Bremer Pastor Latzel wegen Volksverhetzung zu 8.100 Euro verurteilt

  • Bremer Amtsgericht verurteilt Latzel zu 90 Tagessätzen à 90 Euro
  • Gericht: Latzel stachelte zum Hass gegen Homosexuelle auf
  • Äußerungen Latzels fielen in einem Eheseminar und waren auf Youtube zu finden
Video vom 25. November 2020
Pastor Latzel mit einem Mund-Nasenschutz.
Bild: Radio Bremen

Das Bremer Amtsgericht hat den Pastor der evangelischen St.-Martini-Gemeinde in der Hansestadt, Olaf Latzel, wegen Volksverhetzung verurteilt. Die Vorsitzende Richterin Ellen Best sagte am Mittwoch, der 53-jährige Theologe habe in einem auf Youtube verbreiteten "Eheseminar" zum Hass gegen Homosexuelle angestachelt. Sie schloss sich der Forderung der Staatsanwaltschaft an und verhängte eine Freiheitsstrafe von vier Monaten, umgewandelt zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 90 Euro. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. (AZ: 96 Ds 225 Js 26577/20)

Die Strafe liegt im untersten Bereich des Möglichen. Der Anwalt des Angeklagten bezeichnete den Schuldspruch als "Katastrophe" und "Einfallstor zur Beschränkung der Meinungsfreiheit". Er kündigte Rechtsmittel an. Mit seinem Urteil blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von 120 Tagessätzen à 90 Euro.

Latzel sprach von "Genderdreck" und "Verbrechern vom CSD"

Der streng-konservative landeskirchliche Pastor hatte sich im Oktober 2019 in einer "biblischen Fahrschule zur Ehe" vor 30 Paaren geäußert. Eine Aufnahme davon wurde im März mit seiner Einwilligung auf seinem Youtube-Kanal mit knapp 25.000 Abonnenten online gestellt. In dem Eheseminar hatte Latzel die Ehe bibel-theologisch ausgelegt und auch über die Gefahren für sie gesprochen. In dem Zusammenhang sagte er, dass der "ganze Genderdreck eine Art Angriff auf Gottes Schöpferordnung" sei. Außerdem: "Überall laufen diese Verbrecher rum vom CSD (Christopher Street Day), feiern Partys und am Rathaus hängt die Regenbogenfahne. Das sind bewusst anti-christliche Dinge, mit denen die Ehe torpediert wird." Latzel hatte bei dem Seminar auch von einer "teuflischen" Homo-Lobby gesprochen.

Die Richterin ließ seine Argumentation nicht gelten, wonach sich die Äußerungen nicht generell auf Homosexuelle bezogen hätten, sondern auf die Homosexualität, die die Bibel als Sünde ablehne. Homosexualität ohne Menschen sei nicht vorstellbar, sagte Best. Die Äußerungen des Angeklagten über die "Verbrecher vom CSD" insinuierten zudem, dass man gegen diese mit einer "Lizenz zum Handeln" vorgehen dürfe.

Latzels Anwalt kündigt Berufung an

Zugleich attestierte Best dem Pastor ein "großes Redetalent". Es bleibe zu wünschen, dass er diese Gabe stärker für eine friedliche Gesellschaft und einen freundlicheren Umgangston nutze. "Wir sollten uns alle dafür einsetzen, dass der Umgang miteinander wieder respektvoller wird.""

Latzels Anwalt Sascha Böttner machte noch im Gerichtssaal klar, dass er Berufung beim Landgericht oder möglicherweise gleich Sprungrevision beim Oberlandesgericht einlegen werde. Möglicherweise werde man aber bis zum Bundesverfassungsgericht kämpfen müssen.

BEK ist "zutiefst betroffen"

Der Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK), Pastor Bernd Kuschnerus, sagte, dass er "zutiefst betroffen" sei, dass "ein Pastor unserer Kirche wegen Volksverhetzung verurteilt worden ist".

Die Äußerungen, die der Verurteilung zugrunde liegen, sind nicht hinnehmbar und schaden dem Ansehen der ganzen Kirche. Der Kirchenausschuss wird jetzt über die nötigen Konsequenzen beraten.

Der Schriftführer der evangelischen Kirche Bremen Bernd Kuschnerus im Studio von buten un binnen.
Pastor Bernd Kuschnerus, Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche

Es bleibt abzuwarten, ob gegen dieses Urteil Rechtsmittel eingelegt werden, sagte Kuschnerus. Der Kirchenausschuss der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) will sich in seiner Sitzung am 10. Dezember mit dem Ausgang des Verfahrens befassen. Anschließend wird über die Fortsetzung des momentan ausgesetzten Disziplinarverfahrens beraten.

                                

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Mittag, 25. November 2020, 12 Uhr