Streit ums "Irgendwo"-Festival: Bilanz nach erstem Wochenende

Glückliche Veranstalter, zufriedene Stadt-Instanzen, verärgerte Anwohner: Nach dem ersten Wochenende des Irgendwo-Festivals sind die Fronten weiter verhärtet.

Menschen stehen beim Anderswo-Festival in Bremen auf einer Wiese mit Ständen.
Feiernde des "Anderswo"-Festivals im Sommer 2017. Auch dieses Jahr soll im Süden der Neustadt wieder gefeiert werden, doch dagegen wehren sich Anwohner schon seit Wochen. Bild: Anderswo

1 Die Veranstalter

"Es ist ein zweischneidiges Schwert", sagt Mit-Veranstalterin Amelie Rösel über die Auftaktveranstaltung. "Einerseits ist der Support der Leute echt klasse", kommentiert sie die hohe Zahl an Besuchern; gerade aufgrund der medialen Präsenz der Veranstaltung in den letzten paar Wochen seien sehr viele Leute auf das Angebot aufmerksam geworden, so dass über den Abend verteilt etwa 700 Leute in die südliche Neustadt gekommen waren.

Wir müssen es schon wirklich sehr leise halten. Da sind die Gespräche tatsächlich lauter als die Musik.

Amelie Rösel, Veranstalterin

Auch sei man überrascht gewesen, wie gut der für etwa 10.000 Euro installierte Lärmschutz funktioniere: "Wir waren zwischendurch einmal im Gebiet der Anwohner und selbst wenn keine Autos oder Lkw vorbeigefahren sind, hat man uns wenig bis gar nicht gehört", so Rösel. Umso weniger Verständnis habe man daher für die anhaltenden Anschuldigungen der Anwohner. "Es hieß von deren Seite, wir würden überall Müll liegen lassen und allesamt durch deren Wohngebiet gehen. Und das stimmt schlicht und ergreifend nicht." Bei der Polizei habe man sich indes mehrmals gemeldet, dort sei keine Anzeige oder Beschwerde eingegangen, hieß es. Die nächste große "Irgendwo"-Party wird am 23. Juni stattfinden, zu Ende gehen die verschiedenen Veranstaltungen Ende September.

So laut sind die Lautstärkevorgaben für das "Irgendwo" im Vergleich zu anderen Geräuschen

Lautstärke in DezibelSchallquelle
10 dbBlätterrauschen, Flug einer Mücke
20 dbTicken einer Uhr
30 dbFlüstern
35 dbGrenzwert der für die Anwohner hörbaren Lautstärke des "Irgendwo"-Festivals nach 22 Uhr.
40 dbVogelgezwitscher
50 dbRegen, Kühlschrankgeräusche
55 dbGrenzwert der für die Anwohner hörbaren Lautstärke des "Irgendwo"-Festivals vor 22 Uhr.
60 dbRadio/Fernseher bei Zimmerlautstärke
75 dbGroßraumbüro, normaler Verkehr
100 dbPresslufthammer, Disko
120 dbFlugzeugstart, Gewitterdonner
135 dbSchmerzschwelle

2 Die Anwohner

"Es ist fast schon unverschämt, was hier mit den Anwohnern geschieht", meint Anwohnerin Friedlinde Dreier. Zwar sei es an diesem Wochenende in Ordnung und die Lautstärke ertragbar gewesen, Kritikpunkte gebe es aber dennoch mehr als genug. "Die Musikanlage war noch nicht verplombt wie eigentlich vorgeschrieben, die hatten noch gar keine Ausschankgenehmigung, und dass es dort einen Abwasserkanal für das Spülwasser und anderes gibt, wagen wir auch zu bezweifeln", sagt Dreier.

Den Dialog mit den Veranstaltern habe man mittlerweile abgebrochen. Wenn es beim nächsten Mal zu laut werden sollte, wolle man vor das Verwaltungsgericht ziehen. Schon an diesem Wochenende habe es Beschwerden bei der Polizei gegeben, so Dreier; "von anderen Stellen, wo der Lärm jetzt hingeht."

Diese Unzufriedenheit der Anwohner gilt aber nicht nur "Irgendwo" selbst, sondern auch dem Senator für Umwelt, Bau und Verkehr.

Die Leute vom Irgendwo durften hier alles machen. Bauen, Ausschenken ohne Genehmigung...aber versuchen Sie mal, ohne Genehmigung ein Gartenhaus zu bauen. Da stehen die dann sofort auf der Matte.

Friedline Dreier, Anwohnerin

Auch, dass man erst am Donnerstag direkt vor der Veranstaltung erfahren hätte, dass der Senator grünes Licht gegeben hätte, "darf so einfach nicht sein."

3 Die Polizei

"Durchweg ohne Vorkommnisse", heißt es von der Polizeipressestelle kurz und knapp auf die Frage, wie es am Wochenende gelaufen sei. "Ich möchte die Beschreibung 'es lief alles ruhig' vermeiden", heißt es von einem Sprecher, "aber es hat keine Anzeigen oder Beschwerden wegen Lärmbelästigung oder sonstiges gegeben." Auch der Emissionsschutz der Umweltbehörde sei vor Ort gewesen und habe die Lautstärke gemessen, die bei den Anwohnern ankommt. Ergebnis: "Alles im grünen Bereich."

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  • Jochen Duwe

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 1. Juni 2018, 23:20 Uhr