Fragen & Antworten

Darum haben in Bremen immer mehr Beschäftigte nebenher einen Minijob

Der Anteil an Arbeitnehmern mit Nebenjob ist in Bremen und Bremerhaven in den vergangenen Jahren um 15 Prozent gestiegen. Woran liegt das und was sind Minijobs "wert"?

Eine junge Frau und ein junger Mann stehen hinter einer Theke.
Viele junge Menschen verdienen sich etwas dazu, doch auch sozialversicherungspflichtig Beschäftigte haben immer öfter einen Minijob. Bild: DPA | Frederic Cirou

Zwischen 2014 und 2018 hat es im Land Bremen viel Bewegung bei den Minijobs gegeben: Immer mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigte haben einen Nebenjob. Obwohl insgesamt leicht rückläufig, sind geringfügige Beschäftigungen, die mit maximal 450 Euro entlohnt werden, weiterhin sehr beliebt. Die Arbeitnehmerkammer beantwortet, woher die Schwankungen kommen, wer die Minijobber sind und welche Rechte sie eigentlich haben.

Wie hat sich die Verbreitung von Minijobs im Land Bremen zuletzt entwickelt?
Sie ist zwischen 2014 und 2018 leicht gesunken, stagniert aber auf hohem Niveau – in Bremen von 60.588 auf 59.662. Das ist ein Rückgang von zwei Prozent, in Bremerhaven liegt er bei etwa neun Prozent. Das zeigen Statistiken der Bundesagentur für Arbeit. Einen satten Anstieg gab es zeitgleich bei Minijobs als Nebenjob von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – in Bremen-Stadt um rund 15 Prozent. Beide Städte liegen insgesamt unter dem bundesdeutschen Schnitt: Dort kommen gut vier sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze auf einen Minijob – in Bremen und Bremerhaven sind es jeweils rund fünf.

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Wer sind die Minijobber?
Insgesamt üben häufiger Frauen als Männer eine geringfügige Beschäftigung aus. Ihr Anteil unter den Minijobbern liegt bei rund 58 Prozent in Bremen-Stadt und 59 Prozent in Bremerhaven. Vielfach haben Studenten oder Schüler einen Minijob, also junge Leute, die sich etwas Geld dazuverdienen. Sie gehen in der Regel einer ausschließlich geringfügigen Beschäftigung nach. Die größte Gruppe ist hier allerdings die der über 65-jährigen. Ein Blick auf die Branchen zeigt, dass ein Großteil der geringfügig Beschäftigten im Einzelhandel tätig ist. Hier gibt es in Bremen 6.222 Minijobs und in Bremerhaven 1.392. Übertroffen wird dies nur noch durch die Gastronomie, mit 8.480 beziehungsweise 1.542. Dies ist der einzige Bereich mit mehr Minijobs als sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
Warum steigt die Anzahl der Minijobs im Nebenjob?
Die Zahl der Menschen, die ausschließlich einem Minijob nachgehen, sinkt. Das geht ebenfalls aus den neuesten Zahlen hervor. Es gibt aber immer mehr Menschen, die neben ihrem Hauptjob noch einen Minijob ausüben. Grund ist die Einführung des Mindestlohns – viele Minijobs wurden in Teilzeitjobs umgewandelt. Es hängt auch damit zusammen, dass das Einkommen aus diesen Arbeitsverhältnissen häufig nicht ausreicht, um davon Leben zu können. 
Wie "wertvoll" sind Minijobs für Rente und Krankversicherung?
Für die Rente bringt ein Minijob nicht viel, es wird nur ein geringer Rentenanspruch erworben. Vom Arbeitgeber werden Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt, vom Beitragssatz 18,6 Prozent übernimmt der 15 Prozent – die restlichen 3,6 Prozent kann der Arbeitnehmer zahlen, wenn er möchte. Er kann sich auch freistellen lassen, hat dann aber keinen Anspruch auf mögliche Leistungen, also zum Beispiel Reha-Leistungen aus der Rentenkasse. Es wird ein pauschalierter Krankenversicherungsbeitrag abgeführt, die Beschäftigten sind aber dennoch nicht über den Minijob krankenversichert. Viele sind stattdessen über die Familienversicherung oder ihren Hauptjob – sofern vorhanden - abgesichert.
Bedeutet ein Minijob also auch Minirechte?
Ein Minijob ist ein Job mit einem minimalem Einkommen bis 450 Euro im Monat, da lassen sich keine höheren Ansprüche erwerben. Aber ganz ohne Rechte stehen die Minijobber auch nicht da. So ist der Arbeitgeber zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verpflichtet – sechs Wochen lang, wie auch bei Vollbeschäftigten. Außerdem haben auch Minijobber Urlaubsansprüche. Wer die Woche einen Tag arbeitet hat Anspruch auf vier Tage im Jahr, so die Rechnung der Arbeitnehmerkammer. Allerdings werden dieser Rechte in der Praxis häufig nicht gewährt.

Autor

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier Läuft, Bremen Vier, 26. November 2019, 12:15 Uhr