Interview

Uni-Professor: "14 Krankenhäuser in Bremen müssen nicht sein"

Die Bertelsmann-Stiftung schlägt vor, die Zahl der Kliniken bundesweit zu reduzieren. Der Vorstoß erntet auch in Bremen viel Kritik. Doch ein Bremer Professor hält ihn für wichtig.

Blick in ein Patientenzimmer im Neubau des Klinikums Bremen-Mitte vor der Eröffnung.
Sind 14 Krankenhäuser für Bremen zu viel? Oder doch notwendig? Darüber wird momentan kontrovers debattiert. (Symbolbild)

Die Konzentration auf große Kliniken könnte laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung die medizinische Versorgung verbessern. Die Autoren empfehlen, mehr als die Hälfte der zur Zeit 1.400 Kliniken bundesweit zu schließen, und dafür an den verbleibenden 600 Krankenhäusern Qualität auf hohem Niveau zu gewährleisten. Politiker, Klinikverbände, Ärzte und die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierten den Vorschlag als "Kahlschlag" zulasten der Patienten.

Anderer Meinung ist allerdings ein Professor der Universität Bremen. Im Interview mit buten un binnen erklärt er, warum eine Schließung kleiner Krankenhäuser Vorteile haben könnte.

Herr Rothgang, was halten Sie vom Vorschlag der Bertelsmann-Stiftung, die Zahl der Krankenhäuser zu reduzieren?
Grundsätzlich halte ich es für einen vollkommen richtigen Vorstoß. Es ist ein Vorschlag, der auch von anderen Akteuren häufiger gemacht wird und doch regelmäßig scheitert. Für den Vorschlag spricht vor allem das Qualitätsargument: Wir wissen, dass zum Beispiel bei Operationen die Behandlung besser läuft, wenn sie regelmäßig durchgeführt werden. Wenn wir die Krankenhausversorgung hier zentralisieren, erhalten wir deutlich bessere Ergebnisse: weniger Komplikationen und weniger Todesfälle.
Spricht auch etwas dagegen?
Das Prinzip der Wohnort-Nähe. Da muss man abwägen. Man sollte sich letztlich fragen: Ist es sinnvoller, dass man in die Klinik ein Stückchen weiter fahren muss, dafür aber qualitativ besser versorgt wird? Da würde ich als Gesundheitswissenschaftler dafür plädieren, dass man die Qualität höher gewichtet.   
Trifft das auch auf Bremen zu?
Wenn ich mir das Land Bremen anschaue, mit 14 Krankenhäusern: Das muss nicht sein. Selbst wenn man welche schließen würde, wäre eine wohnortnahe Versorgung hier machbar.
Nach welchen  Prinzipien sollte man bei der Auswahl der zu schließenden Krankenhäuser vorgehen?
Streichkandidaten sind vor allem die Kleinhäuser. Und zwar diejenigen, die eine Vielzahl von Abteilungen unterhalten, gleichzeitig aber nicht die Fallzahlen haben, die man braucht, um qualitativ hochwertige Medizin anzubieten. Es wäre auch möglich, dass sich solche kleinen Krankenhäuser zu Netzwerken zusammenschließen. Dann hätte jede Klinik einen Schwerpunkt. Dank der Digitalisierung und der Telemedizin könnten sie dann zu einem großen, virtuellen Krankenhaus werden. Das würde insbesondere auf dem Land ein Kliniksterben verhindern. 
Würde das auch dabei helfen, dass die Krankenhäuser häufiger schwarze Zahlen schreiben?
Es wäre möglich, dass man effizienter arbeitet. Das bedeutet aber nicht, dass Krankenhäuser automatisch schwarze Zahlen schreiben. Das hängt auch von anderen Faktoren ab. Wenn die Politik nicht auskömmlich finanziert, dann wird man trotzdem in roten Zahlen bleiben.

Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 15. Juli 2019, 11 Uhr