Fragen & Antworten

So eindrucksvoll heilt das Bremerhavener Hightech-Gerät bei Krebs

Das Klinikum Reinkenheide verspricht Krebspatienten mit dem neuen Linearbeschleuniger eine effektivere Behandlung. Sogar einige Operationen sollen damit überflüssig werden.

Drei Männer in weißen Kitteln stehen neben einem weißen Gerät mit Liege.
Oberarzt Mohammed Reda Al Omar (von links), Chefarzt Halim Aydin und Medizinphysiker Dr. Cengiz Demirel setzen den neuen Linearbeschleuniger im Klinikum Reinkenheide ein. Bild: KBR | Schimanke

Für 1,5 Millionen Euro hat das Bremerhavener Klinikum Reinkenheide einen neuen Linearbeschleuniger angeschafft. Mit der neuen Hightech wollen die zuständigen Ärzte mehr Krebspatienten heilen.

Was ist ein Linearbeschleuniger?
Der Linearbeschleuniger erzeugt Elektronen, also winzige, elektrisch geladene Teilchen. Mithilfe von Magneten werden die Elektronen fast bis auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Sie treten als Strahl aus dem Gerät, durchdringen das Gewebe und zerstören die erkranken Zellen. Um tiefere Bereiche im Körper zu erreichen, können die Elektronen auch vorher auf eine Platte gelenkt werden. Durch diesen Aufprall entstehen sogenannte Photonen, die noch tiefer in den Körper dringen können. Ärzte und Medizinphysiker berechnen vorher genau, welche Form der Strahl haben muss, damit nur betroffene Bereiche bestrahlt werden.
Das Klinikum Reinkenheide betreibt bereits seit zwei Jahren den Linearbeschleuniger "Elekta-Versa“. Das neue Gerät mit dem Namen "Elekta-Infinity" ist laut Klinik noch präziser und schonender.
Was ist das Besondere an dem neuen Gerät?
Das neue Gerät hat ein integriertes Oberflächenabtastsystem, das die Körperoberfläche mit Licht präzise erkennt. Es erfasst jede kleine Atembewegung des Patienten und kann so Metastasen genauer treffen. "Das ist vor allem bei atembeweglichen Tumoren von Vorteil, zum Beispiel zur Bestrahlung der Brustdrüse oder von Lungentumoren", erklärt Chefarzt Halim Aydin. Und auch streuende Tumore wie etwa im Gehirn oder in den Knochen könne das Gerät zielgerichteter behandeln.

Gegenüber bisherigen Geräten ist der neue Linearbeschleuniger eine deutliche Verbesserung. Wir sind jetzt in der Lage, noch genauer und schonender zu behandeln mit weniger Nebenwirkungen bei verbesserter Effektivität der Bestrahlung.

Halim Aydin, Chefarzt am Klinikum Reinkenheide
Was bringt das neue Gerät den Patienten?
Mit dem neuen Gerät können nun nicht nur auch stark bewegliche Tumorherde behandelt werden. Für die Patienten verkürzt sich mit dem neuen Linearbeschleuniger laut Klinikum die Bestrahlungsdauer. Eine Behandlung dauert nur fünf bis zehn Minuten. Zudem ist die Anlage laut Klinik strahlungsärmer, so wird auch weniger umliegendes gesundes Gewebe getroffen. Zusätzlich müssen die betroffenen Stellen bei den meisten Patienten vorher nicht mehr auf der Haut markiert werden. Durch die präzisere und schonendere Behandlung sind nach Angaben der Klinik auch weniger Nebenwirkungen zu erwarten. Somit werde beispielsweise Patienten, deren Bauch bestrahlt wird, seltener übel und es komme bei der Bestrahlung der Lunge seltener zu einer Entzündung. Laut Chefarzt Aydin kann sich dank des neuen Gerätes sogar die eine oder andere Operation erübrigen.
Ist das Gerät im Land Bremen einzigartig?
Das Gerät sei ein großer Fortschritt für Bremerhaven, aber nicht einzigartig im Land Bremen, sagt Bernd Hertenstein vom Vorstand der Bremer Krebsgesellschaft. Er ist Leiter des Onkologischen Zentrums am Klinikum Bremen-Mitte. Dort gibt es bereits drei solcher Linearbeschleuniger. Auch im Zentrum für Strahlentherapie am Diako stehen zwei moderne Linearbeschleuniger. Das Land Bremen sei bei der Bekämpfung von Krebs gut aufgestellt, sagt er. Im Vergleich mit anderen Städten sehe er Bremen unter den Top 10.
Wie viele Menschen sind im Land Bremen an Krebs erkrankt?
Das Klinikum Reinkenheide behandelt pro Jahr etwa 1.000 neue Krebspatienten. Insgesamt haben nach Auskunft des Bremer Krebsregisters in den vergangenen zehn Jahren knapp drei Prozent der Bremer und Bremerhavener eine Krebsdiagnose erhalten.

Rückblick: Mit Blut den Krebs besiegen

Video vom 11. September 2020
Auf einem Finger ist ein kleiner Fleck Blut. Dahinter ein Gesicht.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Sonja Harbers

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 17. September 2020, 23:30 Uhr