Passage-Kino in Bremerhaven schließt wegen Corona – für immer

"Corona hat uns das Genick gebrochen", sagt Betriebsleiter Torsten Dubiel. Wegen der Pandemie wird es wahrscheinlich nicht einmal eine Abschiedsvorstellung geben.

Über einer Eingangstür steht "Passage Kino".
Die Lichter sind schon aus: Nach 42 Jahren schließt das Passage-Kino. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Der rote Teppich wirkt frisch gestaubsaugt, Filmplakate schmücken die Wände – aber das Foyer bleibt dunkel und die Popcorn-Maschine ist ausgeschaltet. Nur noch die Eistruhe hinter dem Tresen läuft. Damit das Eis darin nicht schmilzt, erklärt Torsten Dubiel, seit 15 Jahren Betriebsleiter des Passagekinos. Nach 42 Jahren macht das Passage-Kino im Bremerhavener Columbus-Center dicht, das letzte Programmkino der Stadt – und das einzige noch verbliebene Kino neben dem Großkino "Cinemotion".

Ein Mann steht neben einem Popcorn-Automaten.
Torsten Dubiel hätte gerne eine Abschiedsvorstellung angeboten. Die aktuellen Corona-Regeln lassen das aber nicht zu. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

"Dieses Jahr hat eben Corona uns das Genick gebrochen", sagt Dubiel. Bis zur Pandemie lief es, die Zahlen hätten besser sein können, aber Luft nach oben gebe es ja immer, und es habe funktioniert – bis zur ersten Corona-Schließung im Frühjahr. "Und auch danach haben sich die Zahlen nicht wieder auf ein vernünftiges Niveau erhöht. Wie eigentlich bundesweit in allen Kinos eben auch. Und dadurch haben wir einen Einbruch auf knapp ein Drittel des bisherigen Umsatzes." Durch die Lage im Columbus-Center seien die Nebenkosten sehr hoch. "Und das rechnet sich dann leider nicht mehr", sagt der Betriebsleiter.

Erst war es ein Mainstream-Kino

Das Passage-Kino wurde 1978 eröffnet, im damals brandneuen Columbus-Center. Zwischendurch war es mal für zwei Jahre geschlossen, weil sich der Eigentümer nicht mit dem vorherigen Mieter einigen konnte. Im November 2005 öffnete das Passage-Kino dann wieder. Als erster Film nach der Neueröffnung lief "Harry Potter und der Feuerkelch“. Es war zunächst ein ganz normales Kino mit Mainstream-Filmen.

Dann aber ging 2007 das Großkino "Cinemotion" nur wenige Hundert Meter weiter an den Start. "Wenn das Kino in einem anderen Stadtteil wäre, wäre es was anderes, aber in unmittelbarer Nachbarschaft haben wir eben unsere Nische mit der Filmkunst, den Arthaus-Filmen, gefunden und haben unser Programm entsprechend ausgebaut", erzählt Dubiel. Seit 2011 sei das Kino jedes Jahr von Nordmedia, der Mediengesellschaft und Filmförderung für Niedersachsen und Bremen, für das Programm ausgezeichnet worden.

"Für Cineasten eine Katastrophe"

Der Stolz darüber ist Torsten Dubiel anzumerken, gerade weil Bremerhaven für ein Programmkino kein ganz typischer Standort sei und das Kino trotzdem sein Publikum gefunden habe. Das bestätigt auch Bernd Glawatty, ebenfalls Filmliebhaber und Leiter des Kommunalen Kinos "KoKi", eines Vereins, der im benachbarten "Cinemotion" Filme zeigt: "Für Bremerhaven ist das aus Cineasten-Sicht eine Katastrophe, weil die Passage und Torsten Dubiel es geschafft haben, alle wichtigen Filme – für mich und für viele Programmkinofreunde wichtigen Filme – nach Bremerhaven zu holen."

Das ist ein Riesenverlust. Und wenn ich eine Idee hätte, wie ich den Verlust schmälern oder ein bisschen begradigen könnte, würde ich das gerne tun.

Bernd Glawatty, Leiter des Vereins "KoKi"

Das Kino ist für Bernd Glawatty ein magischer Ort – und, da ist er sich mit Torsten Dubiel einig, nicht zu ersetzen durch Fernsehen, DVDs oder Streaming-Dienste. Ob es im Passage-Kino eine Abschiedsvorstellung geben wird, ist noch unklar. Eigentlich sollte der Betrieb noch bis zum 23. Dezember weiterlaufen. Aber vielleicht bleibt das Foyer auch einfach dunkel.

Rückblick: Corona und Kino: So steht es um Bremens Filmtheater

Video vom 12. September 2020
Ein Film wird in einem leeren Kinosaal auf der Leinwand gezeigt.
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Catharina Spethmann
  • Sonja Harbers Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus dem Studio Bremerhaven, 29. November 2020, 12:45 Uhr