Schließung der Bremerhavener Lloyd Werft vorerst vom Tisch

Verkaufen oder behalten: Doch keine Schließung der Lloyd Werft?

Video vom 30. Juli 2021
Ein Plakat von Mitarbeitern der Lloyd-Werft auf dem sie für ihre Arbeitsplätze kämpfen.
Bild: Radio Bremen
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  • Asiatischer Mutterkonzern arbeitet an Zukunftsstrategie für Lloyd Werft
  • Bremerhavener Traditionswerft soll eigene Kreuzfahrt-Klasse bauen
  • Auch Weiterverkauf der Werft nicht ausgeschlossen

Die zum Jahresende geplante Komplettschließung der Lloyd Werft ist zunächst vom Tisch. Der Mutterkonzern, die asiatische Genting-Gruppe, erarbeitet eine Fortführungsstrategie. Das bestätigte der Finanzchef der MV-Werften, Carsten Haake, buten un binnen. Das Stralsunder Unternehmen gehört ebenfalls zur Genting-Gruppe.

Nach den Plänen soll die durch die Pandemie und den Einbruch in der Kreuzfahrtbranche in die Krise gerutschte Lloyd Werft eine eigene Klasse von Luxus-Kreuzfahrtschiffen und Yachten bauen. Und zwar nach dem Vorbild der "Endeavor", die schon bei MV Werften gebaut wurde. Nach Informationen von buten un binnen soll es im August weitere Gespräche mit dem Bremer Wirtschaftsressort geben, in denen es auch um Bürgschaften für Schiffsneubauten gehen soll.

Experte sieht Ankündigung als Preis-Poker

Die Gewerkschaft IG Metall sieht positive Anzeichen für eine Fortführung. Gerettet seien die rund 300 festen Jobs aber noch nicht, so Bremerhavens IG-Metall-Chefin Doreen Arnold. "Für mich heißt es, die Schließung der Werft dann auch wirklich öffentlich zurückzunehmen", so Arnold. "Das hat nicht stattgefunden, sondern es wurde sich eher darauf fokussiert zu sagen, wie es weitergehen könnte." Man versuche nun wohl tatsächlich an einem Zukunftsszenario zu arbeiten.

Aber auch ein Verkauf der Werft zum Beispiel an die Bremerhavener Rönner-Gruppe steht weiter im Raum. Der Bremer Werftenexperte Jochen Tholen sieht die Ankündigungen von Genting skeptisch. Er glaubt, dass die Gruppe die Lloyd Werft dennoch verkaufen will und den Preis jetzt nach oben treibt. "Das Pokerspiel hat schon im Februar von Genting begonnen, aber auch von Kaufinteressenten", sagt Tholen. "Und die Politik, da will ich ihr gar keinen Vorwurf machen, ist hin- und hergerissen und total hilflos." IG Metall hofft, dass es noch vor der Bundestagswahl eine endgültige Entscheidung gibt, wie es mit der Werft weitergeht.

So sieht ein Bremer Experte die Zukunft der Lloyd Werft

Video vom 30. Juli 2021
Jochen Tholen im Interview
Bild: Radio Bremen
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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Rundschau, 30. Juli 2021, 8 Uhr