3.000 Beschäftigte auf dem Marktplatz und geschlossene Kitas

  • Rund 3.000 Menschen bei Verdi-Kundgebung auf dem Bremer Marktplatz
  • Nur in elf Kitas lief der Betrieb normal
  • Bremer Gewerkschaftssprecher zufrieden mit dem Warnstreik
Beschäftigte des öffentlichen Dienstes protestieren auf dem Bremer Marktplatz.
Bremer Beschäftigte des öffentlichen Dienstes protestierten auf dem Marktplatz.

Rund 3.000 Menschen sind zur Kundgebung gekommen, sagte der Bremer Gewerkschaftssprecher Markus Westermann Radio Bremen. Darunter seien auch Verdi-Mitglieder beispielsweise aus Cuxhaven, Verden oder Buxtehude gewesen. Die Polizei sprach von rund 2.500 Teilnehmern.

Leidtragende der Streikaktion im Land Bremen waren vor allem die Eltern von Kita-Kindern: Die meisten städtischen Einrichtungen blieben geschlossen und es gab keine flächendeckende Notbetreuung. Tausende Familien waren davon betroffen. Westermann zeigte sich nach der Kundgebung zufrieden. Die Streikbereitschaft sei höher als bei der letzten Tarifrunde. Er rief die Arbeitgeber zur Einigung auf. "Ich merke mittlerweile schon, die Beschäftigten sind auf unserer Seite, die Mobilisierung ist groß. Wenn es kein Einigung gibt, dann werden wir nächste Woche weiter auf die Straße gehen und die Streiks weiter ausweiten."

Die Gewerkschaft Verdi will vor Beginn der dritten Verhandlungsrunde am Wochenende noch einmal Druck auf die Arbeitgeber ausüben. Sie fordert für die Beschäftigten sechs Prozent mehr Lohn. "Wenn diese Verhandlungen zu keinem vernünftigen Ergebnis führen nächste Woche, dann werden wir mit Eskalationen noch ganz anderen Ausmaßes rechnen müssen", sagte Verdi-Vorsitzender Frank Bsirske am Dienstag.

Kitas in Bremen am stärksten betroffen

Tausende Eltern im Land Bremen brauchten heute eine Notbetreuung für ihre Kinder. Wegen eines Warnstreiks im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes blieben viele städtische Kitas geschlossen. Zwölf der Einrichtungen waren komplett dicht — in 53 gab es einen Notdienst. Nur in elf Kitas lief der Betrieb normal.

Von den allein bei Kita Bremen rund 10.000 gemeldeten Kinder dürfte allerdings höchstens ein Viertel eine Notbetreuung in der Kita finden, schätzt der Landeselternbeirat. Eine Sprecherin kritisierte, der Tarifstreit werde auf dem Rücken der Eltern ausgetragen.

Wir als Gesamtelternbeirat machen uns wirklich Sorgen, wie wir unsere Kinder betreuen lassen sollen. Die Eltern unterstützen die Forderungen der Gewerkschaft, sie können aber gar nichts tun, um die Forderungen zu erfüllen. Deshalb trifft dieser Streik genau die Falschen.

Juliane Scholz, Sprecherin Gesamtelternbeirat Bremen

Die Gewerkschaft Verdi sieht die Schuld dagegen bei den Arbeitgebern: Diese hätten bisher kein Angebot vorgelegt und würden die Gewerkschaft zum Streik zwingen.

Wir sagen, dass es auch uns nicht gefällt, dass wir zu diesen Maßnahmen greifen müssen. Das liegt aber daran, dass die Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt haben, obwohl die Steuerkassen voller sind als in der Vergangenheit. Es wäre also kein Problem, den Beschäftigten mehr zu zahlen.

Markus Westermann, Verdi Bezirksgeschäftsführer

Viele Eltern haben Verständnis für den Streik. Das zeigt eine Umfrage von Radio Bremen an der Kita an der Vorstraße in Bremen-Horn. Am Morgen hatten etwa 30 Eltern ihre Kinder dort zur Notbetreuung gebracht. Eine Mutter sagte, dass sie die Forderungen der Gewerkschaft nachvollziehen könne, weil die Erzieher gute Arbeit leisteten.

Teilweise sind die Erzieher an ihrer Belastungsgrenze. Daher kann ich es verstehen, dass sie streiken.

Mutter eines Kindes, dass in die Kita an der Vorstraße geht

Recyclingstationen dicht und einige Operationen abgesagt

Vom Ausstand sind im Land Bremen neben den Kitas auch Krankenhäuser, Stadtreinigung und Müllabfuhr betroffen. Die Mülltonnen werden zwar wie geplant geleert, allerdings später als sonst. Und: Von 16 Recycling-Stationen blieben heute zehn geschlossen — im Blockland, Borgfeld, Burglesum, Hohentor, Horn und Hulsberg. Außerdem war es für Gewerbebetriebe nicht möglich, auf der Blocklanddeponie Schutt abzuladen.

Auch die Mitarbeiter in den städtischen Krankenhäusern in Bremen haben gestreikt. Bei der Notaufnahme werde es deshalb aber keine Probleme geben, kündigte eine Sprecherin an. In den Kliniken Mitte und Ost laufe der Betrieb demnach normal. In den Kliniken Nord und Links der Weser seien wenige geplante Operationen abgesagt worden. Kinderkliniken seien von den Streiks nicht betroffen.

Auch in Niedersachsen streiken Beschäftigte des öffentlichen Dienstes

Auch in Niedersachsen streikten Beschäftigte des öffentlichen Dienstes. In mehreren Städten im Bundesland rollt daher im Nahverkehr kaum etwas. Auch Kitas bleiben geschlossen. Müllentsorger und Stadtreiniger arbeiten mancherorts nicht.

Mehr zum Thema:

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 12. April 2018, 15 Uhr