Millionenschaden: Reagierte Behörde im Fall Kannenberg zu spät?

  • In einem Bericht wirft die Innenrevision der Sozialbehörde Versäumnisse vor
  • Diese habe zu spät auf drohende Pleite der Akademie reagiert
  • Möglicher Schaden: 4 Millionen Euro
Das Gebäude der Kannenberg-Akademie von außen

Die Bremer Sozialbehörde hat offenbar zu spät auf die drohende Pleite der Jugendhilfeeinrichtung "Akademie Lothar Kannenberg" reagiert. Dadurch könnte dem Bremer Haushalt letztlich ein Schaden von bis zu vier Millionen Euro entstanden sein. Das steht in einem Bericht einer internen Prüfstelle, die die Vorgänge der vergangenen Monate in der Behörde unter die Lupe genommen hat.

Die "Akademie Lothar Kannenberg" hatte sich jahrelang vor allem um drogenabhängige und kriminelle Jugendliche gekümmert. Ab Ende 2014 wurden in insgesamt sieben Häusern in Bremen dann vor allem minderjährige Flüchtlinge betreut. Dafür hatte die Stadt der Akademie Geld gezahlt – in Form von Vorschüssen und Abschlagszahlungen. Ende letzten Jahres aber musste die Akademie Insolvenz anmelden. Seitdem ist unklar, ob Bremen auf seinen noch bestehenden Forderungen sitzen bleibt.

Wirtschaftlicher Zustand der Akademie sei nicht geprüft worden

Die interne Prüfstelle macht der Sozialbehörde nun Vorwürfe: Demnach seien die wirtschaftlichen Verhältnisse der Akademie nicht geprüft worden. Neben einer teils chaotischen Aktenführung wird außerdem ein zu zögerliches Vorgehen der Behörde kritisiert, als es darum ging, hohe Geldsummen rechtzeitig zurückzufordern.

Laut dem nun vorgelegten Bericht hat es schon Monate vor dem Insolvenzantrag deutliche Hinweise auf Zahlungsschwierigkeiten gegeben, auf die aber in der Behörde offenbar nicht ausreichend reagiert wurde. Unter anderem die CDU wirft dem Bremer Sozialressort deshalb schwere Versäumnisse vor. In der kommenden Woche will die Sozialdeputation über den Bericht und die Folgen des Falls für den Bremer Haushalt diskutieren.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Nachmittag, 8. Juni 2018, 16 Uhr