Fragen & Antworten

So schädlich sind Feuerwerke wirklich

Es kracht und funkelt an Silvester in Bremen und Bremerhaven. Was schön aussieht, kann aber der Gesundheit und Umwelt schaden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Müll nach Silvester auf einer Straße
Eine Silvesternacht hat viel Müll zur Folge – und auch schlechte Luft. Bild: Imago | Marius Schwarz
Wie gesundheitsschädlich ist das Böllern am Silvesterabend?
Im Schnitt erleiden alleine 8.000 Menschen jährlich Verletzungen des Innenohres durch den Silvesterkrach. Hinzu kommen viele Verbrennungen und Augenverletzungen durch Feuerwerkskörper. Durch die vielen Knaller, Raketen und Co., die in der Neujahrsnacht gezündet werden, erhöht sich aber vor allem die Feinstaubbelastung stark. Bis zu 4.000 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft werden an einem solchen Abend gemessen, teilt der Naturschutzbund Nabu mit. Zum Vergleich: Die Höchstgrenze für Feinstaub liegt in Städten eigentlich bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter. Vor allem für Asthmatiker oder Allergiker sei das problematisch, sagt Annette Siegert vom Nabu Bremen. Nach Angaben des Umweltbundesamtes werden deutschlandweit in der Silvesternacht 5.000 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Das entspricht etwa 17 Prozent der im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge eines ganzen Jahres.
Und was ist mit der Umwelt?
Wenn das Schwarzpulver in der Rakete verbrennt, entstehen Kohlendioxid, Schwefeldioxid sowie Ruß, der als Feinstaub in der Luft bleibt. Eine gute Nachricht gibt es allerdings dabei: Obwohl mit CO2 und Ruß Substanzen entstehen, die das Klima aufheizen könnten, fallen die Klimafolgen des Silvesterspaßes wohl sehr gering aus. „Einen messbaren Effekt auf das Klima hat das sicher nicht“, sagt der Atmosphärenchemiker Frank Drewnick vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. Ruß wirke nämlich vor allem tagsüber klimaschädigend, wenn die dunklen Partikel die Sonnenstrahlen absorbieren und so die Atmosphäre erwärmen. Ausgerechnet das große Feuerwerk zu Silvester dürfte deshalb kaum Einfluss haben. Drewnick: „Bis am 1. Januar die Sonne aufgegangen ist, ist der meiste Ruß schon wieder zu Boden gesunken.“
Wie kommen Tiere mit dem Lärm klar?
Nicht gut. Haustiere wie Hunde und Katzen reagieren oft empfindlich und verkriechen sich. Der Bremer Tierschutzverein empfiehlt, Hunde auch an den Tagen vor Silvester nur angeleint auszuführen, falls schon verfrühte Kracher hochgehen. Am Silvesterabend selbst sollten Tiere bei fest verschlossenen Türen und Fenstern drinnen gehalten werden. Auch Vorhänge und Rollos können helfen.

Schwieriger ist es allerdings bei Wildtieren. Vögel erschrecken sich durch das Knallen oft sehr und fliegen dann höher, als ihnen gut tut. "Sie steigen bis auf 1.000 Meter Höhe. Das ist eine unheimliche Energieverbrennung. Die sind lange in der Luft. Das kann dazu führen, dass einige von ihnen vor Erschöpfung sterben", sagt Malte Siegert vom Nabu Hamburg. Am Neujahrstag habe man auf freien Flächen schon tote Vögel gefunden. Auch Rehe werden durch laute Knalle aufgeschreckt und können dann leicht auf die Straße laufen. Selbst Igel sind in Gefahr: Sie zucken im Schlaf zusammen und verbrauchen dadurch wichtige Energie, die eigentlich zum Überwintern nötig wäre. Und: Wenn die Plastikteile der zerborstenen Geschosse wieder auf der Erde ankommen und herumliegen, verwechseln Tiere sie immer wieder mit Futter.
Spuren von abgebranntem Feuerwerk aus der Silvesternacht
Um die letzten Reste der Silvester-Kracher zu beseitigen, fahren die Räumfahrzeuge schon um 4 Uhr am Neujahrsmorgen los.
Gibt es mehr Müll an Silvester als früher?
Ja, denn mittlerweile kaufen viele Böller und Kombipakete aus etlichen kleineren Teilen, die wiederum häufig einzeln in Plastik verpackt sind. Plastik braucht allerdings extrem lange, bis es sich zersetzt und ist daher sehr schädlich für die Umwelt. Die Böller-Überreste muss jeder selbst beseitigen – ob vor der eigenen Haustür und auch unterwegs. Das Umweltressort erfasst zwar die genauen Müllmengen an Silvester nicht; klar ist aber, dass in der Stadtmitte und am Sielwall mehrere Tonnen zusammenkommen werden. Deshalb rollen am Neujahrsmorgen bereits um 4 Uhr die Reinigungsfahrzeuge an.
Wo und wann darf man Feuerwerkskörper zünden?
Von 18 Uhr am 31. Dezember bis 1 Uhr am 1. Januar darf geböllert werden. Allerdings nicht überall: Tabu für Raketen, Böller und Co. ist in Bremen das Areal in einem Umkreis von 150 Metern rund um Rathaus und Roland. Das bedeutet: Auch am Dom und am Unser Lieben Frauen Kirchhof ist das Zünden von Feuerwerkskörpern verboten. Gleiches gilt für die Gegend am Zoo am Meer in Bremerhaven, für Flächen in unmittelbarer Nähe von Krankenhäusern, Kinder- und Seniorenheimen und Kirchen.

Auch in der Nähe des Flughafens gelten besondere Sicherheitsbestimmungen: Die Entfernung zwischen Flughafengrenze und dem Abbrennplatz muss mindestens 1.500 Meter betragen. Außerdem darf die Flughöhe des Flugkörpers 100 Meter nicht überschreiten.

Böllerei zu Silvester spaltet die Bremer

Eine Frau in der Menge mit einer angezündeten Feuerwerksrakete in der Hand.

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, 28. Dezember 2018, 10:45 Uhr