Braucht es eine Maskenpflicht in Bremens Mehrparteienhäusern?

Die Maskenpflicht ist ab heute verschärft. Doch reichen die neuen Regeln aus? Das Ortsamt Osterholz fordert auch Masken in den Eingängen großer Wohnanlagen.

Video vom 1. Februar 2021
Der Apotheker Christoph Bankert hält zwei Op Masken mit zwei verschiedenen Filtern in der Hand.
Bild: Radio Bremen

Ob beim Einkaufen im Supermarkt, in Bus und Bahn oder an belebten Plätzen: Überall dort, wo zuletzt das Tragen wenigstens eines alltäglichen Mund-Nasen-Schutzes vorgeschrieben gewesen ist, müssen es ab heute medizinische Masken sein. Bremen hat seine Maskenpflicht infolge des Bund-Länder-Treffens vom 19. Januar deutlich verschärft.

An manchen Orten gibt es aber nicht einmal eine allgemeine Maskenpflicht, obwohl die Infektionsgefahr dort hoch zu sein scheint, weil sich Menschen nahe kommen. Zum Beispiel in Hausfluren und Eingängen großer Mehrparteienhäuser.

Doch eine entsprechende Diskussion hat in der Politik bislang allenfalls am Rande stattgefunden – aus einem einfachen Grund, wie Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts, sagt: "Die Unverletzbarkeit der eigenen Wohnung ist ein hohes Gut." Entsprechend hoch wäre auch die Hürde für die Gesetzgebung, um hier einzugreifen. "Das müsste der Eigentümer machen."

Maskenpflicht nur in Fahrstühlen unzureichend?

Die Hochhäuser Tenevers aus der Luft.
In diesen Hochhäusern leben besonders viele Menschen auf engem Raum zusammen: Osterholz-Tenever aus der Luft. Bild: Radio Bremen

Genau aus diesem Grund sieht Ulrich Schlüter, Ortsamtsleiter von Osterholz, die Big Player der Branche besonders in der Pflicht, insbesondere die städtische Gewoba. Allein in Osterholz halte das Unternehmen rund 5.000 Wohnungen. Etliche davon gehörten zu den großen Anlagen im Ortsteil Tenever, wo die Infektionszahlen zuletzt höher waren als in anderen Bremer Wohngebieten.

Eine Maskenpflicht wie derzeit lediglich in den Fahrstühlen dieser riesigen Gebäude sei unzureichend, findet Schlüter: "Überall in den Eingangsbereichen der Hochhäuser tummeln sich die Kinder. Wo sollen die auch sonst hin in diesen Tagen?", beschreibt er das Bild, das sich ihm vor Ort bietet. Wo aber viele Menschen auf engem Raum zusammenkämen, sei auch das Infektionsrisiko hoch.

Schlüter fordert daher, dass die Gewoba von ihrem Hausrecht Gebrauch macht, und eine Maskenpflicht in den entsprechenden Eingangsbereichen sowie Treppenhäusern nicht nur einführt, sondern auch konsequent durchsetzt, notfalls mithilfe der Conciergen oder Hausmeister. "Das wünsche ich mir wenigstens für Hochhäuser, in denen mehr als hundert Menschen leben", so der Ortsamtsleiter. Immerhin hätten Vermieter eine Fürsorgepflicht für ihre Mieter.

"Nicht Sache der Vermieter, sondern der Polizei"

Doch die Gewoba beurteilt die Situation anders, wie Sprecherin Christine Dose mitteilt. Zwar würden die allgemeinen Corona-Regeln auch bei der Gewoba gelten. Es sei jedoch nicht Sache der Vermieter, sondern des Ordnungsdienstes und der Polizei dafür zu sorgen, dass diese Regeln eingehalten werden. Davon abgesehen gebe es kaum Beschwerden: "Wir haben nicht die Rückmeldung von den Mietern oder den Conciergen, dass sich die Menschen zu großen Teilen nicht an die Abstandsregeln halten", so Dose.

Auch der Bremer Mieterbund teilte auf Anfrage von buten un binnen mit, dass ihm keine Beschwerden über ein erhöhtes Infektionsrisiko in Treppenhäusern vorlägen. Trotzdem sei es sicherlich sinnvoll, wenn ein Vermieter oder die Hausverwaltung die Mieter eines Hauses auf das Tragen einer Maske in Treppenhäusern hinweise.

Epidemiologe hält Maskenpflicht für sinnvoll

Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb ist sich zwar nicht sicher, ob eine pauschale Maskenpflicht in den Eingängen und Treppenhäuser großer Wohnanlagen nötig wäre. Klar sei aber, dass das Infektionsrisiko dort viel höher sei als anderswo und das Tragen einer Maske an solchen Orten daher sinnvoll wäre. "Diese Botschaft muss nachdrücklich an die Bewohner herangetragen werden. So, dass es sich richtig in den Köpfen festsetzt", findet der Wissenschaftler. Dass Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter in Osterholz eine Diskussion über die Maskenpflicht in Hochhäusern angestoßen hat, sei gut: "Hoffentlich erreicht diese Diskussion ganz viele Menschen", sagt Zeeb.

So will der Senat die Corona-Beschlüsse umsetzen

Video vom 21. Januar 2021
Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard im Interview.
Bild: Radio Bremen

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  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 1. Februar 2021, 23:30 Uhr