Infografik

Bremer Schüler würden für das Klima auf Konsum verzichten

Eine neue Umfrage belegt: Teilnehmer der "Fridays for Future"-Demonstrationen sind bereit, ihre Gewohnheiten zugunsten des Klimas zu ändern.

Demo zum Klimaschutz in Bremerhaven.
Seit eigenen Monaten gehen auch im Land Bremen Schüler jeden Freitag für den Klimaschutz auf die Straße.

Sie sind jung und gut gebildet, haben wenig Vertrauen in Regierung und Unternehmen, dafür aber in sich selbst, wenn es um die Lösung der Klimaprobleme geht. Das ist das Bild der jungen Demonstranten, das eine neue Umfrage zeichnet.

Wissenschaftler der Universität Bremen und des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung in Berlin haben die Teilnehmer der internationalen Klima-Demos am 15. März in Bremen und Berlin befragt. "Was insbesondere bei den Schülern sehr stark ausgeprägt ist, ist das Vertrauen, dass durch den Wandel des eigenen Lebensstils zur Lösung beigetragen werden kann. Dieses Bewusstsein ist deutlich stärker als bei den Erwachsenen", erläutert Sebastian Haunss, Professor am Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen.

Eines der spannendsten Ergebnisse ist, dass der Protest sich an die Regierung richtet, doch gleichzeitig haben die Schüler ein ganz schwaches Vertrauen darin, dass diese zur Lösung der Umweltprobleme beitragen kann.

Sebastian Haunss, Professor, Universität Bremen

Gleichzeitig ist das Vertrauen in die deutsche Regierung, die ja auf die Proteste reagieren soll, eher gering. Trotzdem glauben die Schüler daran, dass politische Entscheidungen den Klimawandel eindämmen könnten. "Das ist ein gewisser Widerspruch. Aber an wen könnten sie sich sonst wenden? Die Politik ist natürlich der Adressat, wenn man etwas in der Gesellschaft ändern möchte", so der Forscher. Die meisten Teilnehmer seien zuversichtlich, dass die Demonstrationen zur Lösung der Klimaprobleme beitragen.

Wenig Vertrauen in die Regierung, mehr in das eigene Verhalten

Wichtig sei für die Schüler auch, das eigene Handeln zu verändern und weniger klimaschädlich zu leben, sagt Haunss. So haben etwa 70 Prozent der Befragten aus ökologischen oder ethischen Gründen weniger konsumiert und ihre Ernährung geändert. Etwa 60 Prozent haben zudem ihren Energieverbrauch reduziert. Das sei für die Demonstranten die einzige realistische Chance, etwas zu ändern, sagt der Forscher. "Dieses Merkmal, in dieser Ausprägung, unterscheidet den jetzigen Protest von anderen, früheren Umweltprotesten."

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Ob dies als Idealismus der jüngeren Generationen oder als langfristiger Lebensansatz gesehen werden kann, darauf lässt die Studie keine Rückschlüsse zu. "Es kann natürlich ein Idealismus sein, der daraus kommt, dass man noch wenig am eigenen Lebensstil ändern musste. Jugendliche haben noch kein Auto oder müssen nicht geschäftlich irgendwohin fliegen. Allerdings zeigen sie durchaus eine starke Tendenz zum reflektierenden Konsumverhalten", sagt Haunss.

Viele gingen zum ersten Mal auf die Straße

Untersucht wurden sozio-demographische Daten wie Alter, Schulbildung und politische Orientierung, Einstellung zur Klimafrage und Erfahrung mit Demonstrationen und Protesten. Aus den Daten ergibt sich, dass die meisten Schüler bislang noch nie oder nur an wenigen Demonstrationen teilgenommen hatten. "Viele sind da zum ersten Mal auf die Straße gegangen", sagt Haunss. Den Demonstranten sei gelungen, weitere Mitschüler zu mobilisieren. Ein Drittel der Teilnehmer gab an, von Freunden und Bekannten von der Demonstration erfahren zu haben, weitere 30 Prozent hätten in den sozialen Medien darüber gelesen.

"Die öffentliche Auseinandersetzung spielt dabei auch eine relevante Rolle. Wie die Kontroverse um das Schulschwänzen der vergangenen Wochen", sagt Haunss. Dass klassische Organisationen wie Parteien und Umweltvereine eher eine kleinere Rolle dabei gespielt haben, war für den Forscher auch bei der Demo sichtbar. "Es war auffällig, wie viele selbstgemalte Schilder und wie wenige Banner von politischen Organisationen es dort gab", sagt er. "Das zeigt, dass das wirklich eine Mobilisierung der Schüler und Schülerinnen ist und sie nicht den Parteien oder großen Umweltorganisationen hinterher laufen."

Tausende Schüler demonstrieren in Bremen für den Klimaschutz

Die Demo "friday for future".

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  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 27. März 2019, 23:30 Uhr