Coronavirus: 9 Tipps, wie Sie Kinder zu Hause auf Trab halten

Kitas und Schulen sind dicht, das Kind ist zu Hause. Für Eltern ist das eine Herausforderung. Diese lässt sich nicht nur mit Fernseher, Tablet und PC meistern.

Eine alleinerziehende Mutter sitzt am Computer, im Vordergrund ein Kind, welches mit einer Kamera spielt.
Heimarbeit und Heimbetreuung der Kinder sind für viele Eltern derzeit eine Herausforderung. Bild: Imago | Westend61

Bis mindestens Ostern bleiben Kitas und Schulen in Bremen und Bremerhaven wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Für Eltern, die ihre Kleinen jetzt ganztätig daheim betreuen müssen, kann das zur Belastungsprobe werden. Bremer Experten verraten, wie die gemeinsame Zeit für alle ein Gewinn ist.

1 Struktur: Klarer Tagesablauf

Strukturen und Tagesrhythmen sind für Kinder wichtig. Eltern können dazu beitragen, dass diese auch ohne Krippe, Kita und Schule greifen. "Eltern sollten beispielsweise eine Zeit vereinbaren, zu der Schulaufgaben gemeinsam erledigt werden, sofern Kinder diese bekommen haben", sagt Sylvia Schikker vom SOS Kinderdorf Bremen. Doch auch zu klaren Schlafenszeiten und festgelegten Zeiten für das gemeinsame Essen, Spielen oder Basteln raten Experten – ebenso wie zu fest definierte Momenten, in denen auch mal der Fernseher eingeschaltet oder das Smartphone herausgeholt werden darf.

Eine besondere Situation gibt es allerdings bei Einzelkindern. "Da muss man besonders gucken, wie kriegt man Spielgefährten", sagt Hans Brügelmann, Vorstand im Grundschulverband Bremen. Denkbar sei es, dass sich zwei Familien austauschen, rät der Pädagoge. "Zwei Stunden bei euch, zwei Stunden bei uns. Das geht, so lange es im Rahmen bleibt."

Über den Tagesablauf sollte allerdings gemeinsam im Familienrat entschieden werden, sagt Brügelmann. So fühlten sich am ehesten alle – auch die Kinder – an die Verabredungen gebunden.

2 Natur: Frischluft und Forschergeist

Eine Frau und ein Kind sitzen im Laub vor Bäumen in der Hocke und betrachten ein Blatt
Blätter sammeln im Wald – und zu Hause nachschlagen, was es ist. Das können Kinder und Eltern tun. (Symbolbild) Bild: DPA | Hans Wiedl

Den ganzen Tag in den eigenen vier Wänden auszuharren, fällt den meisten Kindern schwer. Frische Luft und Bewegung sind daher weiterhin wichtig, solange der Gang vor die Haustür erlaubt ist. Der eigene Garten, der Bürgerpark oder das Blockland bieten viele Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder – solange sie und ihre Eltern den Abstand zu Mitmenschen wegen der Corona-Ansteckungsgefahr wahren.

Eltern können diese Momente sogar nutzen, um die Forscherin oder den Naturkundler in ihrem Nachwuchs zu wecken. "Man kann zum Beispiel Steine oder Blätter sammeln und fotografieren und dann zu Hause in Büchern oder im Internet herausfinden, welche es sind", sagt Brügelmann.

3 Kontakte: Telefon, E-Mails und Briefe

In Zeiten des Coronavirus wird immer wieder betont, dass vor allem ältere Menschen besonders gefährdet sind – und daher besonders geschützt werden müssen. Für viele Kinder bedeutet dies, dass sie ihre Großeltern nicht besuchen können.

Das heißt keinesfalls, dass Enkel keinen Kontakt mehr zu Oma oder Opa haben dürfen. Vielmehr bietet die Situation Eltern eine Chance, ihre Kinder sinnvoll zu beschäftigen. "Die neuen Medien bieten hier viele Möglichkeiten, uns beim Telefonieren auch zu sehen – sei es via WhatsApp, Facetime, Skype oder anderen Programmen. Eltern können ihren Kindern damit helfen, soziale Kontakte digital aufrechtzuerhalten", sagt Sylvia Schikker vom SOS Kinderdorf Bremen.

Und der Bremer Pädagoge Hans Brügelmann sieht darin sogar eine Lernmöglichkeit. So könnten Eltern den Kindern die Situation schildern, indem sie ihnen deutlich machten, dass Oma und Opa traurig seien, weil sie ihre Enkel nicht besuchen könnten. "Schreibt denen doch eine Geschichte oder einen Brief oder malt ihnen ein Bild, könnten Eltern dann ihren Kindern sagen", rät Brügelmann. "So machen wir nicht Schule mit Aufsatz schreiben, sondern wir machen Opa und Oma eine Freude."

4 Lernen: Lesen und lesen lassen

Kinder lieben es, wenn ihnen Erwachsene etwas Vorlesen. Und die meisten hassen es, wenn ihnen das Lesen verordnet wird.

Ganz schlimm ist, wenn die Eltern sagen, du musst eine Viertelstunde lesen.

Hans Brügelmann, Vorstand im Grundschulverband Bremen

Experten empfehlen daher, dass Kinder allein oder gemeinsam mit ihren Eltern Bücher auswählen. Und wenn Kinder selbst nicht sofort motiviert sind, selbst in einem Buch zu lesen, können Erwachsene ihnen zunächst eine Passage vorlesen – und bestenfalls an einem spannenden Punkt abbrechen. Die Kinder lesen dann die nächste Passage vor. Danach beginnt das Prozedere von vorn. "Anschließend wird darüber gesprochen, was man gerade gelesen hat", rät Brügelmann. "Denn Lesen soll verlockend sein, nicht verordnet werden."

