Corona und Alltag: Sind Kinder in Bremens Supermärkten unerwünscht?

Sicherheitskräfte am Eingang, Schilder mit Verhaltensregeln im Fenster: Corona verändert das Leben auch beim Einkauf. Gerade Familien werden zur Ordnung gerufen.

Ein Aufsteller in einem Supermarkt, dass pro Einkauf eine Person erlaubt ist.
Zurzeit in vielen Supermärkten zu finden: Schilder die darauf hinweisen, besser allein einkaufen zu gehen.

"Ein bisschen ruppig finde ich das schon", sagt ein älterer Herr mit Blick auf ein Schild am Eingang eines großen Bremer Supermarktes: "Einkaufen ist kein Familienausflug" steht darauf geschrieben. Auch die dazugehörigen Bilder sprechen eine klare Sprache: Ein rot unterlegtes Bild zeigt eine vierköpfige Familie mit Einkaufswagen: "Falsch", steht darunter. Auf einem anderen Bild eine einzelne Person, grün unterlegt: "Richtig", heißt es da. Sind Kinder also beim Einkauf unerwünscht?

An nahezu allen Bremer Supermärkten weisen dieser Tage Plakate darauf hin, dass wegen der Corona-Pandemie neue Verhaltensregeln gelten: Die Kunden mögen Abstand zueinander halten, nur in Einweg-Taschentücher oder in die Armbeuge niesen, nichts ohne Not anfassen und idealerweise kontaktlos mit Karte bezahlen, heißt es typischerweise auf diesen Aushängen. Dass sie keine Kinder mehr bei sich sehen wollten, weisen die Märkte allerdings auf Anfrage von buten un binnen zurück - mit kleinen Einschränkungen.

Nachbarn könnten statt der Eltern einkaufen

So teilt Miriam Pöttker aus der Pressestelle von Edeka Minden-Hannover mit: Man bitte die Kunden "den Einkauf möglichst alleine zu tätigen und nicht mit der ganzen Familie". Sollten Eltern keine Betreuung für die Kindern finden, so könnten auch Nachbarn den Einkauf anstelle der Eltern erledigen, schlägt Pöttker vor.

Wie Edeka, so kommt es auch der Kette Real nach eigenen Angaben vor allem darauf an, "die Zahl derer, die sich gleichzeitig auf der Verkaufsfläche aufhalten, möglichst gering zu halten", sagt Frank Grüneisen, Pressereferent des Unternehmens dazu. Und Isabel Lehmann aus der Pressestelle Lidls fügt hinzu: "Wenn es behördlich vor Ort angeordnet ist, werden Gruppen am Eingangsbereich der Filiale aufgefordert, nicht gemeinsam einkaufen zu gehen, um die Anzahl der Personen in der Filiale zu reduzieren und damit mehr Abstand zu anderen Kunden zu gewährleisten."

Exakt genauso hält es Aldi-Nord. So sagt Christian Salmen aus der Marketingabteilung des Unternehmens: "In unseren Märkten sind weiterhin alle Kunden willkommen - das gilt selbstverständlich auch für Eltern mit Kindern." Um ausreichenden Abstand zu ermöglichen, begrenze Aldi allerdings in einigen Märkten "bei Bedarf die Höchstanzahl der Kunden", die sich gleichzeitig im Geschäft aufhielten.

Bitte um Verständnis

Um eben diese "Höchstanzahl der Kunden" auf möglichst subtile Weise zu begrenzen, sei man bei Rewe derzeit dabei, neue "praktikable Konzepte" zu erarbeiten, sagt Daniela Beckmann, Leiterin der Kundenkommunikation von Rewe. Derzeit geschehe dies etwa, indem die Märkte die Zahl der Einkaufskörbe und -wagen reduzierten, teilweise aber auch durch Einlasskontrollen.

Beckmann wirbt bei den Kunden um Verständnis für die Lebensmittelmärkte für restriktive Regelungen im Rahmen der Corona-Krise: "Wir sind uns im Klaren darüber, dass es angesichts der Fülle von Informationen und den derzeitigen Belastungen unserer Markt-Mitarbeiter bei der Umsetzung der Zutrittsregelung auch vereinzelt zu Missverständnissen kommen kann", sagt sie. Zu Missverständnissen mit Kindern – wie mit Erwachsenen.

3 Fragen an den Virusforscher Andreas Dotzauer

Video vom 1. April 2020
Tafel mit der Frage: Wie sinnvoll ist eine Maskenpflicht?

Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 2. April 2020, 23:30 Uhr