Wer sorgt für uns, wenn wir alt sind?

Pfleger zu sein, ist ein Knochenjob und schlecht bezahlt. Entsprechend hoch ist der Fachkräftemangel. Dabei werden die Pflegebedürftigen jedes Jahr mehr. Das Dilemma: Gute Pflege kostet. Aber kaum jemand sorgt vor. Welche Lösung gibt es?

Drei ältere Herrschaften in einem Altenpflegeheim teilweise in ihren Rollstühlen sitzend.

Immer mehr Pflegebedürftige, aber nicht mehr Pfleger

In Bremen waren im Jahr 2015 24.787 Menschen pflegebedürftig. 60 Prozent dieser Menschen werden in Pflegestufe I eingestuft; 40 Prozent sind in ihrer eigenen Alltagskompetenz erheblich eingeschränkt. Und die Zahlen steigen Jahr für Jahr – auch, weil die Menschen immer älter werden: In der Altersgruppe 80-Plus brauchte im Land Bremen jeder Dritte Hilfe im Alltag.

Das Problem: Die Zahl der Pflegekräfte steigt nicht, sondern stagniert. Laut aktueller Pflegestatistik sind im Land Bremen 112 ambulante Pflegedienste angemeldet. 3.099 Menschen sind dort in der Pflege beschäftigt; sie fahren zum Beispiel von Patient zu Patient, um sich um deren Belange zu kümmern. Weitere 102 Pflegeinstitutionen im Land Bremen arbeiten stationär. In diesen Einrichtungen arbeiten 3797 Beschäftigte.

Zudem sind nicht alle der Pflegekräfte in Vollzeit beschäftigt: Rechnet man die Zahl der Pflegekräfte in Vollzeitstellen um, kommen insgesamt nur geschätzte 4.803 Stellen zusammen. Eine Pflegekraft kümmert sich also statistisch um fünf Patienten und mehr.

Und die Fachkräfte fehlen. Die Bremer Wohlfahrtsverbände veröffentlichen zwar Imagekampagnen. Doch der Beruf ist bei jungen Menschen nicht sehr beliebt. Hautkritikpunkt: Die schlechte Bezahlung. "Aus unserer Sicht hat es in den vergangenen Jahren Versäumnisse gegeben: Die bekannten demographischen Entwicklungen wurden nicht rechtzeitig angegangen", sagt Martin Böckmann, Vorstand des Caritasverbandes Bremen.

Hohe Kosten – aber kaum jemand sorgt vor

Schon heute kostet ein Pflegeplatz im Monat durchschnittlich 3.000 bis 5.000 Euro: Das ist teuer, weiß auch der Direktor der Caritas Bremen, Martin Böckmann. Vor allem, weil viele Menschen kein Geld für ihre Pflege zur Seite gelegt haben.

Jeder von uns kann von heute auf morgen realistischerweise in eine Situation kommen, in ein Krankenhaus aufgenommen werden zu müssen. Das Thema Pflege schiebt aber jeder ganz weit von sich weg.

Martin Böckmann, Vorstand Caritasverband Bremen
Mann schaut in Kamera
Martin Böckmann, Direktor Caritas Bremen

Der Gedanke, selbst einmal gebrechlich werden zu können, auf Hilfe angewiesen sein zu müssen, mache vielen Menschen Angst. Oft würden sie erst dann daran denken, wenn es zu spät sei. Die Gesellschaft denke nicht langfristig genug, findet Böckmann.

Es muss in den Köpfen daran gearbeitet werden, dass gute Pflege Geld kostet.

Martin Böckmann, Vorstand Caritasverband Bremen

Sind höhere Beiträge die Lösung?

Böckmann ist sich sicher, dass die Belastung in der Pflegebranche zukünftig für alle Seiten höher werden wird. Um den Pflege-Beschäftigten mehr Gehalt zu zahlen und so automatisch mehr Interesse an dieser Arbeit auszulösen, müssten die Beiträge der Pflegekassen steigen. Künftige Patienten müssten schon heute mehr einzahlen. Ansonsten dürfte sich das Dilemma weiter verschärfen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 7. August 2017, 19:30 Uhr