SAP drückt auf die Bremse: Bekommt Bremen wirklich ein KI-Zentrum?

Ein Zentrum für künstliche Intelligenz sollte die angeschlagene Jacobs University retten. Aber jetzt gerät der Traum ins Stocken – und Berlin meldet Gesprächsbedarf an.

Video vom 16. Dezember 2020
Ein blaues Schild der Jacobs Universität an einem Gebäude.
Bild: Radio Bremen

Es dreht sich viel um einen "Letter of intent": Eine Absichtserklärung am Standort der Jacobs University (JUB) einen Campus für Künstliche Intelligenz aufbauen zu wollen. Im November hatte Bremens Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling (SPD) angekündigt, dass eine solche Absichtserklärung schon bald von den beteiligten Unternehmen unterschrieben werden soll. Doch bisher haben die privaten Partner offenbar nicht unterschrieben.

War die Senatorin zu voreilig?

Das sorgt für Unverständnis bei der Opposition: "Ich finde schon, dass die Senatorin für Wissenschaft einfach zu voreilig und zu vollmundig an die Öffentlichkeit gegangen ist mit diesem Konzept. Zumal es weitere Konzepte und Ideen gibt", sagte Susanne Grobien (CDU). So etwas entwickele man besser erst einmal mit "ein bisschen mehr Zurückhaltung".

Eine Frau läuft über den Campus der Jacobs Universität in Bremen-Nord.
Das Land Bremen musste immer wieder einspringen, um Finanzlöcher bei der privaten Universität in Bremen-Nord zu stopfen. Bild: DPA | Ingo Wagner

Dabei klang im November alles so gut: Der Software-Riese SAP wolle gemeinsam mit dem chinesischen IT-Unternehmen Neusoft und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Bremen investieren und die Mehrheitsanteile an der Jacobs University übernehmen. Die Zukunft der Hochschule wäre damit gesichert – Bremen müsste finanziell nicht mehr für die Privatuni einspringen.

SAP drückt auf die Bremse

Doch plant SAP wirklich einen KI-Campus in Bremen? Auf Nachfrage klingt das alles andere als sicher: "Anders als bisweilen berichtet, steht die Art und Weise einer Zusammenarbeit noch nicht fest. Die Diskussionen sind noch in einem sehr frühen Stadium." Sollte es zu einer Kooperation kommen, werde man Details zu gegebener Zeit kommunizieren.

War die Verkündung der vermeintlichen Lösung für die JUB zu früh? Nein, sagt Senatorin Schilling. Und begründet den Schritt mit Formalitäten: Im Sommer war bekannt geworden, dass die Jacobs Foundation ihre Anteile an der Privatuni zum Jahresende abgeben will. Mit der Senatsvorlage habe ihr Ressort "einfach die Weichen stellen" wollen, dass die Anteile entweder auf das Konsortium übertragen werden oder eine Zwischenlösung gefunden werden könne. Doch dieses Konsortium steht – wie sich jetzt zeigt – wohl gar nicht so bereit.

Bundesministerien haben offenbar Gesprächsbedarf

Und dem Vernehmen nach gibt es auf Bundesebene Bedenken, dass sich ein chinesisches Unternehmen in eine deutsche Bildungseinrichtung einkauft. Man sei aus diesem Grund jetzt in Gesprächen mit Berlin.

Die Bundesministerien sind natürlich eng dran an den internationalen Beziehungen und haben da Einschätzungen, die sie gern mit uns teilen.

Claudia Schilling, Bremer Wissenschaftssenatorin

Und was passiert jetzt mit der Jacobs University? Die Zweifel an den bisher bekannten Plänen wachsen zumindest. "Ich weiß aber, dass es entscheidend ist, dass ein Partner wie SAP dabei ist, weil es eben auch darum geht, deutsches Know-How mit einzubringen", sagt Magnus Buhlert von der FDP. "Wenn man ein Bisschen in der Wirtschaft und auch sonst unterwegs ist, dann weiß man, dass solange die Tinte nicht trocken ist, ist gar nichts sicher", sagt Susanne Grobien. Ob ein "Letter of Intent" jemals unterschrieben wird – das ist gerade sehr unsicher.

Stadt soll wieder für Jacobs University bürgen

Video vom 27. September 2019
Das Logo der Jacobs University auf einem Schild. Im Hintergrund eine Parkanlage.
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. Dezember 2020, 19:30 Uhr