Infografik

Diese Verbrechen haben in Bremen zugenommen

In Bremen wurden im vergangenen Jahr erneut weniger Straftaten verübt. Doch die Zahl unbearbeiteter Akten ist stark angestiegen.

Bremens Landesinnensenator Ulrich Mäurer

Bereits vor zwei Jahren war die Zahl der gesamten Straftaten in der Stadt Bremen spürbar zurückgegangen – von etwa 78.400 auf etwa 68.300. Im Jahr 2018 setzt sich der Rückgang fort, und zwar auf 62.101 Straftaten. Das geht aus der jährlichen Kriminalstatistik hervor, die vom Innensenator vorgestellt wurde. Doch das Innenressort freut sich nicht – oder nicht so, wie man es bei solchen Zahlen erwarten könnte. Der Grund: Viele Anzeigen, die im Jahr 2018 gestellt wurden, können erst in diesem Jahr bearbeitet werden. Und wenn die Fälle noch nicht an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden, können sie noch nicht in der Statistik aufgenommen werden.

Es gibt einen Rückgang, aber wir dürfen uns nicht zu laut darüber freuen.

Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Innensenators

Weil die Beamten fehlten, um alle Fälle zu bearbeiten und sie an die Staatsanwaltschaft weiterzuleiten, zeigt die aktuelle Statistik etwas weniger Straftaten, als die tatsächlich verübten. Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Innensenators, geht davon aus, dass etwa 4.500 Fälle erst in der Statistik 2019 erfasst werden können – zusätzlich zu rund 10.000 Fällen, die üblicherweise jedes Jahr nicht bearbeitet werden können. "Es handelt sich vor allem um Massendelikte", fügt Schiffler hinzu. Der Grund seien Personalengpässe bei der Kriminalpolizei, sowie die Sonderkommission für den BAMF-Skandal, die viele Polizeibeamte gebunden hätte. "Hinzu kommen die Clankriminalität und die Serien-Steineleger", so die Sprecherin.

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Fahrraddiebstähle nehmen zu

Auffällig in der Statistik sind die versuchten Tötungsdelikte, deren Zahl um mehr als das Doppelte gestiegen ist: von 24 im Jahr 2017 auf 51 in 2018. Ein Grund dafür sei die inzwischen aufgeklärte Serie von zwei jungen Steinelegern, die allein für 17 Straftaten verantwortlich seien, erläutert Polizeipräsident Lutz Müller.

Auch die Fahrraddiebstähle haben 2018 zugenommen, und zwar von 4.900 im Jahr 2017 auf etwa 6.000. Das dürfte laut Müller auch mit dem lang anhaltend guten Wetter im Sommer 2018 zusammenhängen. Das habe dazu geführt, dass viele Bremer häufiger mit dem Fahrrad unterwegs gewesen seien.

Weniger Straßenraub und Wohnungseinbrüche

Grundsätzlich konstant blieben die Zahl der Tötungen (sechs Taten im Jahr 2018, fünf im Jahr 2017) und die der Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen (127 Fälle in 2018, 128 in 2017). In den vergangenen Jahren war die Gesamtzahl der angezeigten Sexualdelikte gestiegen. Das lag laut den Behörden an der #Metoo-Debatte und den verschärften Gesetzten im Bereich der Sexualstraftaten. Auch im Jahr 2018 habe sich dieser Trend fortgesetzt.

Dagegen sinken die Zahlen der Körperverletzungen und Wohnungseinbrüche. Gab es 2017 noch etwa 2.250 bearbeitete Anzeigen wegen Wohnungseinbrüchen, waren es 2018 nur noch etwa 1.600. Auch bei den Diebstahldelikten setzt sich der Sinkflug fort: Deren Zahl hatte sich schon 2017 im Vergleich zu 2016 um circa 6.600 Fälle verringert. 2018 ist die Zahl um weitere 4.300 Straftaten auf etwa 27.268 gesunken. Dabei haben die Verbrechen gegen Geschäfte zugenommen, der Straßenraub hat abgenommen.

Immer weniger junge Tatverdächtige

Leicht zurückgegangen sind auch die Zahlen der Betrugsdelikte gegen ältere Menschen (um 58 auf 341). "Das ist erfreulich", sagte Innensenator Ulrich Mäurer. "Erfreulich ist auch, dass die Täter in 1.139 Fällen dank umfangreicher Präventionsarbeit an misstrauisch gewordenen älteren Bremerinnen und Bremern scheiterten." Trotzdem bleibe Bremen ein Hotspot für Betrüger.

Auch die Gewalt gegen Polizeibeamte, die im vergangenen Jahr häufig öffentlich thematisiert wurde, ist leicht rückläufig (etwa 42 Straftaten weniger als im Vorjahr, 354 Straftaten insgesamt). Allerdings blieben die Zahlen hoch, teilte das Innenressort mit. Ähnliche Schwankungen habe es bereits in den vergangenen Jahren gegeben.

Zudem sind weniger Jugendliche unter 21 Jahren als Tatverdächtige aufgeführt worden: Waren es 2009 noch 5.485 gewesen, sank ihre Zahl 2018 auf 3.848. Gestiegen ist hingegen eine andere Zahl: die der gelösten Fälle. Wurden in der Stadt Bremen 2017 noch 47,3 Prozent aller Fälle geklärt, waren es im Folgejahr schon 49,3 Prozent.

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  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 05. März 2019, 19:30 Uhr