Infografik

Armutsfalle Rente: Frauen sind im Land Bremen besonders bedroht

Der neue Rentenreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes zeigt: Drei Viertel der Bremerinnen, die seit 2018 in Rente sind, gelten als arm. Bei den Männern sind es 47 Prozent.

Eine Seniorin zählt Euro-Münzen in ihrer Hand (Symbolbild)
Als arm gilt, wer weniger als 1.035 Euro im Monat zur Verfügung hat. Bild: DPA | Kirsty O'Connor/PA Wire

Auf den ersten Blick scheint die aktuelle Rentenstudie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Anlass zur Freude zu geben: Männliche Rentner bekommen in Bremen im Schnitt mehr Geld als in der Vergangenheit – 1.176 Euro gesetzliche Altersrente im Monat. Und doch geht es ihnen finanziell schlechter als vor 20 Jahren. Im Jahr 2000 erhielten sie 1.061 Euro – doch man muss die aktuelle Zahl um die Inflation bereinigen, also dem Kaufkraftverlust der vergangenen zwei Jahrzehnte. Unter diesem Aspekt betrachtet haben Rentner heute real 202 Euro weniger zur Verfügung.

Diese Zahl hat der DGB in seinem am Montag veröffentlichten "DGB-Rentenreport 2020 Bremen" errechnet. Noch viel schlechter stehen demnach die Rentnerinnen da. Dem Report zufolge bekamen sie 2018 im Schnitt nur 694 Euro gesetzliche Rente. Im Vergleich zur Jahrtausendwende waren das zwar nominal 220 Euro mehr. Davon blieb kaufkraftbereinigt aber nur ein Plus von ganzen 78 Euro übrig.

Durchschnittliche gesetzliche Altersrente im Rentenbestand

Durchschnittliche gesetzliche Altersrente im Rentenbestand Männer 1.176 E u r o F r auen 694 E u r o
Quelle: Rentenreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes Bremen 2020 Bild: Radio Bremen

Die Kluft zwischen der durchschnittlichen Rente von Männern und Frauen werde zwar langsam kleiner, sagt Annette Düring, Regionsgeschäftsführerin DGB Bremen. Aber die Frauen-Renten würden trotzdem zu langsam ansteigen.

Bedenklich ist dem Report zufolge auch, dass 2018 Neurentner im Schnitt 110 Euro weniger Geld bekamen als bisherige Rentner – denn sie bekommen 1.066 Euro. Hier spiegeln sich laut DGB geringere Beitragszeiten wider und Abschläge, die in Kauf genommen werden müssen.

Vor allem Frauen von Altersarmut bedroht

Frauen, die 2018 erstmals Rente bezogen, erhielten im Schnitt immerhin 34 Euro mehr als sogenannte Bestandsrentnerinnen. Grund dafür ist unter anderem die gestiegene Frauenerwerbstätigkeit.

Daran, dass vor allem Rentnerinnen von Altersarmut bedroht sind, ändert dies nichts. Denn als arm gelten in Deutschland Menschen, denen pro Monat weniger als 1.035 Euro zur Verfügung stehen. Unterhalb dieser Schwelle ist die gesellschaftliche Teilhabe schwer. Allein die Mietkosten können dann zur Belastung werden.

Drei Viertel der Frauen, die 2018 in Rente gegangen sind, erhalten laut dem Rentenreport eine Altersrente, mit der sie als arm einzustufen sind. Bei den Männern sind es 47 Prozent – vorausgesetzt die Frauen und Männer können nicht auf zusätzliche Einkommensarten oder Vermögen zurückgreifen.

Frauen haben bessere Löhne verdient. Gerade in der Pflege und in der Erziehung müssen wir mehr zahlen, damit Frauen auch mehr Rente bekommen am Ende ihrer Berufstätigkeit.

Die Vorsitzende des DGB Annette Düring, Frau mit brauner Kurzhaarfrisur und Brille
Annette Düring, Regionsgeschäftsführerin DGB Bremen

Die steigende Altersarmut spiegelt sich auch in der ermittelten "Armutsgefährdungsquote" von Rentnern und Pensionärinnen wider. Der Studie zufolge hat sie sich in Bremen seit 2008 von 10,6 Prozent auf 16,6 Prozent im Jahr 2018 erhöht – eine Steigerung von rund 57 Prozent. Bei keiner anderen gesellschaftlichen Gruppe stieg die Wahrscheinlichkeit, im Alter in besondere finanzielle Nöte zu geraten, im vergangenen Jahrzehnt so dramatisch.

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15.800 Bremern reicht die Rente nicht zum Leben

Der Anstieg der Armutsgefährdungsquote auf zeitweilig 18 Prozent fand im Wesentlichen bis 2013 statt. Danach sank die Quote ein paar Jahre lang leicht, kletterte zuletzt aber wieder.

Die Zahl jener, bei denen die Rente schon heute nicht mehr zum Leben reicht, steigt dem Report zufolge Jahr für Jahr. 2018 bezogen mehr als 15.800 Menschen in Bremen Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Das heißt, der Staat stockte ihre Alterseinkünfte auf. Immer mehr Menschen kommen bereits heute mit ihrer Rente nicht mehr über die Runden. Zum Vergleich: Im Jahr 2003 waren es noch rund 5.550 Menschen.

Insgesamt müssen wir das Rentenniveau auf 50 Prozent anheben. Das geht nur, wenn wir höhere Beiträge zahlen und einige Bereiche, die aktuell über die Rentenbeiträge finanziert werden, über die Steuer finanzieren. Ein Beispiel dafür wäre die Mütterrente.

Die Vorsitzende des DGB Annette Düring, Frau mit brauner Kurzhaarfrisur und Brille
Annette Düring, Regionsgeschäftsführerin DGB Bremen

Bremer gehen später in Rente – mehr Geld gibt es nicht

Auf das 2007 vom Bundestag beschlossene Rentenalter von 67 Jahren, das von 2012 bis 2029 stufenweise angehoben werden soll, bewegen sich die Bremer Rentnerinnen und Rentner dem Report zufolge schneller zu als gesetzlich vorgesehen. Statistisch lag ihr Renteneintrittsalter 2018 bei 64,3 Jahren, 2008 hatten sich Bremerinnen und Bremer im Schnitt noch ein Jahr früher in den Ruhestand verabschiedet.

Finanziell hilft das höhere Rentenalter den Betroffenen nicht. Denn das Rentenniveau sinkt parallel. Der Gewerkschaftsbund sieht darin eine Entwertung der Lebensleistung.

Wichtig ist neben dem Anstieg des Rentenniveaus auch, dass wir darüber reden, wie wir arbeiten wollen. Denn immer mehr Menschen sind aufgrund von psychischen Erkrankungen nicht mehr erwerbsfähig. Wir müssen Ausgleichszeiten zwischen Arbeit und Freizeit verbessern.

Die Vorsitzende des DGB Annette Düring, Frau mit brauner Kurzhaarfrisur und Brille
Annette Düring, Regionsgeschäftsführerin DGB Bremen

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Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. Januar 2020, 19:30 Uhr