabei nicht nur Einzelhandel und Gastronomie, sondern auch die "wissensintensiven Dienstleistungen". Das sind freiberufliche, technische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Dienstleistungen, aber auch Kunst und Kultur. Dazu gehören das Gesundheitswesen, Architektur- und Ingenieursbüros, Werbeagenturen, Rechtsanwälte und Notare sowie Kulturbetriebe. Laut Arbeitnehmerkammer ist das ein Hinweis darauf, dass es im Viertel auch viele Jobs für höher qualifizierte gibt.

Grafiken: Marissa Kimmel, Daniel Bomsdorf

  • Birgit Reichardt

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 24. August 2018, 19:30 Uhr

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