Bremer Pflegeheim droht Strafverfahren nach Corona-Ausbruch

  • Corona-Ausbruch in Pflegeheim in Osterholz
  • Sozialsenatorin beklagt Hygienemängel und Versäumnisse
  • Pflegeheim wurde unter Quarantäne gestellt
Eine  Pflegekraft bei der Arbeit im Pflegeheim
In einem Bremer Pflegeheim sind mehrere Corona-Fälle registriert worden (Symbolbild). Bild: DPA | Jeffrey Groeneweg

Einer Pflegeeinrichtung für Demenzerkrankte in Bremen-Osterholz droht ein strafrechtliches Verfahren. Wie das Bremer Sozialressort mitteilt, ist es in dem Pflegeheim aufgrund von erheblichen Hygienemängeln und Versäumnissen der Heimleitung zu einem Corona-Ausbruch gekommen. Jetzt prüft die Staatsanwaltschaft, ob die Verfehlungen so gravierend sind, dass ein Verfahren eingeleitet werden muss.

Informationen von buten un binnen zufolge handelt es sich bei der Einrichtung um das letzte Bremer Heim des Düsseldorfer Betreibers "Alloheim". Das Unternehmen war bereits vor zwei Jahren in die Kritik geraten, als sich Angehörige über eklatante Missstände in einer Einrichtung an der Marcusallee beschwert hatten. Dieses Heim hat inzwischen den Besitzer gewechselt.

Alloheim äußerte sich zu den aktuell vorgeworfenen Hygienemängeln nicht. Man habe aber umgehend Vorsorge- und Quarantänemaßnahmen eingeleitet, nachdem eine Bewohnerin positiv getestet worden sei.

Zwölf Bewohner und ein Mitarbeiter mit Corona infiziert

Bislang sind in der Einrichtung in Osterholz zwölf Bewohnerinnen und Bewohner sowie ein Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden, teilte Bremens Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) mit. Das Pflegeheim wurde komplett unter Quarantäne gestellt. Aufgrund der eklatanten Hygienemängel und der demenzerkrankten Bewohner wird laut Stahmann eine "hohe Anzahl an Folgefällen" erwartet.

Zwei Ärzte des Gesundheitsamts haben die Einrichtung laut Sozialressort am Donnerstag begutachtet. Sie hätten "einen extrem schlechten Eindruck von der hygienischen Situation in der Einrichtung, teilweise auch vom Zustand der Bewohner" gehabt, heißt es. Der Wohn- und Betreuungsaufsicht (WBA) zufolge sind Basishygienemaßnahmen wie beispielsweise Handdesinfektion "nicht konsequent umgesetzt" worden.

Infektionskette kann nur schwer nachvollzogen werden

Die Einrichtung habe zudem über das lange Mai-Wochenende mehrere Tage verstreichen lassen, bevor es Betroffene mit Symptomen an die Behörden gemeldet habe. "Damit ist wertvolle Zeit verstrichen, die Ausbreitung frühzeitig einzudämmen", sagte Stahmann.

Auch die Infektionskette kann laut Stahmann nur schwer nachvollzogen werden. Denn zum einen seien die Mitarbeiter entgegen der Empfehlungen in der gesamten Einrichtung eingesetzt worden, anstatt in abgegrenzten Bereichen. Zum anderen hätten die Bewohner sich im ganzen Haus und im Garten aufgehalten.

So belastend ist die Isolation in Pflegeheimen

Video vom 23. April 2020
Ein Altenpfleger mit Mundschutz sitzt mit einem alten Mann im Rollstuhl zusammen.
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. Mai 2020, 19:30 Uhr