5 Spielen: Knobeln, Rätseln, Schauspielern

Bilderrätsel, Rechenrätsel, Kreuzworträtsel – all das macht nicht nur vielen Erwachsenen Spaß. Und Kinder trainieren nebenbei Logik, Kopfrechnen, Lesen und den Umgang mit Menschen, mit denen sie gemeinsam eine Aufgabe lösen. Entsprechende Rätsel finden sich in Büchern und Zeitschriften, aber auch in Gesellschaftsspielen für unterschiedliche Altersstufen.

Für ältere Kinder sind unter anderem sogenannte Exit- oder Escape-Spiele eine Option. Bei ihnen müssen die Spieler gemeinsam Rätsel lösen, um zum Beispiel aus einem Verließ oder einer Villa zu entkommen oder eine gefährliche Bombe rechtzeitig zu entschärfen.

Viele Ideen dürften auch die Kinder selbst aus der Schule kennen: Vom "Eckenraten", über "Stadt, Land, Fluss" bis zu "Ich sehe was, das du nicht siehst". Auch im Netz gibt es unzählige kostenlose Rätselseiten, die Eltern Anregungen bieten.

Nicht zuletzt können Kindern auch Rollenspiele Spaß bringen. Sich zu verkleiden oder ein eigenes kleines Theaterstück oder eine Zirkusshow aufzuführen, fördert nebenbei soziale und sprachliche Fähigkeiten.

6 Kreativität: Malen, Basteln und Konstruieren

Tuschen oder Zeichnen, Kneten oder Falten, Bauen oder Konstruieren – all dies fördert die kindliche Kreativität und bietet oft stundenlange Beschäftigung. Ob Malbuch, Bauklötze, Papierflieger oder Lego, die Möglichkeiten für Kinder sind hier unbegrenzt.

Wem das Spielzeug zuhause ausgeht, der kann auch auf Alltagsgegenstände zurückgreifen und aus ihnen Dinge erschaffen. Wie so etwas geht, beschreibt beispielsweise das Helmholtz-Institut hier.

Doch es spricht auch nichts dagegen, gemeinsam ein Gedicht oder ein Lied einzuüben – vielleicht ja sogar mit selbstgebastelten Instrumenten.

7 Heimspielplatz: Decken, Kartons und Klebeband

Das Spielplatzverbot, das seit dieser Woche auch im Land Bremen gilt, ist für Eltern eine besondere Herausforderung. Denn der Drang von Kindern, sich zu bewegen und auszuprobieren, muss nun in andere Bahnen gelenkt werden.

In Haus oder Wohnung eignen sich dazu zahlreiche Alltagsgegenstände. Ein Krepp-Klebeband am Stuhl befestigt kann schon Kleinkinder faszinieren. Größere Kinder wissen oft sehr viel mit Kartons anzufangen, vor allem wenn sie diese mit Löchern und Farbe gestalten können. Und ein Evergreen ist und bleibt die Bettdecke, die aus zwei Stühlen oder einem Esszimmertisch eine Höhle macht – die dann natürlich auch passend eingerichtet werden muss.

Der Pädagoge Hans Brügelmann rät allerdings, dafür "Bewegungsräume" in der Wohnung festzulegen, wo gebaut, gebastelt oder gegessen wird. "Denn wenn die Kinder gerade etwas Schönes aufgebaut haben, dann wäre es schlecht, wenn es kurz darauf abgeräumt werden muss."

8 Einbinden: Frühjahrsputz und Kochkurs

Viele Kinder freuen sich, wenn sie das Gefühl haben, Dinge zu tun, die sonst eigentlich den Erwachsenen vorbehalten sind. Dies kann sogar für die tägliche Hausarbeit gelten – die nun einfach gemeinsam mit verteilten Aufgaben erledigt wird.

So muss beispielsweise jemand die Spülmaschine ausräumen oder die Wäsche nach Farben sortieren. Und vor dem Kochen wird vielleicht gemeinsam ein Rezept ausgewählt, das Obst abgewaschen oder der Tisch gedeckt. Und auch im Garten gibt es manches zu tun, dass auch Kindern Spaß macht.

Spaß sollte es den Kindern allerdings machen. "Wer übernimmt was? Was kannst du gut? Was würdest du gerne übernehmen?", seien Fragen, die vorab geklärt sein sollten, sagt der Pädagoge Hans Brügelmann.

9 Auszeiten: Nichtstun gehört auch mal dazu

Bei der Beschäftigung von Kindern empfehlen Experten Eltern zudem, Auszeiten einzuplanen und Langeweile zuzulassen. Denn auch dies fördert Kreativität und Erfindergeist. "Und es muss Teil der gemeinsam festgelegten Tagesstruktur sein", sagt Brügelmann. Auszeiten, in denen Eltern arbeiten können oder auch einmal für sich selbst Lesen oder Musikhören, sollten daher eingeplant werden.

Worauf Eltern dabei allerdings stets achten sollte, ist ihre eigene Vorbildfunktion. "Wer seinem Kind ein Buch zum Lesen in die Hand drückt, sollte sich danach nicht auf dem Sofa vor den Fernseher ausruhen", sagt Brügelmann. Die bessere Variante sei es, selbst ein Buch zu lesen.

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Video vom 17. März 2020
Ein Junge und ein Mädchen sitzen am Küchentisch und puzzeln zusammen.
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 19. März 2020, 23:20 Uhr