Mehr Fisch, kaum Fleisch: Was Bremens Kita-Kinder künftig essen sollen

Zucker und Bio-Fleisch beschäftigen heute die Bürgerschaft. Die kommunalen Kitas in Bremen gehen mit gutem Beispiel voran: Aus ihren Küchen verschwinden einige Lebensmittel fast ganz.

Kindergartenkinder vor einem Buffet

Noch steht auch Kakao auf dem Speiseplan der meisten Bremer Kitas. Doch das könnte sich bald ändern. "Das Kakao-Pulver besteht zum Großteil aus Zucker. Und der ist, wenn er in großen Mengen verzehrt wird, ungesund", sagt Wiebke von Atens-Kahlenberg. Die Ernährungsberaterin des Leibniz-Instituts (BIPS) überarbeitet gerade gemeinsam mit Kollegen, Köchen und Pädagogen das Verpflegungskonzept "Essen & Trinken als Qualitätsmerkmale" der kommunalen Kitas in Bremen.

68 von 78 Kindertagesstätten, die zu dem städtischen Anbieter "Kita Bremen" gehören, verfügen über eigene Küchen und bereiten das Essen der Kinder selbst zu, etwa zwei Millionen Mittagessen jedes Jahr. Die eigenen Küchen der Kitas seien ein großer Vorteil, um einen hohen Verpflegungsstandard sicherzustellen, findet von Atens-Kahlenberg.

"Optimierte Mischkost" für die Kinder

Ihr Institut und die "Kita Bremen" orientieren sich bei ihrem Ernährungskonzept an den sogenannten "Regeln der optimierten Mischkost", wie sie das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund entwickelt hat. In der Praxis heißt das: Die Kinder bekommen viel zu trinken. Außerdem servieren ihnen die Kitas viele pflanzliche und weniger tierische Lebensmittel. Fett und Zucker setzen sie "sparsam" ein.

Dazu heißt es in dem Konzept: "Getreide, Getreideprodukte (zum Beispiel Haferflocken, Brot, Nudeln, Reis), Kartoffeln, Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst sowie reichlich kalorienfreie Getränke stehen im Mittelpunkt der täglichen Ernährung. Ergänzt werden diese pflanzlichen Lebensmittel durch fettarme Milch und fettarme Milchprodukte, Fisch, fettarmes Fleisch, fettarme Fleischerzeugnisse (Wurst) und Eier."

Blondierte, Frau mittleren Alters mit rahmenloser Brille lächelt vor Aktenordnern in die Kamera
Wirkt für das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS am Ernährungskonzept der Bremer Kitas mit: Wiebke von Atens-Kahlenberg.

Wie sich diese Prioritäten konkret umsetzen lassen, erschließt sich aus der "Bremer Speiseplan-Checkliste" des Verpflegungskonzepts. Danach bekommen die Kinder innerhalb einer fünftägigen Kindertagesstätte-Woche: ein Fleischgericht, einen Eintopf oder Auflauf, ein vegetarisches Gericht, ein Seefischgericht sowie ein "Wunschessen".

Stadtbürgerschaft will mehr Bio-Fleisch

Ernährungsberaterin von Atens-Kahlenberg hat bei der Überarbeitung des Verpflegungskonzepts unter anderem das Fleisch im Blick. Aktuellen Ernährungsempfehlungen entsprechend soll die angebotene Menge pro Kind reduziert werden. "Wir möchten die Köche noch mehr dafür sensibilisieren, wirklich nur einmal in der Woche Fleisch anzubieten, entweder als Fleischgericht oder im Eintopf oder im Wunschgericht", sagt sie und fügt hinzu: "Optimal wäre wenig, dafür aber gutes Fleisch". In diesem Zusammenhang verweist von Atens-Kahlenberg auch auf eine Initiative der Stadtgemeinde Bremen, auf den "Aktionsplan 2025 – Gesundes Essen in der Gemeinschaftsverpflegung".

Mit dieser Aktion, über die jetzt auch die Bremische Stadtbürgerschaft diskutieren wird, verfolgt Bremen das Ziel, sukzessive für mehr Bio-Fleisch in den öffentlichen Küchen zu sorgen, in den Mensen der Hochschulen ebenso wie in den Schulen und in den Kitas. Eben dort ist Bremen schon ziemlich weit: "Bei den Milchprodukten sind unsere Kitas schon jetzt bei fast 100 Prozent", stellt von Atens-Kahlenberg gar für die Kindertagesstätten der "Kita Bremen" fest. Ob und wie dieser Wert auch beim Fleisch zu erreichen sei, müsse sich zeigen.

Kinder mögen Fisch

Einmal wöchentlich sieht die "Bremer Checkliste" zudem Fisch für die Kinder der "Kita Bremen" vor. Und das solle auch so bleiben, sagt von Atens-Kahlenberg. Denn Fisch sei nicht nur ein wichtiger Lieferant von Jod und gesunden Fettsäuren, sondern bei den meisten Kindern außerdem sehr beliebt. "Wir hören immer wieder aus den Kitas, dass sich die Jungen und Mädchen größere Fisch-Portionen wünschen", berichtet von Atens-Kahlenberg. Sie ist überzeugt davon, dass eine bewusste Ernährung in den Kitas die Kinder möglicherweise für ihr Leben prägen kann:

Wenn ein Kind frühzeitig lernt, dass Gemüse oder Salat zu jedem Mittagessen dazugehören, dann kann es das verinnerlichen.

Wiebke von Atens-Kahlenberg, Ernährungsberaterin am BIPS

Wichtig findet von Atens-Kahlenberg auch, dass die Kitas Kindern nicht zu viel Süßes servieren. Denn die Weltgesundheitsorganisation WHO empfehle, nicht mehr als zehn Prozent der Gesamtenergiezufuhr als freie Zucker zu verzehren. Damit sind zum einen zugesetzte Zucker, aber auch der Zucker in Honig, Sirup oder Fruchtsäften gemeint. Für ein Kita-Kind liegt die Zucker-Obergrenze der WHO-Rechnung zufolge bereits bei etwa 25 Gramm pro Tag. Die Hälfte davon könne bereits mit einem Glas Kakao erreicht sein, sagt von Atens-Kahlenberg: "Deshalb diskutieren wir, Kakao und Saftschorlen in den Kitas von "Kita Bremen" gar nicht mehr anzubieten."

"Übergewicht und Fettleibigkeit auf hohem Niveau"

Gut möglich, dass ein entsprechender Vorstoß der kommunalen Kitas auch in der heimischen Politik großen Anklang fände. Denn auch das Thema "Zucker" steht heute auf der Tagesordnung der Bremischen Stadtbürgerschaft. SPD, Grüne und Linke wollen, dass sich der Bremer Senat im Bund für eine Herstellerabgabe auf gesüßte Getränke und übermäßig mit Zucker versetzte Lebensmittel stark macht.

Dazu heißt es in dem Bürgerschaftsantrag der drei Parteien: "Bei Kindern und Jugendlichen stagnieren Übergewicht und Fettleibigkeit auf hohem Niveau. Seit 2005 bewegt sich der Anteil übergewichtiger (...) Schulanfänger bei den Schuleingangsuntersuchungen des Gesundheitsamts Bremen (...) zwischen 10 (...) und 12 Prozent, in Bremerhaven lag er zuletzt bei 13,8 Prozent."

Ein Grund mehr, um schon in den Kitas auf eine ausgewogene und gesundheitsförderliche Verpflegung zu achten, findet von Atens-Kahlenberg.

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Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 29. Januar 2019, 8:20 Uhr