Fragen & Antworten

Geldnöte und besorgte Herrchen: So erleben Tierheime die Corona-Krise

Interessenten zögern, Spenden fehlen, Menschen wollen Tiere aus Angst vor Ansteckung abgeben – Tierheime in Bremen und Umgebung bekommen die Pandemie deutlich zu spüren.

Ein Hund steht auf den Hinterbeinen am Gitter eines Käfigs.
Tierheime stehen in der Corona-Krise vor besonderen Herausforderungen, die Nachfrage nach Vierbeinern ist gesunken. (Archivbild) Bild: DPA | Thomas Frey
Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Nachfrage bei Tierheimen aus?
Die Nachfrage ist bei vielen Tierheimen in der Region gesunken. Sie haben aktuell ohnehin nicht normal geöffnet. Besucher können nicht spontan hinfahren und mal gucken. Stattdessen müssen sie anrufen und bekommen dann einen Termin. Viele zögern außerdem, weil sie selber gerade um ihren Job bangen und nicht wissen, ob sie sich in Zukunft noch ein Tier leisten können. Das berichten mehrere Tierheimleiter. Anrufe von Menschen, die jetzt einsam sind und deshalb ein Tier aufnehmen wollen, gab es demnach nur ganz vereinzelt. Meistens ging es eher darum, dass sie viel Zeit haben, sagt Heidi Seekamp vom Tierheim Verden. Auch im Bremer Tierheim gab es solche Anfragen. Aber das waren eher Einzelfälle. Die Mitarbeiter prüfen natürlich genau, ob Interessenten auch später noch in der Lage sind, das Tier zu versorgen.
Fehlt Geld, weil weniger Tiere vermittelt werden?
Ja, das ist tatsächlich ein Problem. Denn nicht nur die Vermittlungsgebühren fehlen, sondern auch Spenden. Das haben viele Tierheime aus der Region bestätigt. Viele Besucher kommen sonst einfach mal zum Gucken vorbei und werfen dann Geld in die Spendenbox. Auch, wenn sie gar kein Tier abholen, berichtet Mareike Bergmann, Leiterin des Tierheims in Brinkum. Das fällt nun weg. Und das ist nicht das einzige Problem: Auch um das Tierheimfest, das eigentlich im September stattfinden soll, macht sich Bergmann Sorgen. Dabei kommt stets viel Geld zusammen. In anderen Tierheimen in der Region sieht es ähnlich aus. In Verden fällt voraussichtlich der Tag der offenen Tür wegen der Corona-Krise aus. Die Heime hoffen deshalb auf Geld- und Futterspenden.
Mussten die Heime schon Tiere von Corona-Patienten aufnehmen?
Die Heime haben sich tatsächlich darauf eingestellt, dass sie mehr Tiere aufnehmen müssen. Dazu ist es aber nach Auskunft mehrerer Leiter bisher nicht gekommen. Ein ganz anderes Phänomen beschäftigt Tierheimleiterin Amelie Bensch aus Bremerhaven: Es gibt Menschen, die Angst haben, dass ihr Haustier sie mit Corona ansteckt, und die deshalb ihren Hund oder ihre Katze abgeben wollten. An der Stelle konnte Bensch jedoch beruhigen: Davor müssen Tierhalter keine Angst haben.

Autoren

  • Sonja Harbers Autorin
  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Läuft, 22. April 2020, 13:15 Uhr